Gründungsparteitag der Grünen

„Es war extrem chaotisch“

+
40 Jahre Die Grünen: Thomas Lauber (l.) und Marc Andreßen freuen darüber, wo die Grünen heute stehen.

Rotenburg – Thomas Lauber muss ein wenig lachen. „Es war wirklich extrem chaotisch. Irgendwie stand die Versammlung immer kurz vorm Scheitern.“ Zwei Tage dauerte die Gründung der Partei Die Grünen im Januar 1980 in Karlsruhe. „Wir haben irgendwo in einer Turnhalle übernachtet, alles war sehr provisorisch.“ Es waren zwei Tage, die die politische Landschaft in der Bundesrepublik deutlich verändern sollten. Lauber, damals als Mitglied der Grünen Liste Delegierter beim Gründungsparteitag, erinnert sich noch genau an die vielen verschiedenen Gruppierungen, aus denen heraus die Mitglieder gekommen waren, und wie sehr sie im Laufe der Versammlung inhaltlich aufeinanderprallten. Die Auseinandersetzung zwischen Fundis und Realos nahm ihren Anfang und sollte viele Jahre die Grünen begleiten. „Die einen wollten als Bewegung laut sein, die anderen in die Parlamente.“

Thomas Lauber ist inzwischen 69 Jahre alt, als Berufsschullehrer im Ruhestand, aber immer noch Grünen-Mitglied. 20 Jahre lang saß er für die Partei im Rotenburger Stadtrat, 13 Jahre war er Kreistagsabgeordneter und sogar 26 Jahre lang Vorsitzender des Grünen-Ortsverbandes Rotenburg. Dass die Grünen heute – 40 Jahre nach ihrer Gründung – ernsthaft mit der Frage konfrontiert sind, mit einem eigenen Kanzlerkandidaten in die nächste Bundestagswahl zu gehen, „hätte ich damals nicht für möglich gehalten“, sagt Lauber. Die Mitglieder damals kamen aus der Anti-Atomkraftbewegung, aus dem Kampf für den Umweltschutz, aus der neuen sozialen und aus der Friedensbewegung.

Das Spannungsfeld zwischen Fundis und Realos, das sich damals entwickelt und die Grünen so viele Jahre begleitet hat, bezeichnet Marc Andreßen, seit vier Jahren Vorsitzender der Grünen und damit Nachfolger von Thomas Lauber im Ortsverband der Kreisstadt, als wichtig. „Es sorgt für eine Dynamik, und die Grünen haben es geschafft, diese Elemente gut zu moderieren.“ Auch heute noch. Denn nach wie vor gibt es Mitglieder, die sich vor allem auf die ursprünglichen Ideen fokussieren und weniger an die nächsten Wahlen denken. Ein Korrektiv, das Lauber inzwischen vor allem in der Grünen Jugend sieht. Aus Sicht von Thomas Lauber waren die vielen, sehr grundsätzlichen Diskussionen wichtig, um später dann den Sprung in die Parlamente zu schaffen. Lauber: „Zehn Jahre lang habe ich Fundamental-Opposition gemacht. Daher wusste ich: Das muss anders gehen.“ Der 69-Jährige war schon immer politisch aktiv, engagierte sich zunächst im Kommunistischen Bund Westdeutschland, ehe er später in Buxtehude auf Tuchfühlung zu den Alternativen gegangen und dann bei der Grünen Liste gelandet ist.

Laubers Mitgliedskarte und ein SZ-Foto mit ihm von der Gründungsversammlung.

„Heute“, unterstreicht Marc Andreßen, „sind die Grünen immer noch basisorientiert, und das ist auch ganz wichtig für die Identifikation.“ Die Grünen haben seiner Ansicht nach ein gutes „Standing“ in Rotenburg sowie im Landkreis. Aber: „Wir müssen daran arbeiten, dass wir nicht mehr länger so monothematisch wahrgenommen werden. Es gilt, mehr Politikfelder zu besetzen.“ Dabei setzt er darauf, dass die Grünen breit aufgestellt sind; die Mitglieder kämen schließlich aus vielen verschiedenen gesellschaftlichen und beruflichen Bereichen.

Beruflich hat Thomas Lauber selbst eine spannende Entwicklung hinter sich. Noch im heimischen Baden-Württemberg brach er sein Studium mit Zielrichtung Grundschulehramt ab, machte stattdessen eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. 1977 ging er nach Buxtehude, studierte dann in Hamburg Metall-Maschinentechnik und Biologie. Ende der 80er-Jahre stieg er schließlich als Lehrer an den BBS in Rotenburg ein. 1990 war für ihn die Zeit reif, um den Vorsitz im Ortsvorstand der Grünen zu übernehmen – bis 2016, als er sich nach langer Zeit aus dem Stadtrat verabschiedete.

Grüner Tee zum Gespräch über Grünen-Gründung

40 Jahre nach der Grünen-Gründung in Karlsruhe. Zum Gespräch darüber serviert die Redaktion Lauber und Andreßen grünen Tee. Beide freuen sich darüber, und Lauber kramt Erinnerungsstücke aus der „Gründungszeit“ aus seinem Leinenbeutel hervor. Zunächst zeigt er den Mitgliedsausweis, außerdem bringt er einen Ausschnitt aus der Süddeutschen Zeitung mit. „Den hat mir damals meine Mutter geschickt“, so Lauber mit strahlenden Augen. Es ist ein Foto von der Gründungsversammlung der Grünen in Karlsruhe, und ganz vorne links ist der junge Thomas Lauber zu sehen. Marc Andreßen wirft einen Blick darauf und kommentiert treffend, denn der Fotograf hat den für Lauber nicht gerade idealen Moment erwischt: „Augen zu – und durch.“ Lauber: „Stimmt. Nach der letzten Abstimmung brach Jubel aus. Wir waren euphorisiert und sind wirklich sehr motiviert nach Hause gefahren.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Kinderkarneval in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel

Kinderkarneval in der Heidmarkhalle in Bad Fallingbostel

Karneval in Stolzenau: Umzug 2020 in Bildern

Karneval in Stolzenau: Umzug 2020 in Bildern

Messe Fairnet-City in der KGS Kirchweyhe

Messe Fairnet-City in der KGS Kirchweyhe

So steht es um Australiens Sehenswürdigkeiten

So steht es um Australiens Sehenswürdigkeiten

Meistgelesene Artikel

Der Weg zur zukunftssicheren Vorsorge

Der Weg zur zukunftssicheren Vorsorge

Der große Ansturm bleibt aus: Der 20. Februar 2020 sorgt nicht für übermäßig viele Hochzeiten

Der große Ansturm bleibt aus: Der 20. Februar 2020 sorgt nicht für übermäßig viele Hochzeiten

Hemsbünder Rat verliert Sitz

Hemsbünder Rat verliert Sitz

Rathaus hilft den Kitas

Rathaus hilft den Kitas

Kommentare