Viel Arbeit für die Lebensberatung / Digitales Elterngespräch geplant

Den Familien geht die Kraft aus

Gerade für Familien mit Kindern ist die Pandemie eine schwierige Zeit der Entbehrungen.
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Gerade für Familien mit Kindern ist die Pandemie eine schwierige Zeit der Entbehrungen.

Rotenburg – Die Nachfrage steigt. Nicht nur Erwachsene melden sich bei der Erziehungs- und Lebensberatung des Diakonischen Werkes Rotenburg, weil sie Hilfe oder zumindest einen guten Rat brauchen. Zunehmend seien es auch Jugendliche, mit denen es die Fachkräfte zu tun haben. „Gerade bei den Jugendlichen erleben wir zurzeit einen deutlichen Schub“, sagt Sonja Windel.

Sonja Windel ist Sozialpädagogin und leitet die Lebens- und Erziehungsberatung. Für sie steht die aktuelle Situation im Zeichen der Corona-Pandemie unter der Überschrift „Den Familien geht die Kraft aus.“ Zu Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr sei es vielen Familien noch möglich gewesen, die Krise als Chance zu betrachten und beispielsweise familiäre Rituale zu reaktivieren. Jetzt, mehr als ein Jahr weiter, ergeben sich für viele Menschen Belastungen auf allen Ebenen, sagt Sonja Windel. Die Kraft nehme zunehmend ab, teilweise breche ganz viel zusammen. „Corona ist oft der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, erklärt die 46-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

Vor diesem Hintergrund hält sie die Beratungsangebote des Diakonischen Werkes für ganz wichtig. Da, wo es geht, gibt es persönliche Gespräche. Videotreffen und Telefonate runden die Möglichkeiten ab. Jetzt kommt eine weitere Form hinzu: Sonja Windel lädt für den 7. Juni zu einem digitalen Elterngespräch ein, in dem es um die Herausforderungen in der Corona-Krise gehen soll. „Wir sind gespannt darauf, wie viele Teilnehmer dabei sein werden.“

So viel steht fest: Familien litten unter den Kontaktbeschränkungen und den Unsicherheiten mit Schul- und Kitaöffnung besonders. Daher bietet Sonja Windel nun ein moderiertes Elterngespräch über einen abgesicherten Videoaccount auf lokalem Server an. Unter der Überschrift „Zurück zur Normalität?“ sprechen die Teilnehmer über das, was die Corona-Krise in den zurückliegenden Monaten mit ihnen gemacht hat.

Sonja Windel leitet die Erziehungs- und Lebensberatung des Diakonischen Werks in Rotenburg.

Die Inzidenzzahl, ein Wort, dessen Bedeutung schon Vorschulkinder kennen, sinkt. Immer mehr Menschen werden gegen Covid-19 geimpft und Einschränkungen gelockert und beziehungsweise sogenannte Öffnungskonzepte auf verschiedenen Ebenen entwickelt und diskutiert. Gleichzeitig wird vor einer möglichen vierten Corona-Welle gewarnt, schreibt Windel in der Einladung für dieses Online-Treffen. Wie geht es den Familien? Was beschäftigt und belastet sie? Was gibt es an guten Erfahrungen, wie die Pandemie bewältigt wurde und wird? Darum soll es gehen.

„Für diese und weitere Themen kann es unterstützend sein, mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Hier kann auch ein Austausch darüber stattfinden, was in der Krise gelernt wurde, was gutgetan hat und was im Sinne eines Best-Practice in der Familie miteinander entwickelt wurde“, sagt Windel.

Es handelt sich um eine Premiere. Da stellt sich die Frage, warum sie gerade jetzt stattfinden soll. Sonja Windel glaubt, dass es hilfreich sein kann, die Erfahrungen und die Stärken der einzelnen Familien, die sich in dem letzten Jahr gezeigt haben, mit einem Ausblick auf die nächsten Monate zu verknüpfen. „Vielleicht können durch den gemeinsamen Austausch die Familien gestärkter und hoffnungsvoller in die Sommerferien starten.“

Dass es einen Beratungsbedarf gibt, macht die Sozialpädagogin schon vorab deutlich: Sie und ihre Kollegen könnten sich vor Arbeit kaum noch retten. Während die Eltern alles daran setzen müssen, Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut zu bringen, vielleicht aber ihren Job in der Krise bereits verloren haben, leiden die Jugendlichen unter den fehlenden Kontakten. Sie sind zum Teil stark verunsichert, machen sich Gedanken über ihre Zukunft, während ihnen das bisherige Alltagsleben mehr und mehr entgleitet und die Rückzugsmöglichkeiten verloren gehen. Sie verbringen zwangsläufig mehr Zeit in und mit der Familie, es kommt zu Konflikten. Außerdem entgeht ihnen nicht, dass es auch zwischen den Eltern zu Problemen kommt. Nicht selten, sagt Windel, gehe es dabei um Schwierigkeiten in der Kommunikation. „Was lässt sich daran verändern?“ Das versuchen die Lebensberater zusammen mit den Betroffenen zu ergründen. „Wir erarbeiten das mit ihnen gemeinsam, aber das lässt sich meistens nicht in einem Gespräch klären.“

Mitunter bleibt es nicht bei Schwierigkeiten in der Kommunikation. Auch verbale und körperliche Gewalt sind Themen, die in der Lebensberatungsstelle zur Sprache kommen. „Die Kinder und Jugendlichen bekommen das natürlich mit“, weiß Windel – und manchmal sind sie selbst betroffen davon.

Wie aber geht es weiter? Wird der Beratungsbedarf noch größer, wenn die Pandemie erst einmal überwunden ist? „Das lässt sich schwer vorhersagen“, erklärt die 46-Jährige „Wir diskutieren genau darüber unter den Kollegen sehr kontrovers.“ Nur so viel lasse sich zurzeit feststellen: Diese Welle, die da auf die Beratungsstelle zugekommen ist, „hätten wir eigentlich schon viel früher erwartet“.

Die Entwicklung geht auch an den Experten nicht spurlos vorbei, die entsprechend geschult sind und nicht nur Beratungen unter dem Vorzeichen von Corona zu bewältigen haben. „Wir müssen auf unsere eigene psychische Hygiene achten, Prioritäten setzen“, erklärt Sonja Windel. Hilfreich seien dabei Supervisionen, um das, was sie tagtäglich mitbekommen, selbst verarbeiten zu können – damit ihnen selbst am Ende nicht die Kraft ausgeht. Nur so bleiben sie in der Lage, beratend und helfend wirken zu können. Immer wieder auch durch die Vermittlung von Experten aus dem Netzwerk. Das Problem: „Die Wartezeiten“, sagt Sonja Windel.

Anmeldungen bis Freitag möglich

Das Elterngespräch unter der Überschrift „Zurück zur Normalität?“ in Form einer Videokonferenz am Montag, 7. Juni, von 18.30 bis 20 Uhr zu den Herausforderungen in der Corona-Krise wird von der Sozialpädagogin und systemischen Familientherapeutin Sonja Windel moderiert. Interessierte Eltern melden sich bis zum 4. Juni unter 04261/6303960 oder lebensberatung.rotenburg@evlka.de an.

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