60 Minuten Schnupperstunde in indonesischer Gamelan-Musikkunst

Exotische Klänge

Interessiert lauschen die Teilnehmer den Anweisungen der Indonesier. Foto: Beims

Rotenburg - Von Ann-christin Beims. Saron, Slenthem, Gender, Kendang, vielleicht Gambang oder Suling? Böhmische Dörfer? Nein, das sind Bezeichnungen aus der Welt der indonesischen Gamelan-Musik, die an diesem Wochenende einen Hauch Exotik in die Kreisstadt bringt. Dazu gibt es einen Workshop von Gamelan-Musikern im Saal der Kreismusikschule in Rotenburg. Neugierig geworden, mische ich mich für 60 Minuten unter die Teilnehmer.

Drinnen fällt mein Blick als erstes auf die Bühne, auf der diverse Musikinstrumente aufgebaut sind. Eines sieht aus wie ein riesiges Brett mit lauter goldenen Kochtöpfen. Daneben steht ein großer Gong, weiter vorne Trommeln und mehr. Es ist ein ungewohnter Anblick. Die Instrumente sind in rot und gold gehalten. Mit verschiedenen Mustern verziert, spiegeln sie einen Teil der jahrhundertealten Kultur der Indonesier wieder. Denn die Musik des javanischen Tanztheaters „Wayang orang“, welche die 18 Musiker, Sänger und Tänzer heute präsentieren, wurde von vielen Generationen weitergegeben. Wayang orang bedeutet so viel wie „menschliches Puppentheater“. Vor Jahrhunderten war diese Art der Unterhaltung dem Königshaus vorbehalten. „Sie ist eine Form der Kommunikation, mal laut und mal leise“, erzählt Choreograf und Tänzer Wasi Bantolo.

Es ist eine junge Truppe aus Jakarta, die auf der Bühne steht – sie alle bemühen sich, alte Traditionen am Leben zu erhalten. Oder wie es Bantolo sagt: „Wir wollen die Komplexität unserer Kultur ins Ausland bringen.“ Die überschaubare Anzahl Teilnehmer aller Altersstufen ist sichtlich neugierig, als sie sich hinter den Instrumenten verteilt. Dabei wird klar: Eine kleine Gruppe ist besser, so kann jeder mitspielen. Natürlich auf dem Boden sitzend, denn auch das ist Tradition in Indonesien. „Das gibt es nicht in Deutschland“, kommt es prompt aus dem Publikum. Was mir ebenfalls auffällt: Alle Mitglieder des Ensembles ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie die Bühne betreten. „Das gehört in ihrer Heimat dazu, die Schuhe bleiben vor der Tür – oder in diesem Fall vor der Bühne“, erklärt Michael Burgwald, Leiter der VHS und Mit-Organisator.

Schnell erklingen erste, zaghafte Töne. Zwei Mädchen klimpern mit den Schlegeln munter vor sich hin. Diese haben unterschiedliche Formen, manche sehen einem Hammer ähnlich. Die Kleinen zaubern ihren Müttern ein Lächeln ins Gesicht. Spaß, das ist eben auch das, was an diesem Nachmittag im Vordergrund stehen soll. Aber jetzt geht es richtig los: Die Teilnehmer sollen bestimmte Tonfolgen spielen – mal dumpf, mal hell. Das Ensemble macht es vor und dabei wird klar: Es ist eine ganz andere Musik, als wir es gewohnt sind. Kraftvolle Töne, schön anzuhören, irgendwie beruhigend dieser Rhythmus. Sich vorzustellen, dass die Musik zu besonderen Ereignissen wie Zeremonien oder Hochzeiten gespielt wird, fällt nicht schwer. Allerdings müssen sich die Teilnehmer auch erst an den ungewohnten Rhythmus gewöhnen. Das klappt jedoch ganz gut, denn Gamelan ist auch vor allem eines: ein gemeinschaftliches Projekt.

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