Tom Schaberg zu Lockdown

Lungenspezialist betont: Es geht nur mit Distanz

Professor Tom Schaberg
+
Als der Fotograf das Bild von Professor Tom Schaberg in seinem Büro aufgenommen hat, durfte man sich noch etwas näher kommen – auch ohne Maske.

Der renommierte Lugenspezialist Tom Schaberg sieht keine Alternative zum derzeitigen Vorgehen. Und er befürchtet drastisch steigende Zahlen durch Mutationen.

  • Maske, Abstand, Impfen - anders geht es nicht, sagt der Professor.
  • Ohne Maßnahmen massiver Anstieg der Opferzahlen.
  • Hohe Ansteckungen durch Mutationen befürchtet.

Rotenburg – Die Zahlen gehen runter, aber nicht weit genug. Der Corona-Lockdown wird verlängert, wie es am Dienstagabend zu vernehmen war. Für Professor Tom Schaberg besteht kein Zweifel daran, dass die Maßnahmen notwendig sind – selbst wenn in manchen Regionen wie im Landkreis Rotenburg die Zahl der Neuansteckungen deutlich gesunken ist. „Wir alle können auch bei niedrigen Zahlen nicht auf die Basismaßnahmen verzichten“, sagt der international renommierte Mediziner auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten der Lunge, der bis Ende 2019 Chefarzt des Zentrums für Pneumologie im Rotenburger Diakonieklinikum war.

Maske auf, Kontakte verringern. Was der Einzelne tun kann, ist eigentlich ganz simpel. „Menschen stecken sich an, wenn sie dicht zusammen kommen“, erklärt der 66-Jährige die Situation, die im Grunde nun alle verstanden haben sollten. Für Schaberg gibt es drei Wege, mit dem Virus umzugehen – und nur einer sei ethisch und politisch umsetzbar. Auf vier bis fünf Jahre schätzt er den Zeitraum ein, ginge man weiter vor wie gewohnt – ohne zu Impfen. Erst dann wäre eine ausreichende „Durchseuchung“ der Bevölkerung erreicht. Schneller ginge es ohne jegliche Vorsichts- und Abstandsmaßnahmen: ein bis zwei Jahre. Wissenschaftler rechnen laut Schaberg dann mit 600 000 Pandemie-Toten in Deutschland, vor allem natürlich Ältere oder schwer Vorerkrankte. Und dazu die Gefährdung für alle die, die dann wegen der Überlastung des Gesundheitssystems nicht behandelt werden könnten: „nicht diskutabel“.

Also die dritte Möglichkeit: Lockdown mit den bekannten Maßnahmen, dazu die Impfkampagne. „Im Sommer wird vieles wieder möglich sein, wenn es so läuft“, prophezeit Schaberg. Aber: „Nicht alles.“ Eine Hochzeit mit 100 Gästen hält er auch in diesem Jahr für ausgeschlossen. „Man muss geduldig sein.“ Versachlichen müsse man dann aber auch die Diskussionen über Erleichterungen für Geimpfte.

Fast jede Makse hilft - aber manche eben besser

Als völlig nachvollziehbar bezeichnet der Experte für Lungenkrankheiten, der bis 2023 für das Robert-Koch-Institut in den Expertenbeirat Influenza berufen ist, die verschärften Regeln zum Tragen von Masken in öffentlichen Bereichen. „Es hilft fast jede Maske“, sagt Schaberg. Aber: „Lassen Sie die Stoffmaske und tragen Sie einen chirurgischen Mund-Nasen-Schutz!“ Die medizinischen Masken böten einen sehr guten Fremdschutz und seien auch über längere Zeit gut zu tragen. Anders als die zwar noch besseren FFP2-Masken, gerade jetzt ein „rares Gut“, deutlich teurer zudem, die besonders bei Älteren über einen längeren Zeitraum zu Atemschwierigkeiten führen könnte.

Dass der Landkreis im bundesweiten Vergleich der Neuinfektionen sehr gut dastehe, bezeichnet Scharberg schlichtweg auch als „ein bisschen Glück“. Dieses „Glück“ resultiere aus der größeren Distanz der Menschen auf dem Land, besseren Wohnverhältnissen und dem Umstand, dass es im Grunde keinen öffentlichen Personennahverkehr gebe. Die Menschen können sich aus dem Weg gehen. Zudem sei die Reisetätigkeit in der Region überschaubar – es gebe auch nicht so viele Menschen, die von Heimaturlauben das Virus wieder mitbringen. Aber die Sieben-Tage-Inzidenz werde eben nur politisch gesetzt. Die Marke von 50 sei aus virologischer Sicht nicht wichtig. Wissenschaftlich wäre eine Zahl von maximal acht bis zehn Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100 000 Einwohner wünschenswert: „Dann wäre das Virus kontrollierbar.“ Ob das in nächster Zeit vor dem Hintergrund der zahlreichen Corona-Mutationen möglich ist, zweifelt Schaberg an. „Ich befürchte, es wird auch hier so nicht bleiben.“ Er erwarte vielmehr einen „deutlichen bis dramatischen Anstieg“ durch die höher ansteckenden neuen Virus-Varianten.

Zwei weitere Corona-Todesfälle

Die Zahl der Todesopfer in der Corona-Pandemie ist im Landkreis auf 60 gestiegen. Das teilt das Gesundheitsamt mit. Eine 86-jährige Frau aus Wilstedt sei bereits am 30. Dezember gestorben. Sie war Bewohnerin eines Senioren- und Pflegeheimes, bei der Übermittlung der Daten kam es zu Verzögerungen. Zudem sei Montag eine 80-jährige Frau aus der Samtgemeinde Selsingen in der Klinik Bremervörde gestorben. Zudem werden sieben neue Coronafälle gemeldet, damit gibt es aktuell 167 Infizierte, von denen 22 im Krankenhaus behandelt werden. Für rund 250 Kontaktpersonen gilt die häusliche Quarantäne. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 47 Neuinfektionen in Bezug auf 100 000 Einwohner.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

«Felsbrocken vom Herzen»: Skisprung-Mixed erobert Gold

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

UN: Mindestens 18 Tote bei Protesten in Myanmar

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf: Die Bilder zum Saisonhighlight

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

S04-Debakel nach Wirbel um Gross - RB bleibt an Bayern dran

Meistgelesene Artikel

Kommentare