Thema am Donnerstag im Ausschuss

Widerstand gegen Sperrung der Goethestraße in Rotenburg

Die Goethestraße in Rotenburg mit Radfahrern
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Die Goethestraße ist für Radfahrer gefährlich, und für Autos vielfach nur Durchgangsstraße.

Die Goethestraße ist ein Unfallschwerpunkt in Rotenburg. Es muss was getan werden. Was genau, bleibt heftig umstritten.

  • Durchfahrtssperre für Autos in der Goethestraße in der Kritik.
  • Thema könnte von der Tagesordnung des Ausschusses am Donnerstag genommen werden.
  • Geschäftsleute befürchten weitere Verluste.

Rotenburg – Keine Gespräche mit den Anwohnern sowie den Geschäftsleuten und ein schlecht gewählter Zeitpunkt: Die Vertreter der CDU im Rotenburger Stadtrat wollen sich in der Sitzung des Ausschusses für Straßen- und Tiefbau am Donnerstagabend gegen den Plan aussprechen, die Goethestraße probehalber und zeitlich begrenzt von Mai bis September für den Durchgangsverkehr zu sperren. Das hat Tilman Purrucker als CDU-Fraktionsvorsitzender am Tag nach einer Fraktionssitzung gegenüber der Kreiszeitung mitgeteilt. „Wir sind eindeutig dagegen, dieses Experiment zu starten“, sagte Purrucker. Es sei schlecht vorbereitet. Im Vorfeld habe eben nicht die dafür erforderliche Kommunikation gegeben, außerdem „haben die Leute momentan andere Probleme, als sich um die Sperrung einer Straße zu kümmern“, so der CDU-Fraktionschef.

Bekanntlich hat die Stadt Rotenburg Ende des vergangenen Jahres der Bremer Planersocietät den Auftrag für einen Verkehrsentwicklungsplan (VEP) erteilt. „Den wollen wir erst einmal abwarten“, betont Purrucker den Ansatz seiner Fraktion. Die Goethestraße ist einer von vielen Bestandteilen dieses Planes, dessen Ergebnis im kommenden Jahr vorliegen soll. „Die Goethestraße ist eine Fehlplanung – da müssen wir ran, aber nicht so“, erklärt Purrucker im Vorfeld der Ausschusssitzung. Eine Zustimmung wird es von der CDU also nicht gegen. Auf die hat Bürgermeister Andreas Weber (SPD) durchaus gehofft, schließlich hatte sich die CDU im vergangenen Jahr noch für die Umgestaltung der Goethestraße in eine Fahrradstraße ausgesprochen. Doch aus diesem Vorstoß lässt sich eine Zustimmung für die jetzt von ihm ins Auge gefassten Sperrung auf Zeit offensichtlich nicht ableiten.

FDP: Bürgermeister ist vorgeprescht

Die FDP hatte sich Ende vergangener Woche noch für die zeitlich begrenzte Sperrung ausgesprochen – in der Hoffnung darauf, dass sich daraus Erkenntnisse ableiten lassen. Zudem sei es sinnvoll, den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt herauszunehmen. Gunter Schwedesky rudert jetzt ein wenig zurück und betont gegenüber der Kreiszeitung, dass er im Grundsatz für die Idee sei, sich aber wünsche, dass das eben nicht „Hals über Kopf“ entschieden, sondern zunächst mit den Betroffenen besprochen wird. Mit Jens Kohlmeyer (WIR) habe er sich für die Ausschusssitzung auf den Antrag geeinigt, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. Schwedesky: „Es besteht keine Eilbedürftigkeit.“ Der Bürgermeister sei da vorgeprescht, so Schwedesky.

Auf dem Baum ist die Vorsitzende der IG Citymarketing, Cornelia Gewiehs: „Ich appelliere an den gesunden Menschenverstand. Diese Diskussion ist unsäglich und kommt zur Unzeit.“ Rotenburg dürfte wohl europaweit die einzige Stadt sein, in der in Zeiten pandemiebedingter Geschäftsschließungen und verwaister Innenstädte ernsthaft über Straßensperrungen im zentralen Versorgungsbereich der Stadt diskutiert werde, erklärt sie. Besonders schlimm aus ihrer Sicht: „In der Verwaltungsvorlage wird mit keinem Satz erwähnt, dass die Goethestraße zum ,zentralen Versorgungsbereich’ gehört.“ Das gehe so aus dem Einzelhandelskonzept der Stadt hervor. Der Bürgermeister verschwende keinen einzigen Gedanken daran, welche Auswirkungen eine Veränderung der Verkehrsführung für sensible Einzelhandelshandelsstrukturen haben könnte, kritisiert Gewiehs.

Die Sperrung dürfte das Unfallgeschehen kaum reduzieren, sie ist nur einfach die billigste Lösung.

Cornelia Gewiehs, IG Citymarketing

Es sei durch Erhebungen belegt, dass jeder dritte Kunde, der in der Rotenburger Innenstadt einkauft, aus dem Umland kommt. Gewiehs: „Kunden aus Scheeßel, Bothel, Fintel oder Visselhövede dürften wohl eher selten mit dem Fahrrad zum Einkaufen nach Rotenburg fahren.“ Die Verkehrsführung sei aus Sicht ortsunkundiger Besucher problematisch. Der Entwurf für das Stadtentwicklungskonzept habe es zudem auf den Punkt gebracht: Das größte Problem der Rotenburger Innenstadt sei es, dass man sie nicht findet. „Noch nicht einmal die Kirchturmspitze ist von den wichtigsten Einfallstraßen zu sehen. Viele Besucher drehen mehrere Runden auf der Suche nach Geschäften und einem passenden Parkplatz. Wie definiert man Durchfahrt?“, fragt die IG Citymarketing-Vorsitzende. Die Bemerkung, dass die Vollsperrung der Goethestraße während der Baumfällaktion Anfang Januar keine „gravierenden Auswirkungen“ gezeigt habe, bringe sie besonders auf der Palme. Der Bürgermeister wisse offensichtlich nicht, dass es zum guten Miteinander – in der Regel mit dem Amt für Verkehrswesen – gehöre, zu besprechen, wann der beste Zeitpunkt für derartige Maßnahmen sein könnte. „Die Baumfällarbeiten wurden bewusst in der ersten Januarwoche durchgeführt, weil dann Lockdown-bedingt mit dem geringsten Verkehrsaufkommen und wenig negativen Auswirkungen zu rechnen war“, unterstreicht Gewiehs. „Richtig ist, dass in der Goethestraße dringend etwas geschehen muss, weil die Straße für Radfahrer geradezu lebensgefährlich ist“, fügt sie hinzu. Es vergehe kaum eine Woche ohne Stürze und schwere Unfälle. Ausschlaggebend dafür seien nach Aussagen von Betroffenen jedoch vor allem der Fahrbahnuntergrund und Kollisionen mit dem ruhenden Verkehr. Gewiehs: „Die Sperrung dürfte das Unfallgeschehen kaum reduzieren, sie ist nur einfach die billigste Lösung.“

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