Wenige Minuten sind schon zuviel

Fahrlässige Tötung: Mutter erhält Geldstrafe, nachdem ihr Kind in Wanne ertrunken ist

Das Hinweisschild vom Rotenburger Amtsgericht.
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Nachdem ihr Kind in der Badewanne ertrunken ist, muss sich eine junge Mutter vor dem Amtsgericht Rotenburg verantworten.

Rotenburg – Die schwere Folge des Vorfalls am 22. Juli 2016 wird die Mutter ihr Leben lang begleiten, betont Richterin Nehring Donnerstag bei der Urteilsverkündung. An dem Tag vor fünf Jahren ist in einer Visselhöveder Wohnung ein zehn Monate altes Kind in der Badwanne ertrunken. Die Mutter muss sich nun, nachdem sie zu einem früheren Verhandlungstermin nicht erschienen war, vor dem Amtsgericht Rotenburg wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verantworten.

Am Ende sieht Nehring eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu zehn Euro als angemessen an.

An dem Nachmittag im Juli 2016 badet die Angeklagte ihre damals 20 und zehn Monate alten Kinder. Sie sei kurz rausgegangen, um auf die Toilette zu gehen und einen Tee zu machen, schildert die heute 29-Jährige. Bei ihrer Rückkehr ist die Badewanne randvoll mit Wasser. Die kleine Tochter liegt kopfüber im Wasser, „mit dem Po nach oben. Sie war schon ganz blau“, erinnert sich die Mutter weinend. Fast anderthalb Stunden hätten sie und dann der Notarzt versucht, das Mädchen wiederzubeleben. Ebenfalls in der Wohnung ist zu dem Zeitpunkt ihr Mitbewohner, der vor Gericht als Zeuge aussagt. Schon während der Ermittlungen nach dem Vorfall und auch jetzt vor dem Gericht geht es darum zu beurteilen, wie schwer die Mutter ihre Sorgfaltspflicht verletzt hat. Kurz nach dem Unfall habe sie von einer Minute gesprochen, die sie das Bad verlassen hat, im Gerichtssaal spricht sie von zwei oder drei Minuten.

Dass das nicht hinkommen kann, ergebe sich einerseits daraus, dass der Weg vom Badezimmer zur Küche ziemlich weit gewesen sei. Das hätten die Ermittler auch hinterher noch einmal nachgemessen. Ebenso hätten sie überprüft, wie lange es dauert, bis die Wanne voll mit Wasser ist. Als die Angeklagte den Raum verlassen hat, sei der Hahn abgestellt und „nicht so viel Wasser“ drin gewesen. Wie viel, daran kann sich die Angeklagte nicht mehr genau erinnern. Offenbar sei eins der Kinder an den Hahn gekommen, der leichtgängig zu bedienen sei.

„Das war ein sehr tragischer Vorfall“, leitete der Staatsanwalt sein Plädoyer ein. Es sei aber klar, dass es nicht nur wenige Minuten gewesen seien, die die Mutter die beiden Kinder unbeaufsichtigt im Wasser gelassen hat. „Man lässt Kinder nicht alleine in der Badewanne, nicht für eine, nicht für mehrere Minuten“, wird er deutlich. Sie mache sich daher der fahrlässigen Tötung schuldig. Der Staatsanwalt hält eine Freiheitsstrafe von drei Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, für angemessen.

Dass es am Ende eine Geldstrafe bleibt, begründet die Richterin nicht nur damit, dass der Unfall die Angeklagte ihr Leben lang zeichnen werde. Auch die Umstände, in denen die 29-Jährige jetzt lebe, spielten eine Rolle.

Nach dem Vorfall sei sie in ein tiefes Loch gefallen, sagt die Angeklagte selbst. Sie eine Zeit lang Drogen genommen. Ein Freund habe ihr dann aus diesem Loch wieder herausgeholfen. Heute hat die Angeklagte drei Kinder im Alter von knapp einem bis drei Jahren, ist verlobt und wohnt in Düsseldorf. Zu ihren anderen beiden elf und sechs Jahre alten Kindern habe sie ebenfalls Kontakt. Der ältere lebe von Anfang an bei ihrer Mutter, der jüngere sei nach dem Unfall in eine Pflegefamilie gekommen. Über ein eigenes Einkommen verfügt die 29-Jährige nicht, aktuell bekomme sie Elterngeld. Die Geldstrafe, erklärt die Richterin, sei daran bemessen.  

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