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Ausstellung im Rotenburger Kunstturm: Farbenfrohes Temperament

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Von: Ann-Christin Beims

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 Künstlerin Clemencia Labin steht im Eingang des Kunstturms unter ihren „Pulpas“.
Beeindruckend begrüßen die farbenfrohen „Pulpas“ der venezolanischen Künstlerin Clemencia Labin direkt im Eingang des Rotenburger Kunstturms die Besucher. © Beims

Der Rotenburger Kunstturm präsentiert mit der venezolanischen Künstlerin Clemencia Labin seine zweite Ausstellung im aktuellen Programm.

Rotenburg – Wer den Kunstturm dieser Tage betritt, bleibt zunächst staunend stehen. Drei riesige, farbenfrohe Gebilde hängen von der Decke. „Pulpas“, sagt Künstlerin Clemencia Labin, die geschäftig zwischen selbigen herumläuft und die Treppen an diesem Tag mehrfach hoch- und runtergeflitzt ist. „Dabei habe ich Höhenangst“, erklärt sie und lacht. Die scheint ihr aber nur wenig auszumachen: Labin freut sich, ihre Ausstellung „Coralino Solo“ präsentieren zu können. Am Samstag, 12. März, eröffnet Michael Dörner, Vorsitzender des Rotenburger Kunstvereins, die Ausstellung aus Malerei und Performance.

Zwei Jahre musste die gebürtige Venezolanerin, die seit Langem in Hamburg lebt, darauf warten, ihre Werke, die sie extra für den Kunstturm kreiert hat, der Öffentlichkeit zu zeigen. Bis zum 17. April hat sie nun die Gelegenheit dazu. Labins Ausstellung gehört zum Programm von 2020, das aufgrund der Pandemie geschoben werden musste, so Dörner.

Was den Kunst-Professor beeindruckt: Labin hat den Turm als Ganzes in ihre Kunst integriert. Jede Etage zeigt eine andere Ausstellung, „eine andere Welt“. Im Erdgeschoss erwarten Besucher die „Pulpas“, übersetzt heißt das Fruchtfleisch. „Meine Arbeiten sind sehr feminin, an organische Formen angelehnt“, erklärt Labin die mit bunten Stoffen überzogenen Werke. „Ich habe keine Angst, zu weiblich zu sein – auch wenn das manche kritisieren“, sagt die temperamentvolle Südamerikanerin. Sie will provozieren, spielt mit Farbe und Form, verschiedenen Texturen. Der Einfluss des Bunten, Lebendigen ist überall spürbar, das venezolanische Flair. „Mir ist Farbe wichtig, aber auch Textur, das ist Leben, das ist ein Körper“, sagt Labin im ersten Stock, dem „Coralino“-Raum. Dort sind die mit Lycra genähten Werke korallfarben, so, wie die Werke im dritten Stock ganz oben in „Citronella“, also gelb, leuchten – besonders, wenn Sonnenlicht in den Raum fällt. Manche wirken, als würden sie regelrecht aus der schlichten weißen Wand herausquellen.

Clemencia Labin und Michael Dörner stehen vor einem von Labins Werken.
Clemencia Labin und Michael Dörner freuen sich auf den Startschuss für die neue Ausstellung. © Beims

Dazwischen wartet ein Performance-Video auf die Besucher, in dem Labin in einem ihrer selbst genähten Kostüme tanzt. „Einen Kampf der Masse“, nennt sie es.

Ihr Temperament zeigt sich in ihren Werken, erklärt Dörner, der mit Labin studiert hat. Er kennt sie seit fast 40 Jahren und hat einige Projekte mit ihr realisiert – in Deutschland und Venezuela. Dabei hat Labin erst spät, mit 38 Jahren, angefangen, Kunst zu studieren. Obwohl sie schon als Kind Interesse daran hatte. Aber ihr Vater verstand unter Kunst, dass ein Lehrer ihr zeigt, Stillleben zu malen. Immer „nur Bananen und Äpfel“, das wollte sie nicht. Sie hat dann aber später zunächst in New York ihren „Master in Business Administration“ gemacht und ist danach nach Deutschland gezogen. „Ich habe aber immer gemalt, auf meine Art“, sagt sie. Auch mit ihrer Heimat ist Labin nach wie vor sehr verbunden. Über 13 Jahre hatte sie sogar in ihrer Heimatstadt Maracaibo das Kunst-Festival „Velada Santa Lucía“ aufgebaut, bei dem sich viele beteiligt haben.

Künstlerinnengespräch

Am Donnerstag, 24. März, steht Labin ab 18 Uhr für ein Künstlerinnengespräch im Kunstturm zur Verfügung. Sie erzählt von sich und ihrer Arbeit und Interessierte können Fragen stellen.

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