Amtsgericht Rotenburg: Zwei Männer wegen Bedrohung angeklagt

„Es waren Waffen im Spiel“

Das Schild „Amtsgericht“ ist nassgeregnet.
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Am Amtsgericht Rotenburg muss die Verhandlung wegen Bedrohung fortgesetzt werden.

Rotenburg – Es ist ein dickes Brett, das das Rotenburger Amtsgericht da zu bohren hat. Nach vierstündiger Verhandlung am Donnerstag ist dann auch klar: Es muss einen weiteren Termin geben, weitere Zeugen sind zu hören. Eine Einstellung des Verfahrens kommt für Richterin Nehring zunächst nicht infrage. Der Vorwurf ist ihr zu schwerwiegend, zu viele Fragen sind noch offen. Angeklagt sind zwei Männer, 26 und 28 Jahre alt. Es geht um eine Bedrohung – womöglich mit vorgehaltener Waffe.

Der Fall aus Visselhövede liegt fast zwei Jahre zurück. Vermeintlicher Auslöser sollen zwei zerstochene Autoreifen gewesen sein – im Laufe der Vernehmung von drei geladenen Zeugen ergibt sich allerdings ein Bild, das noch einige Facetten mehr aufweist. Demnach könnte ein Streit zweier Familien dahinter stecken. Eine dieser beiden Familien hat die kleine Stadt im Süden des Landkreises bereits verlassen, heißt es.

Der Vater dieser Familie, 50 Jahre alt, und einer seiner Söhne, 28 Jahre alt, sind die ersten beiden Zeugen. Der junge Mann berichtet, die Reifen des Autos seines Cousins seien zerstochen gewesen. Der Cousin habe die Vermutung gehabt, der jüngere der nun auf der Anklagebank sitzenden Männer könnte es gewesen sein. Er bittet den Freund seiner Mutter, zu ihm zu fahren und das zu klären. Der Freund ist ebenfalls als Zeuge mit von der Partie. Klar ist derzeit aber nur, dass gar nichts klar ist.

Der Beschuldigte weist bei dem Besuch den Vorwurf zurück und schickt den Mann, der plötzlich vor der Tür steht, wieder vom Hof. Danach kommt es zu mehreren Begegnungen von Mitgliedern beider Familien – am Ende eine, bei der „die Sache zu eskalieren drohte“, erklärt der dritte Zeuge. Mindestens zwei Autos seien zum Haus des Vaters der inzwischen verzogenen Familie gekommen, aber keiner sei ausgestiegen. Im ersten Wagen habe der Beifahrer lediglich das Fenster heruntergelassen.

Es sei draußen auf dem Hof zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung gekommen. „Es waren auch Waffen im Spiel“, so der 66-jährige Zeuge. Dieser ist heute in Rente, war aber Versicherungsmakler und kennt beide Familien. Viele von ihnen seien seine Kunden gewesen. Bei dem Zusammentreffen habe er erkannt, dass Schusswaffen in den Autos von hinten nach vorne durchgereicht und vom Fahrer an den Beifahrer weitergegeben wurden. Dass es zu einer Bedrohung gekommen sei, habe er daraus geschlossen, dass sich der Vater der aufgesuchten Familien mit erhobenen Armen schützend vor seine Familie gestellt habe. Eine auf die Menschen gerichtete Waffe habe er nicht sehen können. Er habe die Polizei gerufen.

Von Waffen hatten gegenüber den Beamten auch die ersten beiden Zeugen gesprochen. Vor Gericht relativierten sie ihre Aussagen. Der 28-Jährige könne das „nicht mehr hundertprozentig“ sagen. Doch auch die Angaben des 66-Jährigen decken sich nicht ganz mit dem, was er zu den Beamten gesagt haben soll. Es scheint klar zu sein, dass die beiden Angeklagten bei dem „Besuch“ dabei waren. Wer aber saß wo? Wer von ihnen saß in welchem Auto? Ursprünglich hatte der 66-Jährige den angeklagten 26-Jährigen nicht genannt. Nun sei er sich sicher, dass der einer der Fahrer war.

Der jüngere Angeklagte will nicht aussagen, der ältere nur zum zweiten Vorwurf, der ihm gemacht wird: Bei Hausdurchsuchungen haben die Beamten bei ihm einen Schlagring beschlagnahmt. „Ein Modeaccessoire“, sagt er. Sein Anwalt denkt an die Einstellung des Verfahrens und stellt infrage, ob der Vorwurf der gemeinschaftlichen Bedrohung zum Tragen komme. Staatsanwalt Cordes geht derzeit davon aus.

Er sieht aber noch ein ganz anderes Problem und erklärt zwischenzeitlich zum zweiten Zeugen: „Mit Ihrer Aussagen von damals haben Sie an einem großen Rad gedreht, deswegen ist es zur Anklage gekommen. Heute erzählen Sie uns eine komplett andere Geschichte.“ Er wirft auch den Begriff der „Schweigevereinbarung“ in den Raum und erinnert den 28-jährigen Zeugen daran, dass er bei seiner Aussage zur Wahrheit verpflichtet sei. Mehr Klarheit gibt’s vielleicht am 31. August – dann geht’s weiter.

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