Examen im neuen Zuhause

Brasilianer Thiago Kerkhoff schließt Examen am Diakonieklinikum ab

Thiago Kerkhoff mit seinen neuen Kollegen
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Seine Station überrascht ihn vor der Kirche: Thiago Kerkhoff (Mitte) freut sich über den Zuspruch.

Thiago Kerkhoff stammt aus Santo Cristo im Süden Brasiliens – doch dort war er wegen der Pandemie lange nicht. Am Rotenburger Diakonieklinikum hat er sein Examen als staatlich geprüfter Gesundheits- und Krankenpfleger bestanden – und das mit dem zweitbesten möglichen Ergebnis.

Rotenburg – Er ist exakt 10 901 Kilometer weit weg von zu Hause: Thiago Kerkhoff (21) stammt aus Santo Cristo im Süden Brasiliens. Seit genau drei Jahren ist er da nicht mehr gewesen. Corona hat verhindert, dass er dorthin kommt oder seine Familie hierher. Aber inzwischen hat Kerkhoff sich auch hier etabliert. Vor wenigen Tagen hat er nach dreijähriger Ausbildung am Rotenburger Diako sein Examen als staatlich geprüfter Gesundheits- und Krankenpfleger bestanden – und zwar mit dem zweitbesten möglichen Ergebnis.

Angefangen hatte alles vor fünf Jahren: Kerkhoff, gerade 16 Jahre alt geworden, kam auf Einladung des Rotenburger Rotaryclubs für ein Jahr als Austauschschüler nach Deutschland. Allerdings kam eine echter „Austausch“ in seinem Fall gar nicht in Frage. Seine Eltern, die eine kleine Bio-Landwirtschaft betreiben, hatten weder das Geld, ihm einen Flug nach Deutschland und hier einen Aufenthalt zu bezahlen, noch die Möglichkeit, jemanden aus Deutschland bei sich aufzunehmen.

Zunächst ein Jahr lang Gastschüler

Der Brasilianer nutzte die Gelegenheit, die ein Jahr im Ausland jungen Menschen bieten kann: Seine Sprachkenntnisse aus dem Deutschunterricht in Brasilien halfen ihm sehr schnell, sich in seinem Gastland verständlich machen zu können.

Er mischte bei den Beekscheepers mit, lernte drei rotarische Gastfamilien kennen und fand Gefallen am deutschen Schulsystem. Nach einem Jahr ging es zurück nach Brasilien. Dort musste er zunächst den Schulabschluss machen, wollte danach aber wiederkommen, um hier eine Ausbildung zu machen. Am liebsten als Alten- oder Gesundheits- und Krankenpfleger.

Wiederkommen nach ihrem Austauschjahr wollen viele Gastschüler. Kaum einer setzt das um. Anders Thiago Kerkhoff. Abgesehen davon, dass die Pflegeausbildung in Brasilien kostspielig ist (ein Studium), hat sie bei weitem nicht die Qualität Deutschlands. So bewarb er sich hier um einem Ausbildungsplatz. Das war allerdings nicht leicht: Ein Arbeitsvisum, das er dafür benötigte, gibt es nur mit einem Arbeitsvertrag, einen Arbeitsvertrag aber nur mit vorhandenem Visum.

Nach vielen Gesprächen und Hilfe von verschiedenen Stellen klappte es schließlich: Im August 2018 landet Kerkhoff wieder in Rotenburg, findet eine vorläufige Unterkunft bei Birgit Karkmann-Renner, einer seiner ehemaligen rotarischen Gastmütter, absolviert ein Pflegepraktikum und beginnt zum 1. Oktober mit 39 anderen Auszubildenden an der Krankenpflegeschule des Rotenburger Diako.

Schon sehr schnell wird ihm klar, dass er mit seinem Berufswunsch ins Schwarze getroffen hatte. Jeder Einsatz auf den verschiedenen Stationen des Krankenhauses macht ihm Spaß, und selbst mit der Theorie kam er immer besser zurecht, obwohl die für ihn ja in einer „Fremdsprache“ stattfand.

Kein Besuch aus der Heimat - und kein Besuch in der alten Heimat

Dann kam Corona. Und damit wurden alle Pläne zunichte, vom selbstverdienten und gesparten Geld einen Besuch in seiner brasilianischen Heimat zu machen. Umgekehrt durfte auch niemand aus seiner Familie hierher kommen, zumal das Virus etliche in Brasilien erwischt hatte.

Inzwischen aber war er in Rotenburg heimisch geworden, hatte viele Freunde gefunden und wollte auch nach der Ausbildung gerne hier bleiben. In der Neurologie hatte es ihm besonders gut gefallen. Dieser Traum wurde jetzt Wirklichkeit. Bei der Examensfeier, die in der Kirche Zum Guten Hirten stattgefunden hat, gratulierten Schulleitung und Pflegedirektion insgesamt 24 frisch gebackenen „Gesundheits- und Pflegedienst-Kräften“.

Ein Drittel hatte also das eigentliche Ziel nicht erreicht. „Nicht ungewöhnlich“, meinte Schulleiterin Susanne Herrmann. Einige orientierten sich zwischenzeitlich um, gingen in Familienzeit, fingen ein Studium an oder hatten den Beruf auch falsch ein- und die Anforderungen vielleicht unterschätzt.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Rotenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Umso mehr freute sich Diako-Geschäftsführer Detlev Brünger, dass von den 24 Absolventen 20 in Rotenburg verbleiben werden. „Das ist auch ein wichtiges Zeichen für unser Haus.“ Unter den frisch Examinierten war auch eine junge Frau aus Kamerun, die seit drei Jahren nicht mehr in ihrem Heimatland war und dort eine siebenjährige Tochter hat.

Der Wunsch, in Deutschland eine Krankenpflegeausbildung zu absolvieren, wird im Ausland offensichtlich immer stärker. In einem der nächsten Kurse am Diako seien 13 Schülerinnen aus dem Ausland, so Susanne Herrmann. Sie sind hier willkommen. Mit einem Segenszuspruch verabschiedete Krankenhausseelsorgerin Christina Torrey die neuen Pflegeprofis. Thiago Kerkhoff staunte, als ihn vor der Kirche „seine“ neue Station erwartete. Am Montag wird er dort anfangen. Und irgendwie ist es dann doch wie „Nach-Hause-Kommen.“

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