Erstmals erscheinen alle Vogelarten im Landkreis in einer Gesamtübersicht

Würdigung eines Forschers

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Alfred Nottorf hat viele Jahre mit Müller-Scheeßel zusammen gearbeitet. Der Band „Vögel Niedersachsen“ würdigt das Lebenswerk des Ornithologen.

Stemmen - Von Wieland Bonath. Mit dem im Frühjahr erscheinenden Schlussband der Reihe „Vögel Niedersachsens“ veröffentlicht der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz erstmals eine Gesamtübersicht der 209 im Landkreis vorkommenden Vogelarten. Auch Alfred Nottorf aus Stemmen hat an dem Werk mitgearbeitet. Es ist gleichzeitig eine Würdigung seines Weggefährten Ludwig Müller-Scheeßel.

Nottorf, ein glühender Anhänger seines alten Lehrmeisters, hält einen wahren „Schatz“ in Händen: den Bericht des landesweit bekannten Scheeßeler Vogelkundlers über den Vogelbestand im Altkreis Rotenburg aus den 30er Jahren. „Einmalige Informationen“, sagt Nottorf, der selbst ehrenamtlicher Landschaftswart für die drei Naturschutzgebiete Tister Bauernmoor, Ekelmoor und Schneckenstiege bei Stemmen ist.

Nach dem Tod Müller-Scheeßels 1974 stellte ihm dessen Witwe Elisabeth die Unterlagen ihres Mannes zur Verfügung. „Die kompletten Aufzeichnungen im Originaltext sind Bestandteil des Buches ‚Vögel Niedersachsens‘ und werden darin erstmals veröffentlicht“, so Nottorf.

Aus dem Bericht wird deutlich, dass Müller-Scheeßel schon früh von Vögeln fasziniert war. So ist er schon als Kind durch die Wiesen, Heiden und Wälder gewandert und auf Bäume geklettert, um sich Nester anzuschauen. Der in der Scheeßeler Mühle geborene spätere Kaufmann hat sich sein Leben lang mit Leib und Seele „seinen Vögeln“ verschrieben. „Eine stille, gerade und kluge Persönlichkeit“, beschreibt Nottorf seinen Lehrmeister.

Müller-Scheeßels Name ist untrennbar mit intensiven Bemühungen um den Schutz des Schwarzstorches verbunden. Für diese Vogelart baute er deutschlandweit über 500 Kunsthorste – fünf davon im Landkreis Rotenburg. Eisernes Gesetz: Um den Vogel zu schützen, wird nicht verraten, wo diese Horste zu finden sind. In den 30er Jahren gab es in der Zentralheide nur zwei Schwarzstorchpaare.

Müller-Scheeßels Engagement für bedrohte Vögel hat auch Nottorf angesteckt. „Worum ich mir große Sorgen mache, das sind sind die Wiesenvögel.“ Durch die veränderte Bodennutzung gebe es kaum noch Brachvögel, Uferschnepfen und Kiebitze. Zum einen bemängelt er, dass es kaum noch nasse Wiesen gibt, auf der anderen Seite kennt er die wirtschaftlichen Zwänge der Bauern. „Ich kann auch nicht sagen, wie wir aus diesem Dilemma herauskommen sollen.“

Auch Müller-Scheeßel hat schon früh davor gewarnt, Landschaften zu kultivieren und zu entwässern. In den 40er Jahren erntete er dafür viel Kritik.

Außerdem kümmerte sich der Ornithologe in den Dörfern seines Heimatkreises um den Schutz der Schleiereule und im nördlichen Niedersachsen um den Erhalt und die Ansiedlung beispielsweise von Graugans, Wanderfalke, Birkhuhn und Kolkrabe. Studienfahrten führten ihn nach Skandinavien und nach Island. Im April 1974 erlag Müller-Scheeßel, der inzwischen in Rotenburg lebte, in der Nähe von Weyhausen (Kreis Celle) bei der Kontrolle eines Schwarzstorchhorstes einem Herzschlag.

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