Kritik an Nachschubproblemen

Beim Impfen könnte es noch schneller gehen

Kind wird geimpft
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Schon bald sollen auch Kinder unter zwölf Jahren den Corona-Impfstoff erhalten können. Die Ständige Impfkommission (Stiko) will diese zunächst Kindern mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risikopatienten empfehlen.

Die Kreisverwaltung und die Ärzteschaft im Landkreis melden Rekorde bei Impfzahlen in der Region. Aber es könnte mehr gehen – wenn es verlässlichere Lieferungen der Vakzine gäbe. Mit Blick auf Impfungen für jüngere Kinder ist man ohne offizielle Empfehlungen noch zurückhaltend.

Rotenburg – Boostern ist das große Impfthema der Stunde auch im Landkreis Rotenburg. Immer mehr Ärzte klinken sich in die Kampagne mit ein und bieten eigene Aktionen an – vom Augenarzt bis zum Allgemeinmediziner, der seine Praxis selbst am Wochenende öffnet. Künftig sollen auch Zahnärzte, Apotheker und Pflegefachkräfte Impfungen gegen das Virus vornehmen dürfen.

Im Vergleich zum Sommer werde durch die niedergelassenen Ärzte jede Woche ein neuer Impfrekord gebrochen. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN), Bezirksstelle Verden, zählte in der vergangenen Woche mehr als 390. 000 Impfungen durch die Ärzte in Niedersachsen. Dies bedeutet eine Steigerung von mehr als 110. 000 gegenüber der Vorwoche. Im Landkreis Rotenburg wurden bis zum Wochenende 21 .000 Boosterimpfungen durchgeführt, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Kreisverwaltung und KVN.

Auch der Landkreis habe mit den Impfzentren, den aufsuchenden Impfungen in verschiedenen Einrichtungen, mit dezentralen Impfungen und seit dem 1. Oktober auch mit seinen aktuell drei mobilen Teams viele Menschen erreicht. Seit dem Start am 1. Oktober haben die mobilen Teams bis Ende vergangener Woche demzufolge mehr als 4 800 Impfdosen verimpft, davon mehr als 3 .700 Boosterimpfungen und 800 Erstimpfungen. Allein in dieser Woche würden die mobilen Impfteams des Landkreises mehr als 3.000 Impfungen verabreichen – und für die kommende Woche sind weitere zahlreiche Aktionen in den Kommunen geplant. Parallel dazu impfen die Teams noch in drei Schulen und einem Pflegeheim.

Mobile Impfteams in vielen Orten und ein Booster-Wochenende der Lions in Rotenburg

Im Landkreis gibt es immer mehr Impfaktionen. So beteiligen sich nicht nur zunehmend Fachärzte, sondern auch der Landkreis weitet seine Angebote aus. Mittlerweile sind dabei Altersgrenzen aufgehoben, zudem ist die Auffrischungsimpfung bereits fünf Monate nach der letzten Impfung möglich – wer seine erste Impfung mit „Johnson & Johnson“ erhalten hat, kann weiterhin bereits nach vier Wochen boostern. Erst- und Zweitimpfungen gibt es bei den mobilen Impfteams weiterhin für alle ab zwölf Jahren. Verimpft werden je nach Verfügbarkeit die Vakzine von Biontech und Moderna. Termine können nur online gebucht werden. Details unter www.lk-row.de/corona oder 04281 / 9836079. Eine Ausnahme bildet der Termin beim Autohof Sittensen, hier kann jeder ohne Termin vorbeischauen:

Montag, 13. Dezember: Bremervörde, ehemalige Grundschule Stadtmitte; Visselhövede/Bothel, Dorfgemeinschaftshaus Wittorf.

Dienstag, 14. Dezember: Oerel, Feuerwehrhaus; Sittensen, Heimathaus.

Mittwoch, 15. Dezember: Scheeßel, Dorfgemeinschaftshaus Ostervesede; Rotenburg, Campus Unterstedt.

Donnerstag, 16. Dezember: Fintel, Pferdemarkt 3;. Tarmstedt, DRK Haus; Selsingen, Rathaus.

Freitag, 17. Dezember: Gyhum, Turnhalle, Bergstr. 5; Autohof Sittensen, (ohne Terminbuchung).

