Pipesystems wollte die frostsichere Viehtränke – und bekam Hilfe

Expertenrat für lau

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Ingenieur Torsten Lüdemann und Geschäftsführer Ingmar Klee zeigen den ersten Prototyp der frostfreien Viehtränke. 

Rotenburg - Von Inken Quebe. Nein, neu ist die Pipesystems GmbH aus Rotenburg nicht – schließlich lässt sie seit mehr als 15 Jahren unter anderem Armaturen und Ventile aus zum Beispiel Edelstahl und Kupfer fertigen. Doch getreu dem Motto „Stagnation ist der Anfang vom Ende“ ist das Unternehmen immer auf der Suche nach neuen Ideen – auch wenn die Kapazitäten bei insgesamt 14 Mitarbeitern begrenzt sind. Eine eigene Entwicklungsabteilung gibt es nicht. Stattdessen nutzt man das Angebot der Wirtschaftsförderung zur Zusammenarbeit mit dem Transferzentrum Elbe-Weser (TZEW).

Vor etwa fünf Jahren hat die kleine Firma mit Sitz mitten in der Rotenburger Innenstadt die Eigenentwicklung „Arctic Garden“ auf den Markt gebracht. Dahinter verbirgt sich ein frostsicheres Standventil für den Außenbereich. Auch auf Messen war Pipesystems mit dem Produkt vertreten. „Dort wurde dann die Idee an uns herangetragen: Wie wäre es denn mit frostfreien Viehtränken?“, erinnert sich Ingmar Klee, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Axel führt. Die Idee: Die Wasserversorgung von Kuh, Pferd und Co. könne auch bei strengen Minusgraden sichergestellt werden.

Da sich für dieses Projekt aber nur wenige Komponenten aus dem „Arctic Garden“-Programm eigneten, galt es, zahlreiche neue Teile zu entwickeln, einen Prototyp zu bauen und diesen unter realen Bedingungen zu testen – viel Aufwand. „Uns war klar, dass wir für die Umsetzung des Vorhabens Fördergelder benötigen würden, da die Entwicklungsleistung für ein Unternehmen unserer Größe nicht nur einen enormen zeitlichen und personellen, sondern auch wirtschaftlichen Aufwand bedeutet“, erklärt Ingmar Klee. Deshalb haben er und sein Bruder sich Unterstützung vom TZEW geholt.

„Gerade für kleinere Unternehmen haben Fördermittel eine hohe Bedeutung, wenn sie selbst Forschung und Entwicklung betreiben wollen“, sagt auch Bernadette Nadermann, Erste Stadträtin der Stadt Rotenburg. Deshalb sei die umfassende Beratung zu Fördermöglichkeiten selbstverständlich. Es reiche nicht immer, eine gute Idee zu haben, stimmt auch Arne Engelke-Denker vom TZEW zu.

Zur Realisierung von Entwicklungsvorhaben mit technischem Hintergrund kooperieren sowohl die Stadt Rotenburg als auch der Landkreis Rotenburg mit dem TZEW. Das Zentrum unterstützt dann bei der Auswahl, Beantragung und Abwicklung spezieller Technologieförderprogramme.

Ein solches Programm kam auch für das geplante Projekt von Pipesystems in Frage. Das TZEW vermittelte dem Unternehmen einen Experten von der Hochschule Hannover, der dem Projekt gute Vermarktungschancen ausgerechnet habe: Frostfreie Tränken gebe es zwar schon, jedoch mit einem begleitenden Heizsystem. Die geplante Viehtränke von Pipesystems habe den Vorteil, dass sie mehr Freiheit beim Ausbau von Viehställen böte, da aufwändige Beheizungen und Isolierungen entfielen.

Ingmar Klee hat gute Erfahrungen mit dem TZEW gemacht: „Wir mussten nur noch gut die Hälfte der Entwicklungskosten selbst schultern.“ Etwas mehr Aufwand sei so ein Förderantrag schon, denn es müsse jeder Schritt dokumentiert werden. Darin sieht Ingmar Klee aber auch einen weiteren großen Vorteil: „Für uns ist daraus inzwischen ein internes Kontrollinstrument geworden.“

Besonders gefällt ihm aber, dass das TZEW über ein großes Netzwerk an Experten verfügt, über die so kleine Unternehmen in den meisten Fällen nicht verfügen. Ingmar Klee: „Der Brainpool ist fast ein größerer Benefit als der finanzielle Fakor.“

Arbeitsgemeinschaft in zehn Landkreisen

Seit 1999 gehört der Landkreis Rotenburg als Gründungsmitglied zu den Kooperationspartnern der „ARTIE“, dem Regionalen Netzwerk für Technologie, Innovation und Entwicklung – ebenso die Stadt Rotenburg und die Samtgemeinde Zeven. Die Arbeitsgemeinschaft, die inzwischen in zehn Landkreisen des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg tätig ist, will die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in der Region stärken. Der Wissenstransfer, also die Verzahnung zwischen den Unternehmen sowie geeigneten Hochschulen und Forschungseinrichtungen, übernimmt das TZEW in enger Kooperation mit den Einrichtungen der kommunalen Wirtschaftsförderung. Das Angebot des TZEW wird im hiesigen Landkreis aus Mitteln der Kooperationspartner sowie EU-Mitteln finanziert und ist als Serviceleistung der Wirtschaftsförderung vor Ort für die Unternehmen kostenfrei. Firmen können sich an die jeweilige Wirtschaftsförderung der Kommunen wenden oder direkt einen Termin mit dem TZEW vereinbaren – Telefonnummer: 04141 / 787080 oder E-Mail: info@tzew.de. In den kommenden Wochen stellen wir in loser Reihenfolge einige Unternehmen vor, die die Hilfe des TZEW bereits in Anspruch genommen haben.   

iq

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