Eliot-Quartett liefert bei Rotenburger Konzerten fulminanten Auftakt zum Beethoven-Jahr ab

Evolution des Stils

Mit dem Eliot-Quartett starten die Rotenburger Konzerte ins Beethoven-Jahr. Foto: Heyne

Rotenburg – Kinofans sind längst daran gewöhnt, dass ein Abend schon mal zwei, drei Stunden dauert. Warum also diesen Maßstab nicht auch bei den Rotenburger Konzerten anlegen? Der Grund für die „Überlänge“ von fast zweidreiviertel Stunden am Donnerstag im Lucia-Schäfer-Saal der Realschule war schließlich ein guter: Es ging um nicht weniger, als darum, das Werk Beethovens in all seinen Schaffensphasen darzustellen.

Wie zuvor von Niels Kruse angekündigt: Auch die Rotenburger Konzerte kommen am Beethoven-Jahr nicht vorbei. „Hoffentlich hängt er uns am Ende des Jahres nicht zu den Ohren heraus“, frotzelte der musikalische Leiter. Schon im Vorfeld hatte das Programm des Eliot-Quartetts, verstärkt durch den Pianisten Alexey Pudinov, für Kritik gesorgt. Bei den Veranstaltern waren Anrufe eingegangen: Warum kein einziges Werk in Gänze, sondern nur einzelne Sätze, und wenn schon „Highlights“, warum dann der vierte Satz der Mondscheinsonate statt des bekannteren ersten? Und warum bitte chronologisch? Dann kommt das „dicke Ende“ der Werke des angesichts seiner Taubheit von Bitterkeit und Verzweiflung geprägten Komponisten ja zum Schluss. Man kann es eben nicht allen recht machen.

Der Plan ging jedoch auf: Die Evolution des Stils vom Haydn-Schüler über die Einflüsse der frühen Romantik in der mittleren Schaffensphase bis zu den in der Form wesentlich freieren Spätwerken manifestierte sich in den 13 Auszügen exzellent. Dafür sorgte das äußerst präsent aufspielende Eliot-Ensemble, das sich sogar dazu bereit erklärt hatte, auch in unterschiedlichen Konstellationen vom Duo über Trio bis zur Cello-Sonate zu spielen. Letztere (Opus 109 A-Dur) geriet wie so vieles an diesem Abend nicht nur akustisch zum Hochgenuss – auch optisch lebten Michael Preuß am Cello und Pianist Alexey Pudinov ihre Musik, der in Röhrenjeans, langem Gewand und Glitzerstiefeln auch als K-Pop-Star hätte durchgehen können. Er überzeugte vor allem mit einfühlsamen Begleitung, etwa der Violinsonate, in der Maryana Osipova dem Abend einmal mehr ihren Stempel aufdrückte. Gemeinsam mit dem Cello arbeitete sie in vielen der Streichquartette die stilistische Fülle Beethovens, von filigranem Spiel bis zum entschiedenen Strich heraus. Selbst Stücke, die Beethoven in seiner mittleren Schaffensphase unter dem Eindruck zunehmender Taubheit komponiert hatte, standen musikalisch in großem Kontrast zur Verfassung eines „mürrischen, sarkastischen Charakters, mit dem sich schlecht auskommen lässt“, wie Zeitgenosse Goethe es Beethoven bescheinigte.

Die Tragik des Schicksals offenbarte sich im Streichquartett „Der schwer gefasste Entschluss“, dem düsteren Abschieds Beethovens vom Komponieren kurz vor seinem Lebensende.

Ob das letzte Stück „Ode an die Freude“, das mit der chronologischen Ordnung brach, noch dazu mit dem heute trendigen „Rudelsingen“ der ersten Strophe sein musste? Nun ja, ein bisschen Show und Gemeinsamkeitsgefühl muss wohl sein – und die Musiker hatten sichtlich ihren Spaß.  hey

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