Verteidigungsministerium will Meinungsbild einholen

Die ewige Lent-Debatte: Ministerin fragt noch mal nach

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann mit den beiden Lent-Töchtern vor dem Reichstag in Berlin.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Der Rotenburger Stadtrat hat sich bereits zwei Mal für den Erhalt des Namens ausgesprochen. Der Kreistag will an Helmut Lent ebenfalls nicht rütteln. Auch die Soldaten wollen keine Umbenennung, Landes- und Bundespolitiker haben sich parteiübergreifend dem angeschlossen. Und doch will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) noch mal vor Ort nachfragen. Ist der ehemalige Wehrmachtspilot Helmut Lent sinnstiftend für die heutige Bundeswehr? Oder muss die Kaserne nach 54 Jahren einen neuen Namen erhalten? Die Debatte geht auch im fünften Jahr weiter.

Der Bundestagsabgeordnete Oliver Grundmann (CDU) aus Stade hat in den vergangenen Tagen in Berlin einige Termine zum Thema gehabt. Er hat mit Militärhistorikern gesprochen, die beiden Lent-Töchter getroffen und mit der Ministerin das Für und Wider des Namens erläutert. Das Ergebnis: es gibt noch keins. „Wir sind auf einem guten Weg. Aber ich habe auch größtes Verständnis für die Bevölkerung und die Soldatinnen und Soldaten vor Ort – sie wollen endlich Klarheit. Gleichwohl müssen wir jetzt diese letzte Hürde nehmen. Der neue Traditionserlass macht eine neuerliche Prüfung der Bundeswehrstandorte erforderlich – das gilt bundesweit. Die Verantwortung liegt jetzt bei der Truppe vor Ort – und hier hoffe ich auf ein zeitnahes und eindeutiges Ergebnis“, teilte Grundmann am Freitag mit.

Nach intensiven Gesprächen mit von der Leyen sowie dem zuständigen Berichterstatter für den neuen Traditionserlass im Verteidigungsausschuss, Oswin Veith, stehe die Beibehaltung des alten Namens nur mehr unter dem Vorbehalt einer finalen Überprüfung – diese würde in den kommenden Wochen direkt am Standort in Rotenburg erfolgen, so Grundmann.

Dass das Votum in der Region bereits mehrfach erfolgt ist und es derzeit keine Bestrebungen – weder politisch noch in der Kaserne – gibt, dieses zu widerrufen, ändert an den Berliner Plänen wohl nichts. Es gelte nun, nach den neuen Vorgaben des Ende März aktualisierten Traditionserlasses ein „abschließendes Stimmungsbild“ einzuholen, heißt es. Grundmann: „Die Entscheidung liegt damit in der Hand der Soldaten der Lent-Kaserne und bei den Vertretern der Bevölkerung. Nach den Grundsätzen der inneren Führung und mit Blick auf den geltenden Traditionserlass ist diese Entscheidung dann auch in Berlin zu respektieren. Vom Ministerium erwarte ich eine zeitnahe, abschließende Bewertung.“

Um eine Antwort bittet derweil auch die Linksfraktion im Bundestag. Die hat jetzt eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung gestartet mit 25 Fragen, die sich auf die Benennung nach Lent beziehen. In dem Schriftstück heißt es, dass Oberst Helmut Lent einer der am höchsten dekorierten Piloten der Nazi-Luftwaffe war: „Das Festhalten an seinem Namen würde aus Sicht der Fragesteller die Vorgaben des Traditionserlasses konterkarieren. Denn dieser führt mit Blick auf Wehrmachtsangehörige aus, sie könnten nur dann ,in das Traditionsgut der Bundeswehr’ aufgenommen werden, wenn sie Leistungen erbracht haben, ,die vorbildlich oder sinnstiftend in die Gegenwart’ wirken, etwa die Beteiligung am militärischen Widerstand gegen das NS-Regime oder Verdienste um den Aufbau der Bundeswehr.“ Der Erlass betont aus Sicht der Linksfraktion ausdrücklich: „Bestehende Benennungen müssen diesem Traditionserlass entsprechen“. Die Linke erwartet binnen zwei Wochen eine Antwort.

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