Erika und Heinz Böder aus Waffensen sind 60 Jahre glücklich verheiratet

Feier verschoben, nicht aufgehoben

... und 60 Jahre später vor ihrem Eigenheim. Fotos: goldstein

Waffensen - Von Heinz Goldstein. Erika und Heinz Böder aus Waffensen sind am Sonntag 60 Jahre verheiratet. Mit den Planungen für die große Feier der „Diamantenen“ hatten sie bereits Anfang des Jahres begonnen. „Die Gästeliste hatten wir schon komplett erstellt und auch einige Einladungen waren bereits verschickt. Aber dann machte uns im März die Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränken einen kräftigen Strich durch die Rechnung“, bedauert das Ehepaar, dass größere Feiern wegen der Infektionsgefahr bis auf Weiteres verboten sind. „Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben“, gibt sich die 80-jährige Erika optimistisch. „Wir holen die Feier auf alle Fälle nach, sowie es erlaubt ist.“ Da sind sich beide einig. Die fitten Achtziger haben den Garten rund um ihr Eigenheim im Zentrum Waffensens schonmal auf Vordermann gebracht. „Da können wir feiern, sobald die Einschränkungen des gemeinsamen Miteinanders gelockert oder ganz aufgehoben werden.“

Beide schauen sich tief in die Augen. 60 Jahre sind sie also schon verheiratet – glücklich und unzertrennlich. Sie genießen die Gemeinsamkeit in vollen Zügen. Im Gespräch mit der Kreiszeitung im liebevoll angelegten Garten werden Erinnerungen wach, wie alles vor mehr als sechs Dekaden mit dem Paar begonnen hatte. „Ich bin eine waschechte Waffensener Deern und auf dem elterlichen Hof Köhnken aufgewachsen. Im Dorf bin ich auch zur Schule gegangen und später habe ich hier gearbeitet“, erzählt Erika Böder – und in diesem Dorf habe sie sich im zarten Alter von 16 Jahren unsterblich in ihren Heinz verliebt.

Wie genau sich die Geschichte abgespielt hat, erzählen beide erst, als auch der Jubilar (85) berichtet hat, wie er nach Waffensen gekommen ist. „Ich wurde 1935 auf dem elterlichen Bauernhof in Hinterpommern geboren. Im November 1945 ist unser Hof von den Polen in Besitz genommen worden. Und meine Familie und ich mussten ihn unter Zwang verlassen.“ Nach vielen Zwischenstationen war Waffensen das endgültige Familiendomizil geworden. Dort sei er noch zwei Jahre zur Schule gegangen. „Gewohnt haben wir in der Dorfschule, die in direkter Nachbarschaft zum Köhnken-Hof lag.“ 1955 hätten sich dann Erika und Heinz erstmals tief in die Augen geschaut und eine Glut in ihnen entfacht.

Sie hätten sich damals zu einer Fahrradtour verabredet. Die damals fast 16-jährige Erika stibitzte den Klingeldeckel vom Fahrrad ihres Begleiters. „Ich war mir ganz sicher, dass Heinz wiederkommen würde, um sich das Diebesgut zurückzuholen.“ Bei der Herausgabe des Fahrradzubehörs gab es dann für beide kein Halten mehr: „Wir küssten uns das erste Mal.“ Die innerliche Glut, die sich durch erhöhte Herzfrequenz und Kribbeln im Bauch äußerte, sei zu einer großen Liebe entflammt.

Die logische Konsequenz: 1960 haben sie am 24. Mai standesamtlich geheiratet. Eigentlich sollte der Tag das Verlobungsdatum sein, aber eine Versetzung als lediger Bahnbeamter nach Husum hing Heinz Böder im Nacken. Um der Versetzung zu entgehen, haben beide sofort das Aufgebot bestellt und fix geheiratet. So durfte Heinz als Verheirateter zum Juni 1960 nicht mehr versetzt werden.

Die kirchliche Trauung fand am 18. Juni statt. Nach der Hochzeit folgte der Hausbau an der Straße Unter den Eichen und der Einzug ins Eigenheim. Die Kinder Carsten, Thomas, Volker und Monika brachten Leben ins Haus. Beide verwalteten zudem viele Jahre die Gemeindekasse, die 1974 durch die Eingemeindung in Rotenburg von der Stadt übernommen wurde. Erika führte fortan die Zweigstelle der Volksbank Sottrum in Waffensen, die sie bis zum Jahr 2000 leitete. Ehemann Heinz ging derzeit seinen Hobbys nach. Er ist Mitglied im Schützenverein und habe dort ehrenamtlich zeitweise das Amt des Schieß- und des Kassenwartes ausgeübt und sei auch Kommandeur gewesen.

Nach 40 Jahren Vorstandsarbeit ist er jetzt stolzer Ehrenkommandeur. Erika und Heinz Böder sind begeisterte Radfahrer. Auf die Frage, ob das Faible fürs Radeln in Zusammenhang mit dem ersten Kuss vor 65 Jahren stehe, beantworten beide mit einem kleinen Lächeln. Gefeiert wird übrigens aber doch ein bisschen. Am Sonntag werden sie in kleinem Kreis auf die „Diamantene“ anstoßen.

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