„Fast 75 Jahre im Frieden“

Klaus Rinck unterstreicht Bedeutung des Volkstrauertages

Klaus Rinck

Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. Passend dazu trudelt in der Redaktion eine Einladung für den 30. Oktober ein. Dann treffen sich alle Beteiligten der Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Rotenburg. Dass dieser Tag und auch die Gedenkfeier dazu nach wie vor von besonderer Bedeutung ist, macht Klaus Rinck als Vorsitzender des Ortsverbandes Rotenburg im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge deutlich.

Herr Rinck, Sie sind Vorsitzender des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der sich in jedem Jahr ganz maßgeblich an der Gestaltung des Volkstrauertages in Rotenburg kümmert. Warum war es Ihnen ein Anliegen, sich in diesem Bereich zu engagieren?

Der Volkstrauertag dient dem Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege. Wir leben jetzt seit fast 75 Jahren im Frieden. Durch das Wachhalten der Erinnerung sind wir in der Lage, zu begreifen, dass dieser Zustand nicht selbstverständlich ist. Persönlich engagiere ich mich auch deshalb, weil der Bruder meines Schwiegervaters, Albert Rinck, zu den Gefallenen gehörte.

Der Volksbund macht ja weitaus mehr als nur die Gestaltung dieses Feiertages am 17. November zu organisieren. Womit sind Sie in Ihrer Funktion darüber hinaus eingebunden in die Arbeit?

Organisation und Durchführung des Volkstrauertages, bei der ich dankenswerterweise sehr tatkräftig von Herrn Rütter unterstützt werde, sind – einschließlich der Sammlung – aufwendiger als man denkt. Weitere Aktivitäten werden nicht über den Orts-, sondern über den Kreisverband organisiert.

Was sagen Sie jenen Menschen, die nicht müde werden darin zu sagen, dass es irgendwann auch mal gut sein müsse mit der Erinnerung?

Die Erinnerung ist wichtiger, als man das auf den ersten Blick wahrnimmt. Die Rotenburger haben durch den Volkstrauertag auch die Möglichkeit, ihrer Verwandten zu gedenken, die Opfer sinnloser Kriege wurden.

Jugendlichen mag es etwas verstaubt vorkommen, wenn vor allem ältere Menschen an den Gedenkstätten Blumenkränze niederlegen und sich zu Volkstrauerfeiern treffen. Gerade deshalb muss es eine besondere Herausforderung sein, junge Menschen für die Arbeit und die Anliegen des Volksbundes zu begeistern. Wie kann das gelingen?

Es gelingt durch die anlässlich des Volkstrauertages stattfindenden Sammlungen oder zum Beispiel durch die seitens des Ratsgymnasiums alljährlich durchgeführten Fahrten zur Kriegsgräberstätte im belgischen Lommel, die ich sehr befürworte. Wenn man Kriege sieht, die im Hier und Jetzt – irgendwo in der Welt – stattfinden, begreifen die Jugendlichen deren Schrecken eher, wenn sie sich klar machen, dass sich dies noch vor zwei, drei Generationen auch in Europa ereignet hat.

Wie wichtig ist diese Überzeugungsarbeit gerade jetzt in einer Zeit, da auch unsere Gesellschaft vom zunehmenden Populismus geprägt wird und es zu einem Attentat auf eine Synagoge kommt, wie am Mittwoch in Halle / Saale?

Ich nehme an, dass Sie mit dieser Frage nicht allgemein auf Populismus, sondern auf diejenigen abzielen, die – verstärkt in den neuen Bundesländern, aber leider auch hier in Niedersachsen – ihrer ganz eigenen Art der Vergangenheitsverklärung nachgehen, indem sie das Dritte Reich verherrlichen. Klare Worte zum Volkstrauertag, die das Grauen der Kriege aufzeigen, helfen meiner Meinung nach auch dabei, Rechtsextreme zur Besinnung zu bringen und ihnen zu zeigen, dass sie auf einem fürchterlich falschen Weg sind. Das fürchterliche Attentat in Halle zeigt, wie Rechtsextremismus und Judenhass immer noch in erschreckender Weise in den Köpfen von irregeleiteten Menschen vorhanden sind. Die Erinnerung an die dunkle Zeit des Dritten Reiches muss wachgehalten werden, um zu verhindern, dass Menschen sich auf solche Abwege begeben.

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