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Erster Corona-Impftermin in Rotenburg für Kinder erfreut sich großer Resonanz

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Von: Ulla Heyne

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Henrik und Wiebke dürfen sich nach „getaner Arbeit“ mit Lachgummis
 aus der Nierenschale stärken.
Henrik und Wiebke dürfen sich nach „getaner Arbeit“ mit Lachgummis aus der Nierenschale stärken. © Heyne

Zahlreiche Familien aus der gesamten Region nahmen am Samstag an der ersten Kinderimpfaktion des Landkreises in Rotenburg teil. Insgesamt 220 Fünf- bis Elfjährige in Rotenburg und 150 in Bremervörde erhielten ihre Covid-Erstimpfung. Weiter geht es Ende Februar. Viele Eltern begrüßten die Aktion, da die meisten Kinderärzte und das Diako erst wieder ab März freie Kapazitäten haben.  

Rotenburg – Samstagmorgen, es ist noch dunkel. Wo bis vor einigen Wochen noch Material durch die Halle bei Holz Behrens geschoben wurde und seitdem Impfwillige den auf dem Boden aufgeklebten Pfeilen folgen, hängen an diesem trüben Morgen Girlanden und Luftballons. Fasching? Kindergeburtstag? Fast: Heute hat der Landkreis in Zusammenarbeit mit drei Kinderärzten den ersten Impftermin für Kinder von fünf bis elf Jahren anberaumt.

Die neun Mitarbeiter haben ganze Arbeit geleistet, den kahlen Raum mit Deko und Plüschtieren kindgerecht aufzupeppen. In der Schlange: Mütter oder Väter mit Kind, einige Familien mit Sprösslingen im Kindergartenalter. Ein Mädchen hat ein Einhorn im Arm – das, so legt das Pflaster auf dem Fell nahe – hat die Impfung bereits hinter sich.

Karin Badenhop hatte alle Hände voll zu tun, um die vier
Karin Badenhop hatte alle Hände voll zu tun, um die vier Stationen mit Impfstoff zu versorgen. © Heyne

Die Resonanz auf die Aktion als Ergänzung zu Terminen bei örtlichen Kinderärzten und im Rotenburger Diako gibt den Organisatoren Recht: Die Zeit von 8 bis 12 Uhr war in Rotenburg zügig ausgebucht und wurde bis 13.30 Uhr verlängert. In Bremervörde war das Interesse nicht ganz so groß. Den Grund kann Alexander Oestmann, Leiter des mobilen Impfteams des Landkreises, nur mutmaßen: „Im Nord- und Mittelkreis ist die Impfbereitschaft bei Erwachsenen recht groß“. Zudem sei in Oerel eine recht impf-aktive Arztpraxis, „vielleicht sind viele dort schon versorgt worden.“

Die meisten Kinder sind erstaunlich gut informiert und wollen selbst geimpft werden.