Von Freitag, 17. Dezember, bis Sonntag, 20. Dezember, bietet zudem der Rotenburger Lions Club ein Booster-Impfwochenende jeweils von 8 bis 20 Uhr in der Teststation im Rathaus an. Eingeladen sind alle Volljährigen, die bereits zweifach komplikationslos geimpft wurden, heißt es. Da alle Beteiligten ehrenamtlich an dem Wochenende mitwirken, werden die Krankenkassenerstattungen zugunsten notleidender Kinder und Jugendlicher gespendet, so die Ankündigung. Eine Terminanmeldung sei zwingend erforderlich und könne über die Internetseite der Apotheke Große erfolge.

Ob das ausreicht, um die vierte Welle zu brechen? Professor Tom Schaberg gehört zu denen, die mehr Tempo fordern. Der ehemalige Chefarzt des Zentrums für Pneumologie im Diakoniekrankenhaus Rotenburg und Spezialist für infektiöse Lungenerkrankungen hatte vergangene Woche in der Kreiszeitung für den Landkreis eine tägliche Kapazität von rund 2 000 Auffrischungsimpfungen bis Weihnachten als notwendig angesehen, um die Drittimpfungslücke auch hier schließen zu können. Selbst wenn diese Zahl derzeit längst nicht erreicht wird, ist Michael Schmitz als Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle in Verden optimistisch: „Das Impftempo ist enorm.“ Kein anderes europäisches Land impfe derzeit bezogen auf die Bevölkerungszahl so viel wie Deutschland. Und es könnte noch mehr gehen, wenn es verlässlichere Lieferungen von Impfstoff gäbe. Sowohl die mobilen Impfteams als auch die Praxen bekommen nicht den angeforderten Impfstoff, heißt es. Alleine in dieser Woche müssten viele Impfpraxen ihre Termine wieder umstellen. Dies bremse die gut laufende Impfkampagne aus. Schmitz: „Auf Bundesebene wird gesagt, dass genügend da ist – aber es kommt nicht an.“

Kreis sucht Helfer für mobile Impfteams

Grundsätzlich seien der Landkreis und die KVN zuversichtlich, dass bei einer zuverlässigen Lieferung des Impfstoffes die Zahlen der vom Bund vorgegeben zusätzlichen Impfungen bis Weihnachten für unseren Landkreis noch erreicht werden können. Dafür will der Landkreis seine mobilen Teams aufstocken. „Es ist zurzeit allerdings sehr schwierig, impfbefähigtes Personal und auch Ärzte für die Vorgespräche zu finden“, berichtet Kreissprecherin Christine Huchzermeier. Wer Interesse an einem Einsatz in den Teams hat, könne sich gerne beim Landkreis melden.

Mit Blick auf die kommende Woche könnte es bei den Lieferungen besser aussehen, heißt es. Die Ärzteschaft erwarte am Freitag verlässliche Liefermengen. Seit dem 1. Dezember könnte auch der neue Impfstoff für Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren bestellt werden. Ausgeliefert wird er laut Schmitz auch in die Region ab Mitte kommender Woche. Bevor man das Vakzin allerdings einsetze, warteten die Ärzte eine offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) ab. Die hatte am Donnerstag angekündigt, zunächst jüngeren Kindern mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risikopatienten die Impfung zu empfehlen. Aber auch gesunde Kinder sollen auf Wunsch und nach ärztlicher Aufklärung geimpft werden können, so das Expertengremium. Die KVN sei zu diesem Thema vor Ort noch „nicht sprachfähig“, so Schmitz. Man stehe in Gesprächen mit den entsprechenden Verbänden.

Dass einzelne Kinderärzte hingegen schon nach dem sogenannten Off-Label-Use verringerte Normaldosen verimpften, sei „nicht Standard“. Die Stiko-Empfehlung bezieht sich nur auf den speziellen Kinder-Impfstoff. Und so sagt auch Kreissprecherin Huchzermeier: „Zum jetzigen Zeitpunkt werden keine Impftermine für Kinder angeboten, die mobilen Teams orientieren sich bei ihren Impfungen an der Empfehlung der Stiko.“ Andere Regionen und Länder wie Bremen haben demgegenüber bereits die Einrichtung von speziellen Impfzentren für Kinder ab der kommenden Woche angekündigt.

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