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Erster Sicherheitsbericht der Rotenburger Polizei

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Von: Ann-Christin Beims

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Die Hemmschwelle sinkt und die Entwicklung ist besorgniserregend.
Die Hemmschwelle sinkt und die Entwicklung ist besorgniserregend. © -

Die Rotenburger Polizeiinspektion stellt mit der Polizeidirektion Lüneburg ihren ersten Sicherheitsbericht vor. Sie möchte sich transparenter zeigen und das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung stärken, heißt es. Denn das ist nicht so, wie es laut Bericht sein könnte.

Rotenburg – Die Polizeiinspektion Rotenburg verzeichnet in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Straftaten im Landkreis. „Wir haben super Werte, was die Kriminalstatistik angeht“, lobt Polizeipräsident Thomas Ring während der Vorstellung des ersten gemeinsamen Sicherheitsberichtes der Polizeidirektion Lüneburg und der Polizeiinspektion (PI) Rotenburg. „Dennoch herrscht eine Diskrepanz, was die objektive und subjektive Sicherheit angeht.“ Will heißen: Trotz der seit 40 Jahren besten Zahlen fühlen sich Bürger unsicher. Um dem zu begegnen, macht die Polizei mit dem Bericht einen Schritt in die Öffentlichkeit: „Über Transparenz Vertrauen schaffen“, nennt er es.

Die Bevölkerung lebe laut Ring in den vergangenen Jahren so sicher wie nie. Aber es gibt viele Faktoren, die für Unsicherheit sorgen: Der Krieg in der Ukraine, der Klimawandel, die Corona-Pandemie – damit einhergehend eine verstärkte Bereitschaft zu populistischen Aussagen. Daher betont Ring, wie wichtig es sei, gemeinschaftlich gegenzusteuern. Der Bericht soll Impulse setzen, um, gemeinsam mit den Verwaltungen und der Politik, das Sicherheitsgefühl zu den Bürgern zu transportieren.

Aus diesem Grund waren bei dem offenen Austausch neben Vertretern der Polizei die CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann, Gerhard Kahrs als Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis sowie Landrat Marco Prietz (CDU) zugegen. Nicht zuletzt, weil es zwischen den Behörden eine Sicherheitspartnerschaft gibt, die im vergangenen Jahr erneuert wurde: zur Verhinderung von Gefahren und Straftaten durch Clankriminalität. Letztere bleibt stark im Fokus. Hatten die Behörden zuvor teils unterschiedliche Befugnisse und Kenntnisstände, ziehen nun alle an einem Strang – Lernen aus der Vergangenheit. „Wir müssen unter Einhaltung aller Regeln so eng wie möglich zusammenarbeiten“, erklärt auch Prietz. „Wir dürfen nicht aus falsch verstandener Toleranz heraus die Augen vor Problemen verschließen.“ Erst vor Kurzem hatten sie Testzentren kontrolliert – die Betreiber der vier betroffenen Testcenter im Südkreis waren teilweise dem Clan-Milieu zuzuordnen.

Wir müssen uns auch selbstkritisch hinterfragen, nach innen und außen.

Jörg Wesemann, Rotenburgs Polizeichef

Der Bericht, er ist aber auch ein Nachbessern am eigenen Image. Rassismus ist dabei ein Schlagwort: Er werde der Polizei oft unterstellt. „Wir wollen weg davon“, betont Ring. Um dem prophylaktisch zu begegnen – konkrete Fälle habe es bislang nicht gegeben – werden Führungskräfte künftig mehr geschult und sensibilisiert, aber auch den jungen Kollegen der Wert der Demokratie vor Augen geführt. Dafür haben sie mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen ein pädagogisches Konzept entwickelt, Besuche dort stehen an. Zusätzlich steht die PI Rotenburg in Kontakt mit der Gedenkstätte Lager Sandbostel, so Wesemann. „Wir müssen uns auch selbstkritisch hinterfragen.“ Zwei Demokratiepaten wurden ausgebildet, dazu ein Film erstellt, der anschaulich auf die Problematik eingeht.

Die Polizei habe sich selbst „strategische Ziele“ gesetzt, arbeitet an einer Organisationsanpassung. Dazu wurde zuletzt Personal aufgestockt: 2 520 Kollegen sind in der Direktion täglich im Einsatz, 360 davon in Rotenburg. Aktuell so viele wie nie, meint Wesemann – wenngleich es trotzdem gerne mehr sein könnten. „Wir wollen so viel Polizei wie möglich vor Ort haben“, so Ring. Denn die Anforderungen, aber auch die Herausforderungen steigen. Gewalt gegen Polizisten ist längst ein Alltagsthema. „Die Hemmschwelle sinkt und die Entwicklung ist besorgniserregend.“ In der Polizeidirektion wurde 2021 jeden zweiten Tag ein Polizist verletzt. Nachwuchsprobleme lassen sich dennoch bisher nicht feststellen.

Sicherheitsbericht

Interessierte finden den ersten Sicherheitsbericht auf der Webseite der Polizeiinspektion Rotenburg. Alle zwei Jahre soll dieser aktualisiert werden.

Die Aufklärung von Straftaten ist ein Teil der Arbeit, Prävention und die Abwehr von Gefahren der andere. Um sich dafür breiter aufzustellen, wurde in Rotenburg eine Verfügungseinheit mit 15 Kollegen ins Leben gerufen, die bei Bedarf überall eingesetzt werden kann. Dazu gibt es ein eigenes Fachkommissariat Forensik, das sich vorrangig mit der Daten-Forensik, beispielsweise der Auswertung von Chats, befasst. Im Team sind neben Polizisten auch IT-Fachleute. Neu ist auch eine Ermittlungsgruppe „Komplexe, kriminelle Strukturen“: Die Polizei schafft damit Ressourcen. Fünf Kollegen können sich intensiv einem Verfahren widmen.

Um für die kommenden Herausforderungen gewappnet zu sein, ist auch die Politik wichtig: Bessere technische Ausstattung ist notwendig, vor allem im Hinblick auf Kinderpornografie. Die nimmt zu, die Datenmenge ist immens. Katrin Jäger, Leiterin des zentralen Kriminaldienstes, rechnet mit einer „Welle aus den USA“, zugelieferten Verfahren. „Personalressourcen sind nicht alles.“

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