„Exxonmobil“ reagiert auf Bürgermeister-Brief an die Landesregierung

„Wir nehmen das zur Kenntnis“

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Freiwillige Untersuchungen: „ExxonMobil“ hat das Grundwasser am Bohrplatz Bötersen Z11 im vergangenen Jahr testen lassen. Dort ist der 70. Frac im Landkreis geplant.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Vor zwei Wochen haben sich die 13 hauptamtlichen Bürgermeister des Landkreises gemeinsam an die Landesregierung gewandt, um ihrem Unmut über die ihrer Meinung nach lückenhaften Gesetzgebung bei der Erdgasförderung Luft zu machen.

Acht Forderungen haben sie an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gestellt, um die Situation zu verbessern. Hannover schweigt dazu bislang noch. Eine Antwort liegt dennoch vor – von „ExxonMobil“. Der Konzern betreibt einen Großteil der Förderstätten im Landkreis.

Im Schreiben von Ritva Westendorf-Lahouse und Hans-Hermann Nack, den Leitern Unternehmenskommunikation des Unternehmens, wird betont, welche Bedeutung die Erdgasförderung in Niedersachsen und speziell in der Region hat. Seit den 80er-Jahren werde hier „ein wesentlicher Teil zur heimischen Erdgasförderung beigetragen“. Und: „Allein im Landkreis wurde in der Vergangenheit genug Erdgas produziert, um mehrere Jahre lang alle mit Erdgas heizenden Haushalte in Deutschland zu versorgen.“ Das Unternehmen stehe Diskussionen offen gegenüber, müsse aber auch betonen, dass einige der Forderungen der Bürgermeister längst erfüllt würden oder angesichts der Förderpraxis nicht nötig seien.

Insbesondere die Debatte um die Gefährlichkeit von Frac-Flüssigkeiten sei unbegründet. „Alle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass es keinen sachlichen Grund für ein generelles Fracking Verbot gibt“, argumentiert der Konzern. Eine Gefahr sei nie festgestellt worden.

„ExxonMobil“ plant seit Jahren am Bohrfeld Bötersen Z11 eine Fracking-Maßnahme. Doch seit nunmehr vier Jahren gab es keine neuen Genehmigungen mehr für die Technik. Neue Gesetze werden erarbeitet. Der letzte Frac im Landkreis wurde am 22. Juni 2011 gestartet. RWE Dea setzte damals die mittlerweile sehr umstrittene Technologie, bei der ein Chemikalien-Gemisch in der Tiefe die Gasvorkommen freilegen soll, an der Bohrung „Höhnsmoor Z1“ ein – in Sandstein, wie auch in Bötersen geplant. 69 Fracs gab es im Landkreis Rotenburg bislang insgesamt, 1982 in Söhlingen den ersten. Von „ExxonMobil“ wurde in Rotenburg in 31 von 35 laufenden Bohrungen gefrackt. Insgesamt gab es seit 1961 in Deutschland 326 Fracking-Bohrungen.

„ExxonMobil“ betont im Brief nicht nur die Ungefährlichkeit dieser bewährten Technologie, sondern auch ein Entgegenkommen bei der Entsorgung von Lagerstättenwasser, freiwilliges Monitoring, die Bereitschaft zu Umweltverträglichkeitsprüfungen und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein in Umweltfragen.

Alles Antworten, die die Bürgermeister wenig überraschen. Der Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten, Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister Frank Holle (CDU): „Wir nehmen das zur Kenntnis.“ Und Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) schiebt nach: „Positiv ist immerhin die Bereitschaft, auf unsere Forderungen einzugehen.“ Dies sei dem wirtschaftlichen Druck und vor allem auch der öffentlichen Debatte zu verdanken, die das Thema in den vergangenen fünf Jahren auf die Tagesordnung gebracht habe. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Unternehmen sonst son bewegt hätten“, so Weber.

Wann sich auch Hannover zu den Bürgermeister-Forderungen äußert, ist noch offen. Ein solcher Brief werde ernst genommen, hatte Regierungssprecher Michael Jürdens versichert. Und Weber wertet die Wartezeit sogar als gutes Zeichen: „Das zeigt doch, dass sich die Landesregierung damit ausführlich auseinandersetzt.“

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