„Feiertag ist auch Kampftag“

Mehr als 250 Menschen bei DGB-Kundgebung auf dem Rotenburger Pferdemarkt

+
Viele kritische, aber auch kämpferische Töne bekamen die gut 250 Besucher der DGB-Kundgebung zu hören.

Rotenburg - Von Jens Wieters. Kämpferische Gewerkschafter, flotte Musik, nachdenklich machende Poetry Slammer : Der Tag der Arbeit hat gut 250 Menschen auf den Rotenburger Pferdemarkt gelockt, wo der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zur Kundgebung nach dem Motto „Wir sind viele, wir sind eins“ aufgerufen hatte.

Wilfried Warncke, Vorsitzender des DGB-Kreisverbands, betonte ebenso wie Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD), dass die Gewerkschaften nach wie vor ein unverzichtbares Standbein „für den sozialen Frieden“ in Deutschland seien, „auch wenn der Tag der Arbeit von vielen heute nicht mehr richtig verstanden wird“, wie Weber betonte.

„Von Vollbeschäftigung ist Niedersachsen weit entfernt“

Hauptrednerin Gundi Müller, Vorsitzende des Bezirksverbands Lüneburg der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hob hervor, dass das vorangestellte Motto des besonderen Tags „Wir sind viele, wir sind eins“ auch so interpretiert werden könne: „Wir sind viele und wir sind uns eins, dass wir mehr werden wollen“. Denn selbstverständlich sei es nicht mehr, als abhängig Beschäftigter Mitglied in einer DGB-Gewerkschaft zu werden. „Aber einzeln erreichen wir wenig. Freiwillig bietet ein Arbeitgeber keine Verbesserungen an. Je mehr Kollegen und je lauter wir unsere Forderungen äußern, umso schneller erreichen wir Verbesserungen“, so Müller, die beim Thema Tarifverträge unterstrich, dass die „für ein solidarisches Miteinander in den Betrieben“ zwingend notwendig seien. „Denn Tarifverträge sichern einen fairen Lohn für gute Arbeit.“

Bei der vermeintlich guten Konjunktur und und die auf den ersten Blick positiven Nachrichten aus den Agenturen für Arbeit, dürfe, so Müller, aber eines nicht vergessen werden: 760.000 Menschen in Niedersachsen hätten 2014 zu einem Bruttostundenlohn von unter zehn Euro gearbeitet. 2016 seien 330.000 Menschen arbeitslos gewesen. „Von Vollbeschäftigung und fairem Lohn für gute Arbeit ist Niedersachsen weit entfernt.“

Gewerkschaft fordert befristete Arbeitsverträge abzuschaffen

Das Land brauche eine offensive Beschäftigungspolitik, um Arbeitslosigkeit abzubauen und gute Arbeit zu fairer Bezahlung zu schaffen. „Darum muss unsere Forderung umgesetzt werden: Schluss mit befristeten Verträgen, gutes Geld für gute Arbeit und eine Rente, die reicht.“

Geld sei nämlich genug da. Ver.di und GEW unterstützten den Aufruf „Reichtum umverteilen – ein gerechtes Land für alle!“. Müller hatte ein paar Zahlen parat: „Zehn Prozent der Haushalte besitzen 52 Prozent des Vermögens in Deutschland. Soziale Ungleichheit und Ungerechtigkeit nehmen in unserem Land stetig zu.“

Gemeinwesen soll durch Umverteilung besser unterstützt werden

Als arm in Deutschland gelte, wer als Einzelperson weniger als 917 Euro netto verdiene, für eine vierköpfige Familie sei die Grenze bei 2355 Euro. „Wir fordern deshalb eine Umverteilung: Finanzstarke Unternehmen und Reiche müssen stärker besteuert werden und so einen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten.“ Durch eine Vermögenssteuer und eine reformierte Erbschaftsteuer müsse erreicht werden, dass sich Millionäre angemessen an der Finanzierung der öffentlichen Aufgaben beteiligten, verlangte Müller. Die rief wie alle ihre Vorredner auch dazu auf, den Rechtspopulisten die Rote Karte zu zeigen. „Wir dulden kein unsolidarisches Handeln und Fremdenfeindlichkeit in den Betrieben.“

Genau dieses Thema war auch Inhalt der Vorträge der Poetry Slammer Conny Fauck und Eva Matz, die ebenso viel Applaus bekamen wie d Michael Zehl und Friends für ihre Live-Musik. „Der Feiertag ist auch ein Kampftag gegen soziale Ungerechtigkeit, aber das Feiern kommt dennoch nicht zu kurz“, fasste ein Gewerkschafter die Kundgebung treffend zusammen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

14. Barnstorfer Ballonfahrer-Festival 

14. Barnstorfer Ballonfahrer-Festival 

La Strada in Rotenburg - der Freitag 

La Strada in Rotenburg - der Freitag 

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

3:1 übertüncht Defizite: Bayern "nicht im siebten Himmel"

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Reiserecht: 20 Gründe für den Rücktritt

Meistgelesene Artikel

„La Strada – Straßenzirkus“ startet Freitagabend

„La Strada – Straßenzirkus“ startet Freitagabend

Kommersabend des Kreisschützenfestes: „Heute wollen wir nur feiern“

Kommersabend des Kreisschützenfestes: „Heute wollen wir nur feiern“

„La Strada“-Eröffnung: Regionale und internationale Künstler begeistern

„La Strada“-Eröffnung: Regionale und internationale Künstler begeistern

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Nach dem Starkregen: Auto durch Gullydeckel beschädigt

Kommentare