Monika Schröter, Kinderärztin

An diesem Morgen sind viele Eltern dankbar für das Angebot; im Diako sind erst wieder ab März Termine frei. Viele haben sich relativ spontan entschieden, so wie Christoph Unthan, der mit seinen Söhnen Milan (11) und Jannes (7) hier ist. Das Impfen der Kinder war für das Ehepaar aus Bötersen auch Thema im Freundeskreis Thema. Selbst geboostert, sind die Eltern sich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Damit gehören sie zur Mehrheit, viele der Freunde und Klassenkameraden sind schon geimpft. In der Schule werden sie alle sich vorerst weiter testen müssen, hier geht es um Selbstschutz. Unthan hat Glück und zwei zeitnahe Termine bekommen, obgleich er erst vor einigen Tagen gebucht hat. „Zuerst war nur ein Termin frei, eine Stunde später waren im Portal neue Slots freigeschaltet“, freut er sich. Andrea Hashagen, mit ihrer Tochter Luisa an diesem Morgen eine der ersten, hatte nicht so viel Glück: Zwillingsschwester Emma ist erst in zweieinhalb Stunden an der Reihe. Die Scheeßeler nutzen das Aufklärungsgespräch bei Kinderärztin Monika Schröter – eines der Kinder hat einen Herzfehler, „kann trotzdem geimpft werden?“, will die Mutter wissen. „Gerade für sie ist dieses Angebot gedacht“, erklärt die Scheeßeler Kinderärztin – laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sind die Impfungen für Kinder mit Vorerkrankungen, aber auch gesundheitlich risikobehafteten Menschen im Umfeld gedacht und auf individuellen Wunsch. Bei den meisten Familien ist Letzteres der Fall: „Die meisten lassen zum Selbstschutz impfen“, hat Schröter festgestellt – ihrer Einschätzung nach eine richtige Entscheidung, seien Corona-Langzeitfolgen wie Pims, Long Covid, aber auch Konzentrationsstörungen bei Kindern noch wenig erforscht. Die meisten seien gut informiert und dankbar für das Angebot, „viele sind berufstätig und haben die Kita-Schließungen satt!“

Pflaster in einer Nierenschale
Für die jungen Impflinge gibt es Pflaster im Piraten-Look. © Heyne

Die Dankbarkeit der Eltern spürt auch Mattieu Steinberg, bei dem Luisa heute ihren „Piks“ bekommt, vorbei am großen Plüschtiger, vorschriftsmäßig mit Mundschutz. Der Auszubildende zum Notfallsanitäter ist von Anfang an gegen Ehrenamtspauschale bei den Impfterminen des Landkreises dabei. Während die anfängliche Euphorie bei Erwachsenen mittlerweile zuweilen einer gewissen Genervtheit gewichen sei, genießt er die Stimmung an diesem Morgen – und trägt selbst dazu bei. Er verwickelt die Siebenjährige ins Gespräch; als sie sich ein Pflaster aussucht, meint er: „Jetzt bist du eine richtige Piratenbraut!“ Eine Vertrauensbasis zu schaffen, ist für ihn bei den jungen Besuchern wichtig; er genießt es, etwas mehr Zeit für seine „Kunden“ zu haben. Luisa ist tapfer – „für viele Kinder sind Impfungen ja näher als für Erwachsene“, hat Steinberg festgestellt. Am schlimmsten seien tätowierte Männer, „die kippen schon mal um wie ein gefällter Baum – deshalb bieten wir auch Liegendimpfungen an“.

Ähnlich locker geht es in der Impfkabine gegenüber zu. Dort wird Henrik (8) aus Helvesiek, mit Mutter und Schwester Wiebke (6) hier, gefragt, ob er denn wisse, wogegen er geimpft werde, „gegen Katzenschnupfen?“ Er lacht, das Eis ist gebrochen. „Die meisten Kinder sind erstaunlich gut informiert und wollen selbst geimpft werden“, hat auch Schröter festgestellt. Karin Barenhop, die im hinteren Bereich Spritzen aufzieht – der eigens für die Kinder zugeschnittene Impfstoff enthält rund ein Drittel einer „normalen“ Dosis, – hat alle Hände voll zu tun. 220 Erstimpfungen werden heute an den vier Stationen vorgenommen. Die Helvesieker Geschwister haben sich bereits mit „ihrer“ Impferin Melanie für Ende Februar verabredet; dann gibt es den zweiten „Zauberpiks“.

Impfen – aber wo?

Die nächste Impfaktion des Landkreises für Kinder von fünf bis elf Jahre findet am Samstag, 26. Februar, bei Holz Behrens in Rotenburg statt. Dann werden ausschließlich Zweitimpfungen vorgenommen. Eine weitere Impfmöglichkeit besteht am 5. Februar in Zeven; Anmeldungen über die Website des Landkreises. Je nach Nachfrage sind laut Impfleiter Alexander Oestmann und Kinderärztin Monika Schröter regelmäßige Termine angedacht; dies hänge vom Bedarf ab. hey

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