Feier im Gemeindehaus mit anschließender Kranzniederlegung am Mahnmal

Nicht vergessen – sondern gedenken

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Bürgermeister Andreas Weber und Oberstleutnant York Buchholtz nach der Kranzniederlegung am Mahnmal.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. Es regnet in Strömen. Vor dem Mahnmal der Rotenburger Opfer des ersten Weltkrieges, direkt neben der Stadtkirche, stehen zwei Soldaten aus der Lent-Kaserne mit brennenden Fackeln in der Hand. Soeben haben Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber und der Kommandeur des Jägerbataillons 91, Obersteleutnant York Buchholtz, einen Kranz niedergelegt. Am Sonntag war Volkstrauertag. Auch die Rotenburger gedachten den Opfern von Gewalt und Krieg.

Vor der Kranzniederlegung sprach Weber im Gemeindesaal der Stadtkirche. Hier hatten sich Kameraden der Kyffhäuser, Bundeswehr, Feuerwehr und des Schützenvereins sowie Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Kirche und trauernde Bürger versammelt, um gemeinsam der Opfer zu gedenken.

Weber sprach von aktuellen Ereignissen in der Welt und der daraus resultierenden Flüchtlingszuwanderung, die die Bedeutung des Volkstrauertages aufzeigen. Die Gewalt habe nach den Anschlägen am Freitagabend in Paris eine neue Dimension erreicht. „Entsetzen, Schock und Trauer haben uns ergriffen. Unser Mitgefühl gilt den französischen Freunden und Partnern“, so Weber

Den Volkstrauertag gibt es seit Ende des Ersten Weltkrieges. Während der Nazi-Zeit zum Heldengedenktag missbraucht, ist er 1950 wieder vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge als Gedenktag der Trauer und Erinnerung an die Opfer von Gewalt in der Vergangenheit und Gegenwart wieder eingeführt worden. „Unsere demokratische Verfassung hat uns 70 Jahre Frieden beschert. Auch weil sie eine wehrhafte Demokratie ist, die sich gegen Extreme von links und rechts erfolgreich zur Wehr setzen kann“, so Weber. Daran habe auch die Bundeswehr einen erheblichen Anteil, die gestern mit vielen Soldaten an der Feier teilgenommen hat. Seit 60 Jahren sei sie mit ein Garant zur Erhaltung der menschlichen Werte. Auch die Bundeswehr hat bereits Kriegsopfer zu beklagen.

Frieden sei heute nicht selbstverständlich und Kriegsgebiete nicht weit von Deutschland entfernt. In Anbetracht der aktuellen Geschehnisse beschleiche Deutschland eine Art Macht- und Hilflosigkeit. Vor dem Hintergrund der schmerzhaften Erfahrungen von Paris bringen immer mehr Leute Verständnis dafür auf, dass Menschen ihr Land, in dem Gewalt und Tod an der Tagesordnung stehen, verlassen, nur um ihr nacktes Leben zu retten, sagte Weber. „Der Volkstrauertag hat wieder eine Aktualität erfahren und wir müssen der Realität ins Auge schauen.“

„Nur wer sich erinnert, hat eine Zukunft“, zitierte Weber Werke-Chefin Jutta Wendland-Park, und „deshalb gedenken wir heute der Opfer von Kriegen, Terror und Menschenverachtung, aber auch über diesen Tag hinaus“.

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