Keine Erdgasförderung im Trinkwasserreservoir 

Mehr Schutz für die Rotenburger Rinne

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Die Wasserversorger Volker Meyer (l.) und Reinhard David sorgen sich um die künftige Qualität des heimischen Trinkwassers. 

Rotenburg - Von Michael Krüger und Guido Menker. „ExxonMobil“ will wieder fracken. „Bötersen Z 11“ ist das erste Ziel. Dort möchte der Energiekonzern schon seit Jahren die Produktion mit einer „hydraulischen Bohrlochbehandlung“ anschieben, musste jedoch wegen des freiwilligen Moratoriums seit 2011 pausieren. Fracking, Bohrung und Förderung mitten im Gebiet der riesigen Trinkwassergebiete der Rotenburger Rinne: Die Wasserversorger und die Stadt Rotenburg sind besorgt.

Reinhard David und Volker Meyer wollen das „unterirdische Juwel“ schützen. Die Geschäftsführer der Rotenburger Stadtwerke und des Wasserversorgungsverbandes Rotenburg-Land versorgen mit ihren Unternehmen rund 100 .000 Menschen in der Region mit Wasser. Das stammt aus der Rotenburger Rinne, einem eiszeitlichen System in einer Tiefe von rund 300 Metern, das sich zwischen der Elbe und Aller erstreckt. 500. 000 Menschen werden insgesamt mit Wasser von dort versorgt.

Mit dem neuen bundesweiten „Fracking“-Gesetzes- und Regelungspaket sehen die Energiekonzerne wieder Perspektiven für die norddeutschen Fördergebiete. Die größten Gasvorkommen Deutschlands sollen neu angezapft werden. Dass das auch auf dem Gebiet der Rotenburger Rinne passieren soll, wollen die Wasser-Lobbyisten mit entsprechendem politischen Druck noch verhindern. Die Rotenburger Rinne müsse als Ganze als Vorranggebiet für Trinkwassergewinnung betrachtet werden, und dort müssten auch entsprechende Verbote für die Industrie gelten.

Gerangel um Zuständigkeiten

Mit einem Grundwassermonitoring hatte Exxon schon 2014 konkrete Vorbereitungen für den nächsten Frac begonnen.

Doch so einfach ist es nicht. Die Bundesgesetzgebung bleibt schwammig, in welchen Schutzzonen Fracking und Co. verboten sind, und die neuen Raumordnungsprogramme im Landkreis und auf Landesebene sind noch nicht ausformuliert. Zudem gibt es ein Gerangel um Zuständigkeiten, wer nun was verbieten könnte. David: „Das ist suboptimal.“ Bislang heißt es im Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP), dessen zweiter Entwurf im Mai vorgestellt werden soll: „Mit unserem Antrag wollen wir weiträumig die ,Rotenburger Rinne‘ und damit unser Trinkwasser schützen. Durch ein Fracking-Verbot in ,Vorranggebieten für die Trinkwassergewinnung‘ wird dem umfassend Rechnung getragen. Dies berührt nicht die Erdgasförderung in weiten Teilen des Landkreises Rotenburg.“ Kein Fracking in Vorranggebieten – eine politische Absichtserklärung im Landkreis. Und selbst um die Abgrenzungen der Vorranggebiete, die sich bislang nicht auf das gesamte Reservoirgebiet der Rotenburger Rinne beziehen, gibt es noch politisches Gerangel. Zudem wird laut Regionalplaner Rainer Meyer noch in Abstimmung mit verschiedenen Fachbehörden geprüft, ob das RROP bestimmte Technologien zur Gewinnung von Bodenschätzen – wie Fracking – ausschließen darf und eine entsprechende Regelung als Grundsatz oder Ziel der Raumordnung dargestellt werden müsste.

Drei aktive Erdgasförderanlagen

Dabei will Stadtwerke-Geschäftsführer David Erdgas gar nicht verteufeln. Für ihn sei es immer noch der „sauberste fossile Brennstoff“. Nur: „Kollidieren Trinkwasserschutz und Erdgasgewinnung, muss der Trinkwasserschutz immer Vorrang haben.“ Woher also soll das Erdgas kommen? David: „Zumindest mal nicht aus Trinkwasservorranggebieten.“ Tatsächlich gibt es allein im Wasserschutzgebiet der Stadtwerke mit seinen acht Brunnen drei aktive Erdgasförderanlagen. Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität hätten sich dadurch noch nicht ergeben, sagt David. „Es gibt keine Auffälligkeiten – Gott sei Dank.“ Regelmäßig führten die Stadtwerke insbesondere an den Förderstellen besondere Kontrollen durch. Doch lasse sich aus diesem Befund nicht folgern, dass das auch immer so bleibe. 

