Familienbesucherinnen begrüßen Neugeborene im Landkreis Rotenburg

Mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause

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Familienbesucherin Ursula Baake (r.) begrüßt den fünf Monate alten Jonathan, den Sohn von Henrike Jacobs.

Rotenburg - Von Inken Quebe. Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist das ein Grund zur Freude. Das ist im Landkreis Rotenburg nicht anders. Um dieser Freude Ausdruck zu verleihen, kommen Familienbesucherinnen und begrüßen die Erstgeborenen, überbringen Geschenke und nützliche Tipps. Künftig soll das bei allen Neugeborenen so sein – bei 13000 Babys allein im Jahr 2014 fehlt es dafür noch an Ehrenamtlichen.

Der fünf Monate alte Jonathan signalisiert es mit einem Lächeln und einem aufmerksamen Blick: Er freut sich über das ihm unbekannte Gesicht. Dahinter verbirgt sich Ursula Baake aus Sottrum – sie ist eine der Familienbesucherinnen des Landkreises, die je nach Wohnort verschiedene Einsatzgebiete haben. „Ich komme bei Familien aus der Samtgemeinde Sottrum vorbei“, erklärt sie. Ihr Mann sagt immer, sie habe ein Grinsegesicht, wenn sie nach so einem Besuch wie bei Jonathan nach Hause kommt, erzählt die 72-Jährige. „Die Kinder sind alle so süß!“

Schon von ihrem früheren Job kennt sie es, sich um Menschen zu kümmern. Sie hat bei einem Sozialdienst gearbeitet, Hausbesuche gehörten zu ihrem Alltag. „Damals waren es alte Menschen, jetzt ist es das Gegenteil.“ Als sie 2005 in den Ruhestand ging, hat sie irgendwann nach einer neuen Aufgabe gesucht und diese vor zwei Jahren als ehrenamtliche Familienbesucherin gefunden.

„Ich spreche gerne mit den jungen Müttern“, berichtet sie. So kann sie ihnen eine erste Richtung aufzeigen und unterstützen. Sie klärt auf: Was für Möglichkeiten gibt es bei der Betreuung? Was passiert, wenn die Elternzeit vorbei ist? Wo gibt es Kurse zum Babyschwimmen? Über all diese Fragen ist Ursula Baake selbst in einer zweitägigen Schulung aufgeklärt worden – so wie auch die anderen Familienbesucherinnen. Im gesamten Landkreis gibt es 39 von ihnen, zwischen 45 und 75 Jahre sind sie alt. Drei- bis viermal im Jahr treffen sie sich zum Austausch. „Sie sind alle sehr engagiert“, berichtet Sandra Schmidt, zuständige Sachgebietsleiterin beim Jugendamt. Die Frauen haben im Jahr 2014 366 Erstgeborene besucht. Männer seien dabei nicht ausgeschlossen, aber „Frauen können mehr aus ihrer eigenen Erfahrung als Mutter berichten“.

Jonathans Mutter, Henrike Jacobs, lebt mit ihrem Mann in Ahausen und weiß das Angebot des Landkreises zu schätzen, nicht nur, weil es ein Geschenk gibt – ein Handtuch für Jonathan, der mit fünf Monaten sogar schon zu den älteren Babys gehört, die Baake und ihre Kolleginnen besuchen. Meist findet das Ganze im ersten bis dritten Monat statt. Im großen Beutel, den die Besucherin mitbringt, sind viele Ratgeber enthalten, die sich auch gerade auf diesen Zeitraum beziehen, aber durchaus auch bis zum 7. Lebensjahr. „Es gibt viele wichtige Infos“, findet auch Jacobs.

Baake freut sich besonders, wenn Väter beim Gespräch dabei sind. „Davon gibt es ganz viele, die ihr Kind stolz zeigen. Ich sage immer: ‚Das sind die neuen Väter.‘“ Sie besucht etwa drei bis fünf Familien pro Monat und blickt nach zweijähriger Tätigkeit auf einen reichen Erfahrungsschatz. „Die jüngste Mutter war 14“, erinnert sie sich. „Die Familie stand voll dahinter, das war beeindruckend.“ Nur der Besuch bei Zwillingen fehle bisher.

Wichtig ist allen Verantwortlichen zu betonen, dass es sich um ein Angebot handelt, das nicht der Kontrolle dient, sondern um eine Hilfestellung – und von den Eltern freiwillig wahrgenommen werden kann. Es ist keine Pflicht. Baake: „Es hat schon Familien gegeben, die haben mich gefragt, ob ich erst ihre Wohnung anschauen möchte. Nein, möchte ich nicht, es geht um das Baby!“

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