„Womo-Dinner“ in Unterstedt

Ein Abend fast wie normal

Heike bekommt einen Absacker gereicht.
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Ein „Absacker“ zum Schluss: Heike und Dennis aus Osterholz-Scharmbeck hat das Konzept des „Womo-Dinners“ überzeugt.

Unterstedt – Unterstedt Sonntagabend, 18 Uhr. Der Parkplatz des Restaurants in Unterstedt ist mit lodernden Fackeln umsäumt. Die Tischlampen in den Gasthof-Fenstern beleuchten die leeren Tische; an der Theke sitzen zwei Menschen mit Masken, die auf ihr Essen zum Mitnehmen warten. Über den hinteren Parkplatz huschen immer wieder Mitarbeiter, trotz schwarzer Kluft gut am „Waldhof“-Emblem erkennbar.

Fünf Wohnmobile sind dort geparkt, die Kennzeichen sind OHZ, VER, BRV, HB und natürlich ROW. Aus einigen der Mobilheime auf Rädern scheint Licht, man kann gedeckte Tische erahnen. Das „Womo-Dinner“ ist eine Idee, auf die Waldhof-Betreiberin Andrea Horn online aufmerksam wurde. Dort scheint es ein regelrechter Hype zu sein, „allein die Facebook-Gruppe ‚Das Womo-Dinner – das Original‘ hat mehrere tausend Mitglieder“, weiß sie. Auch an diesem Abend sind neben Stammgästen, die sonst „außer Haus“ bestellen, auch einige neue Gäste von außerhalb dabei.

In den ersten Wochen sei das neue Format – in Corona-Zeiten hat die Traditions-Gaststätte von Donnerstag bis Sonntag geöffnet –, zunächst zwei- bis drei-, manchmal auch zehnmal täglich genutzt worden, erzählt die Wirtin. Heute am Valentinstag brummt die Hütte, oder vielmehr: Küche und Parkplatz, denn dazwischen spielt sich an diesem Tag alles ab. Ein ganz schön langer Weg, und ein eisiger dazu, „aber nach ein paar Gängen merkt man das gar nicht mehr“, versichert Sabrina, die mit fünf anderen die Insassen der heute mittags und abends insgesamt 15 „Womos“ bewirtet.

Die Mitarbeiter des Waldhofs begrüßen jedes Valentins-Pärchen mit einem Willkommenskorb samt Rose.

Vor Corona haben sich in Spitzenzeiten bis zu 19 Servicekräfte um bis zu 200 Gäste gekümmert – von diesen Zeiten kann Horn heute nur noch träumen. Sie ist dankbar für jeden Kunden, der den Betrieb durch Außer-Haus-Bestellungen unterstützt, „und viele halten uns jedes Wochenende die Treue“. Nur: Die Kosten deckt das mitnichten, die Ersparnisse für die Altersvorsorge schwinden. Corona, das sei „eine Schlidderpartie“ – und damit meint Horn nicht nur ihre Mitarbeiter, die mit den eigens angeschafften grauen Styroporboxen zum Warmhalten der Speisen über den frostigen Parkplatz eilen.

Gerade betritt wieder ein Neuankömmling die Gaststube. Wie alle Wohnmobilisten hat auch Pierre Beier vorgebucht. Auch er und seine Frau sind im Internet auf der „Womo-Explorer“-Seite auf das Angebot gestoßen. Für sie ist es das erste „Womo-Dinner“ überhaupt. Der Waldhof ist ihnen dagegen nicht ganz unbekannt, „wir haben hier schon mal eine Hochzeit gefeiert“, sagt die Neuenkirchenerin. Unter den Angeboten habe schließlich „der Gaumen entschieden“ – eines der vier Valentinsmenüs der Unterstedter überzeugte.

Während sie sich auf Hochzeitssuppe, Rumpsteak und Vanilleeis mit heißen Kirschen freuen, klopft es an der Schiebetür des Minicampers: Sabrina reicht ein Willkommenskörbchen mit Speisekarte, Besteck, Salz & Pfeffer und Servierten. Melanie Beier breitet die weiße, ebenfalls mitgelieferte Tischdecke aus und arrangiert die Teelichte in Herzform und die rote Rose – „toll, die lassen sich was einfallen“, meint sie mit Blick auf das flugs geschaffene heimelige Ambiente, und Gatte Pierre findet: „Irgendwie eine Mischung aus Restaurantbesuch und Urlaub.“

„Endlich mal wieder Essen gehen“, heißt der Tenor auch einige Womos weiter. Das ungleich größere Gefährt aus Osterholz-Scharmbeck beherbergt 20 Beine, genauer gesagt zwei Zwei- und vier Vierbeiner. Heike und Dennis („Vornamen reichen doch, oder?“) sind heute mit den Hunden einen Teil des Nordpfades „Dör’t Moor“ gewandert. Sie genießen es, dass bei ihrem „etwas anderen Restaurantbesuch“ die vier tierischen Begleiter dabei sein dürfen, „das ist so viel entspannter“, ist das Ehepaar sich einig. Dabei ist Heike besonders wichtig, von Porzellan zu essen. Früher im Urlaub habe man schon öfter mal Speisen bestellt, während der Pandemie zuhause jedoch selten wegen der Einwegverpackungen, die sie nach Möglichkeit vermeiden. Sie begrüßt, dass heute kein Plasikmüll anfällt. Eigentlich würden die beiden, beziehungsweise sechs, nach dem knapp zweistündigen Valentine-Dinner jetzt „einfach gern zu Bett gehen“, schmunzelt Dennis. Doch eine Übernachtung ist hier nicht angezeigt. So wird der restliche Wein im bordeigenen Kühlschrank verstaut; den zur Rechnung gereichten Kurzen nimmt Heike entgegen.

Damit erübrigt sich die Frage, wer fährt. Beleg, Scheine und Restgeschirr werden durch die Schiebetür gereicht– verbunden mit Bitte der Gäste, dass das „Womo-Dinner“ auch nach Corona angeboten werden möge.

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