„Müssen wir das Wasser erst schmutzig machen, um es besser zu schützen?“, spielt Meyer auf die Notwendigkeit größer angelegter Schutzgebiete an. Denn, da sind sich beide Wasserversorger einig: „Im Rahmen der Erdgasgewinnung bestehen erhebliche Gefahren für die weitere Trinkwassergewinnung durch Lagerstättenwasser und eingesetzte Frackingstoffe sowie das Durchbohren der Rotenburger Rinne.“ Die Politik im Kreishaus und im Landtag sei gefordert, nachzulegen, ohne Geschacher um Zuständigkeiten. David: „Das Wasser kommt bei uns allen aus dem Hahn.“

Resolution zum Fracking-Verbot verabschiedet

Der Rat der Stadt Rotenburg hat in seiner Sitzung am Donnerstagabend einstimmig eine Resolution zum Fracking-Verbot verabschiedet, die sich an die Untere Wasserbehörde des Landkreises Rotenburg richtet. „Die Verwaltung wird beauftragt, den Landkreis zu bitten, als Untere Wasserbehörde ein absolutes Frackingverbot zum Schutz der Rotenburger Rinne inklusive ihrer Seitennarme sowie der Vorsorgegebiete für die Trinkwassergewinnung als Trinkwasserreservoir zu initiieren und die Landesregierung aufzufordern, von ihren gesetzgeberischen Möglichkeiten Gebrauch zu machen, das bundesgesetzliche Verbot von Fracking und Verpressen von Lagerstättenwasser in Wasserschutzgebieten generell auf Vorranggebiete für Trinkwassergewinnung auszudehnen.“ Diese Resolution diene dazu, die Gefahren der Verseuchung des Trinkwassers durch Fracking in der Rotenburger Rinne abzuwenden, heißt es in der Begründung für die Resolution.

Wie die Stadt Rotenburg bereits in ihrer Resolution vom 23. April 2013 geäußert habe, bestünden erhebliche Bedenken gegenüber Bohrungen zur Förderung von Gas sowie dem Einsatz der Fracking-Technologie, da die Risiken für den Boden sowie das Grund- und Trinkwasser aufgrund des Einsatzes von wassergefährdenden und umweltschädigenden Stoffen bei diesen Verfahren nicht abschätzbar seien. Das gelte ebenso für das Lagerstättenwasser.

Mit der neuen Gesetzgebung zum Fracking – in Kraft getreten am 11. Februar dieses Jahres – hätten sich die Regeln auch für das konventionelle Fracking verschärft. Für alle zulässigen Frackingvorhaben gelte eine Beteiligungspflicht in Schutzgebieten – unter anderem in Wasserschutzgebieten, Einzugsgebieten von Wasserentnahmestellen für die öffentliche Trinkwasserversorgung, Einzugsgebieten von Brunnen und so weiter. „Hier gibt es nunmehr ein Vetorecht für die Wasserbehörden zu allen Maßnahmen der Bergbehörden“, heißt es in der Begründung zu dieser Resolution weiter. Daher fordert die Stadt Rotenburg den Landkreis auf, als Untere Wasserbehörde ein absolutes Frackingverbot zum Schutz der Rotenburger Rinne und ihrer Seitenarme auszusprechen, weil diese als absolut schützenswertes und wichtiges Trinkwasserreservoir für die vielen Menschen in unserer Region diene.

Neben dem Ratsvorsitzenden Hartmut Leefers (CDU) aus Waffensen hat auch Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) vor der Verabschiedung des Papiers Stellung bezogen und seine Sorge zum Ausdruck gebracht. Weber: „Das Anti-Frackinggesetz ist sehr weitgehend, aber es hätte weitergehender sein können.“ Landkreis und das Land müssten was tun, sagte er.

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