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Baumfällarbeiten am Kattensteertsee

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Von: Guido Menker

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Ralf Gerken (l.) und Jürgen Goldbach am Kattensteertsee.
Ralf Gerken (l.) und Jürgen Goldbach am Kattensteertsee. © Menker

Rotenburg – Der Kattensteertsee in der Rotenburger Ahe: aus naturschutzfachlicher Sicht ein schwer kranker Patient, ja, sogar ein Fall für die Intensivstation. Das betonen Jürgen Goldbach als langjähriger Gewässerwart des Angelsportvereins Wümme sowie Ralf Gerken aus Scheeßel, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Anglerverbandes Niedersachsen. Schon über längere Zeit belasten Wasserlinsen den See – weite Teile der Oberfläche sind davon bedeckt. Das hat Folgen für dieses eigentlich artenreiche Biotop. Typische Arten und Lebensgemeinschaften verschwinden nach und nach. Endlich aber sind erste Maßnahmen eingeleitet worden, um dem See wieder ein gesundes Umfeld zu verschaffen. Die Freude darüber ist groß bei Jürgen Goldbach und Ralf Gerken.

In einem ersten Schritt ist es dem Rotenburger Verein gelungen, mit der Niedersächsischen Landesforsten dafür zu sorgen, eine ganze Reihe von Bäumen zu fällen. Die Landesforsten hat bei dieser Kooperation die Kosten übernommen, erhält im Gegenzug den Verkaufserlös des Holzes. Pappeln, Erlen, Eichen, Birken, Kiefern und Weiden haben in den vergangenen Jahren nicht nur weite Teile des Gewässers beschattet, sondern zugleich auch für einen hohen Nährstoffeintrag gesorgt. Zugleich sorgte der dichte Bewuchs am Ufer dafür, dass der Wind vor allem aus westlichen Richtungen nicht mehr auf das Wasser einwirken konnte. Zu wenig Licht, zu wenig Wasserzirkulation, damit zu wenig Sauerstoff – so konnte sich am Boden nach und nach eine immer dicker werdende Schlammschicht bilden. Die Rede ist von mehreren tausend Kubikmetern, die da unten schlummern und schon bald mit einem Bagger herausgeholt werden sollen. So ist der Plan für den zweiten Schritt.

Blick zurück in den Sommer des vergangenen Jahres: Die Entengrütze, wie die Wasserlinsen im Volksmund genannt werden, sei stark nahrungsabhängig und vertrage Goldbachs Aussage nach weder Regen noch Wind. „Von beidem haben wir hier in letzter Zeit zu wenig – deswegen hat sich die Entengrütze explosionsartig ausbreiten können.“ Grundlage dafür wiederum sei eine Überdüngung – also der Eintrag von Biomasse. „In erster Linie geht es ums Laub“, sagt Goldbach, der sich seit 14 Jahren als Gewässerwart im ASV engagiert und zugleich auch Leiter der Fischereiaufsicht für alle Gewässer ist, die der ASV in Rotenburg nutzt.

Der Kattensteertsee ist bis zu vier Meter tief, und dort unten habe sich inzwischen eine Schlammschicht gebildet, die eine Dicke von bis zu anderthalb Metern erreicht hat. Das wiederum hätten entsprechende Messungen ergeben. „Die Pflanzen dort unten können keinen Sauerstoff mehr bilden, es stirbt nach und nach alles ab.“ Nicht nur die Pflanzen, sondern damit auch die vielen Kleinstlebewesen, die wiederum auch Nahrungsquelle für die Fische sind.

Schon wenige Tage, nachdem der Baumschnitt erfolgt ist, sei eine erste Verbesserung der Situation eingetreten, schildert Goldbach seine Eindrücke. „Es ist wieder Bewegung im Wasser, die Entengrütze hat sich in den östlichen Teil des Sees verlagert. Diese erste Maßnahme übrigens beruht auf einem Konzept, an dem Ralf Gerken fleißig mitgearbeitet und das er mit der Unteren Naturschutzbehörde abgesprochen hat. Das ist so gut, dass es grünes Licht für die Baumfällungen gegeben hat. Der See liegt in einem Naturschutzgebiet. Gerken spricht von einem Eingriff, mit dem der Schutz des Gehölzes zurückgestellt und der des Gewässers in den Vordergrund rücke.

Der Kattensteertsee in Rotenburg wirkt idyllisch. Doch der Schein trügt, denn das Gewässer ist geschädigt.
Der Kattensteertsee in Rotenburg wirkt idyllisch. Doch der Schein trügt, denn das Gewässer ist geschädigt. © Menker

Diese Maßnahme allein reiche aber nicht aus. In einem weiteren Schritt müsse nun der Schlamm aus dem See herausgeholt werden. Erste Gespräche dazu laufen, Gerken und Goldbach hoffen, dass es auch für diese „Operation“ grünes Licht gibt. Neben dem Landkreis als Untere Naturschutzbehörde und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, dem Anglerverein als Eigentümer des Sees sowie des Landesverbandes der Angler ist auch die Landesforsten mit im Boot. Gemeinsames Ziel ist es, den für das Biotop schädlichen Prozess zurückzuschrauben und die hier typischen Arten im Bestand zu sichern. Fische, Amphibien, Muscheln, Wasservögel, Fischotter, aber auch Insekten und Pflanzen, erklärt Ralf Gerken die Vielfalt.

Nach dem großen Baumschnitt entlang mehrerer Bereiche am Ufer wird der Anglerverein selbst noch weitere Bäume auf den kleinen Inseln bearbeiten. Doch dann geht es um den Schlamm. „Wir befinden uns noch auf der Konzeptionsebene“, betont Gerken. Immerhin hätten Proben ergeben, dass dieser Schlamm nicht kontaminiert sei. Steht das Konzept für die Entnahme, bei der Bagger zum Einsatz kommen müssen, „geht es um die Details“. Die seien letztendlich mit dem Landkreis abzusprechen und zu klären, ehe es losgehen kann. Es gebe bereits zwei ausgesuchte Flächen, auf denen der Schlamm abgelagert werden könne. Die voraussichtlichen Kosten dieser Maßnahme erwarten die Beteiligten im „mindestens hohen, fünfstelligen Bereich“, sagt Gerken.

Wer übernimmt die Finanzierung? Es ist eine Frage, die noch nicht abschließend beantwortet worden, aber ebenso von Bedeutung ist. „Der Anglerverein kann das alleine nicht stemmen“, weiß Goldbach. Vielleicht beteiligt sich der Landkreis, vielleicht auch das Land. Vielleicht steigen auch Umweltstiftungen symbolisch mit in den Bagger.

Nur so viel ist klar: Der Landesverband hilft zwar nach Kräften, kann aber finanziell nichts beisteuern. Gerken: „Der Verband hat 350 Mitgliedsvereine – wir bringen uns mit Dienstleistungen ein.“ Auf 367 Mitglieder bringt es der Rotenburger Angelsportverein. Goldbach blickt zuversichtlich nach vorne. „Ich bin glücklich, dass es endlich losgeht hier. Seitdem ich im Amt bin, versuche ich, in dieser Sache etwas zu bewegen.“ Gerken ist sich sicher: „Dieses Biotop ist extrem wichtig. Es kann ein Highlight werden aus naturschutzfachlicher Sicht.“ Bis der schwerkranke Patient aber genesen ist, sind noch Hürden zu nehmen. Immerhin: Die Intensivstation kann er zunächst verlassen.

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