100 Jahre alt

VHS Rotenburg feiert Jubiläum

Michael Burgwald präsentiert das neue VHS-Programm und zeigt dazu die alte, 1919 angelegte VHS-Akte. Fotos: Menker
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Michael Burgwald präsentiert das neue VHS-Programm und zeigt dazu die alte, 1919 angelegte VHS-Akte.

Rotenburg - Schon seit langer Zeit verleiht die Rotenburger Volkshochschule ihren Semester-Programmheften einen gestalterischen Schwerpunkt. In diesem Jahr drängt sich das Thema von selbst auf. Schließlich feiert die Bildungseinrichtung im Kantor-Helmke-Haus ein besonderes Jubiläum: Vor 100 Jahren – am 3. November 1919 – ist sie an den Start gegangen.

„Sie ist damals in der neuen Mittelschule gegründet worden“, weiß Michael Burgwald zu berichten. Er ist seit 1. Juli 2008 Leiter der Rotenburger Volkshochschule. Hintergrund sei die Aufnahme der Erwachsenenbildung in die Reichsverfassung gewesen. Um die Demokratisierung in der neuen Weimarer Republik voranzutreiben, sei es ein besonderes Anliegen gewesen, das allgemeine Bildungsniveau anzuheben. „Bis dahin war eine gute Bildung nur bestimmten Schichten vorbehalten“, sagt Burgwald. Bildung sei vor allem stark vom Einkommen abhängig gewesen.

Burgwald ist tief in das Archiv eingestiegen, um möglichst viel ans Tageslicht zurückzuholen, was sich über die Geschichte der Rotenburger VHS finden lässt. In die Hände gefallen ist ihm dabei die „Akte des Magistrats zu Rotenburg in Hannover“ mit dem Titel „Einrichtung einer Volkshochschule“. Die Akte ist im Juli – also wenige Wochen vor dem Startschuss – angelegt, aber auch nur drei Jahre später wieder geschlossen worden. „Dann hat man die VHS wieder eingestellt“, so Burgwald. Denn: Die Stadt war klamm, hatte also nicht mehr ausreichend Geld, um die VHS zu subventionieren. Und: „Die Nachfrage ließ nach, die Menschen hatten andere Sorgen.“

Die Akte aus dem Archiv (l.) und die Eröffnungseinladung.

Erst 1952 gründete sich in der Wümmestadt ein Verein, der bis 1971 die VHS in seine Hände nahm und wiederbelebte. Dann aber stellte die Stadt selbst einen Antrag auf finanzielle Zuwendung aus Hannover – im Jahr darauf nahm sie selbst wieder das Heft in die Hand und übernahm den Betrieb von dem Verein. Erster Leiter der VHS, zweiter Teil, wurde Curt Schmilinski. Vier Jahre später kam dieser bei einem Verkehrsunfall ums Leben, und Siegfried Schulze trat seine Nachfolge an. „Zu diesem Zeitpunkt befand sich die VHS im Rathaus, und nur ein Jahr später ist die Bücherei angegliedert worden“, weiß Burgwald. Bis heute ist sie fester Bestandteil eines gemeinsamen Amtes. Neu war auch, wie Schulze der VHS einen zusätzlichen, kulturellen Schub verlieh. Er richtete eine Grafothek ein und kümmerte sich darüber hinaus um den zweiten Bildungsweg. Spätestens mit Uwe Otto, dem Nachfolger Schulzes, der am 1. August 1991 die VHS-Leitung übernahm, entwickelte sich das Kantor-Helmke-Haus „zum kulturellen Zentrum“ an der Wümme, so Burgwald.

Mit der ausgegrabenen Akte – sie lag im Stadtarchiv – ist Burgwald auch der erste „Arbeits-Plan“ in die Hände gefallen. „Dieser Begriff hat sich intern bis heute gehalten, nach außen hin sprechen wir hingegen vom VHS-Programm.“ Der Arbeitsplan war seinerzeit für 50 Pfennig zu haben und beinhaltete zwei wesentliche Schwerpunkte: Da war einerseits der schulische Unterricht mit mehreren Fächern, wie Kunstgeschichte, Literatur, Bankwesen, Physik sowie später auch Mathematik und Geografie. Andererseits gab es Vorträge allgemeiner Art aus den Bereichen der Wissenschaft, der Kunst, Literatur, Recht, Geschichte und Religion. Für den schulischen Teil waren 60 Mark pro Semester zu bezahlen. „Das Geld konnte auch in zwei Raten gezahlt werden“, hat Burgwald herausgefunden.

Inzwischen hat sich in der Volkshochschule sehr viel getan. Kultur in der Stadt bildet einen festen Bestandteil, ebenso wie der zweite Bildungsweg, die berufliche Bildung und die EDV sowie die Bereiche Mensch, Gesellschaft und Umwelt, Sprachen, die junge VHS, der Teil kulturelle Bildung und kreatives Gestalten, Gesundheit und Ernährung. 290 Kurse und Veranstaltungen stehen im neuen Programmheft für das Herbstsemester zur Auswahl – 61 davon finden zum ersten Mal statt. 131 Dozenten arbeiten mit der Volkshochschule zusammen. Und die bekommen nun auch mehr Geld für ihre Arbeit. Das war nicht zuletzt auch Michael Burgwald ganz wichtig. Zum ersten Mal seit 2004 ist auch eine Gebührenerhöhung beschlossen worden, die mit Beginn des nächsten Semesters greift. Die allgemeinen Kurse kosten pro Unterrichtsstunde nun 2,90 Euro statt bisher 2,55 Euro. In den Bereichen EDV und berufliche Bildung steigt der Preis je Unterrichtsstunde von 3,55 auf 3,90 Euro.

Das neue Programmheft erscheint am Mittwoch und liegt der Rotenburger Kreiszeitung bei. Darüber hinaus ist es im Kantor-Helmke-Haus sowie an zahlreichen Auslagestellen erhältlich. In digitaler Form ist das Heft mit dem kompletten Programm auch im Internet unter der Adresse www.vhs-row.de zu finden. Dort sind auch Anmeldungen möglich. Spätestens damit wird auch klar, was sich in den vergangenen 100 Jahren alles geändert hat.

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