Ertragreiche Ernte für Hellweger Spargelbetrieb /Discounter machen Preise kaputt

Sorgen trotz guter Saison

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Das Hellweger Ehepaar, Friederike und Thorsten Schloh, setzt auf Qualität. Billig-Spargel aus Osteuropa sowie steigende Lohnkosten machen ihnen aber immer mehr zu schaffen. 

Hellwege - Von Joris Ujen. Morgen am Johannistag endet offiziell die Spargelsaison. Mit dem sogenannten Spargelsilvester hört aber nicht die Arbeit auf den Beeten auf. Jetzt gilt es für das Gemüse, Kraft für den nächsten Frühling zu sammeln. Dafür braucht es ausreichend Sonne. Also müssen die Erntehelfer die Folien auf dem Spargelbeet entfernen, Unkraut jäten und weitere Arbeiten leisten, damit das Beet fit für die kommende Saison ist. Regen ist vor allem im Juli und August wichtig für das Königsgemüse, erzählen Friederike und Thorsten Schloh aus Hellwege. Das Ehepaar betreibt den größten Spargelvertrieb im Landkreis. Die vielen Sonnentage bescherten ihnen in diesem Jahr einen hohen Ertrag an Spargel, dennoch haben sie mit immer mehr Problemen zu kämpfen.

„Spargel liebt Hitze, dadurch wächst er schneller“, erklärt Thorsten Schloh. Die kam Mitte April und hielt bis Saisonende an. Allerdings konnten die Hellweger im Vorjahr schon Anfang April ernten, also zwei Wochen früher. „Und weil Ostern in diesem Jahr sehr früh war, konnten wir zu den Feiertagen leider nicht so gut verkaufen“, so Friederike Schloh.

Dafür lieferten die folgenden Wochen eine ertragreiche Ernte. Thorsten Schloh: „Qualitativ war das in dieser Saison eine sehr gute Ware.“ Qualität ist auch das, was sich das Familienunternehmen seit der ersten Spargelernte im Jahr 1964 auf die Fahnen geschrieben hat. Quantität ist das Gegenstück und der ärgste Konkurrent für den regionalen Spargelverkauf. Billiger Spargel aus Polen kommt auf den deutschen Großmarkt und „macht die Preise kaputt“, so Thorsten Schloh. „Mit den Preisen in den Discountern können wir einfach nicht mithalten.“ Wenn Kunden den regionalen Gemüseanbau nicht mehr unterstützen, ist dieser seiner Meinung nach bald weg. Supermärkte hingegen bieten vermehrt regionale Produkte an. Die Hellweger vertreiben ihren Spargel unter anderem bei Edeka- und Famila-Märkten. „Und unsere Gemüse ist auch frischer als das bei den Discountern. Glücklicherweise honorieren das viele Kunden“, so Thorsten Schloh.

Das Nachbarland Polen verfolge eine wirtschaftliche Strategie, die auch in Deutschland keine unbekannte ist: Gastarbeiter. „Die kommen in Polen überwiegend aus der Ukraine“, erklärt der Spargelbauer, „und verdienen einen Euro pro Stunde.“ Ein Stundenlohn, der in der Bundesrepublik spätestens seit Einführung des Mindestlohns unvorstellbar ist. Er gönnt seinen rund 120 Mitarbeitern, davon 60 polnische Erntehelfer, das Geld, betont er. Doch durch den Mindestlohn, der aktuell bei 8,84 Euro liegt, muss auch ein höherer Verkaufspreis von Spargel gerechtfertigt sein, so das Ehepaar. Der Lohnkostenanteil mache rund 60 Prozent ihrer Ausgaben aus.

Ein weiterer Kostenfaktor: Durch den hohen Ertrag an Gemüse müssen auch mehr Arbeitsstunden geleistet werden. Um den wachsenden Personalkosten und Dumpingpreisen entgegenzuwirken, hatte das Hellweger Unternehmen schon vor neun Jahren einen Spargelvollernter gekauft. Gerade wenn eine Saison viel Ertrag abwirft, wird die Maschine ergänzend eingesetzt. 2018 übernahm sie 40 Prozent der Spargelernte, 2017 mit einem kalten Mai-Monat waren es nur 15 Prozent.

Von links nach rechts: Der vollautomatische Spargelschäler arbeitet im Sekundentakt. Das spart Zeit und Geld.

„Ich kenne schon einige größere Betriebe, die sich aus Deutschland verabschieden und in den Osten wandern. Kontrolliert wird die Einfuhr der Ware nicht.“ Thorsten Schloh fragt sich, warum es erlaubt ist, ausländische Ware unter diesen schlechten Bedingungen auf den deutschen Markt bringen zu dürfen. „Würden wir nur mit hiesigen Produzenten konkurrieren, hätten wir alle die gleiche Ausgangsposition. Wenn das aber so weiter geht, wird es uns, drastisch gesagt, irgendwann das Genick brechen.“ Optimismus ist gefragt: Friederike Schloh erfahre bereits ein Umdenken bei den Verbrauchern: „Immer mehr von ihnen möchten wieder das kaufen, was bei ihnen wächst. Darauf müssen wir aufbauen.“

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