Theater-AG des Ratsgymnasiums

Erschreckendes Experiment: „Die Welle“ von Morton Rhue

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Die fanatisch gewordenen Schüler legen einen Gruß mit Gestik und Worten fest: „Stärke durch Disziplin“.

Rotenburg - In der Aula des Rotenburger Ratsgymnasiums ist es am Freitagabend stockdunkel. Auf einer großen Leinwand auf der Bühne werden grausame Bilder von Menschen in Konzentrationslagern der Nazis gezeigt. Bilder, die immer wieder beschämen. Wie konnte es im Dritten Reich zum Holocaust kommen?

Die Mehrheit der Deutschen waren doch keine Nazis, wie konnte dennoch so etwas geschehen? Antworten hat die Theater-Arbeitsgemeinschaft des Ratsgymnasiums mit Schülern der 10. und 11. Klassen mit ihrer Theateraufführung „Die Welle“ nach dem Roman von Morton Rhue gegeben. 

Die Akteure des Ratsgymnasiums haben die Theaterfassung des Romans aufgegriffen und am Freitag- und Samstagabend auf der Bühne der Aula des Rotenburger Gymnasiums geradezu schockierend in Szene gesetzt: Die Leinwand wickelt sich langsam auf und gibt den Blick auf die Bühne frei. 

Eine Schulklasse mit ihrem Geschichtslehrer Ben Ross (Olga Schwietering) ist zu sehen. Der Lehrer will den Schülern den Nationalsozialismus begreifbar machen. Als die Frage aufkommt, wie aus ganz normalen Bürgern Faschisten und Fanatiker werden können, startet der Lehrer am nächsten Tag ein Experiment. Er stellt seinen Schülern das Projekt „Die Welle“ vor. Es soll ihnen damit ermöglicht werden, die Autorität eines „Vorbildes“ zu spüren.

Extreme Disziplin gefordert

So fordert der Lehrer „Stärke durch Disziplin, Stärke durch Gemeinschaft“, und das wird zum Schlagwort in der Klasse. Die geforderte extreme Disziplin und die Autorität eines Vorbildes kehrt ohne große Gegenwehr in der Klasse ein. Selbst Robert Billings (Milena Krogmann), der von der Klasse bisher geschnitten worden ist, findet seinen Platz in der Gemeinschaft, die immer radikaler wird. 

Robert Billings (Milena Krogmann) wird nach dem Ende des Experiments wieder isoliert. Er begeht Selbstmord.

Eine Welle wird durch ein Logo zum Symbol der Bewegung und der damit verbundenen Ideologie, Sprüche und Satzungen. All das wird von den Schülern schneller verinnerlicht, als vom Lehrer geglaubt.

Auch Ben Ross lässt sich von der Bewegung anstecken und schneidet sich als äußeres Zeichen der Bewegung eine Glatze (Skinhead). Die Welle entwickelt eine unglaubliche Eigendynamik und stößt dabei kaum auf Gegenwehr. Nur die Chefredakteurin der Schülerzeitung, Laurie Sanders (Julia Matis), empfindet Unbehagen. 

Kampf gegen die Bewegung

Sie beginnt gegen die Bewegung zu kämpfen – ohne Erfolg, weil die Durchsetzung der Ideale durch die Klasse immer brutaler werden. Sie wird dadurch sogar von ihrem Freund ausgegrenzt. Als es auf einer Versammlung zu Tumulten kommt, bricht der Lehrer das Experiment ab. Die Schüler sind enttäuscht und Robert wird wieder, wie bereits vor der Welle, beschimpft und gemobbt. Die Welle hatte ihm Halt gegeben. Er begeht Selbstmord.

Auf grausame Art haben die Schüler eine Antwort auf ihre Frage erhalten. Sie wissen nun, wie leicht Faschismus im Dritten Reich in Deutschland entstehen konnte oder heutzutage überall in der Welt wieder entstehen kann.

Am Ende des intensiven Stückes scheint das Publikum in der Aula des Ratsgymnasiums zunächst überwältigt. Es dauert einen Moment, dann wird die schauspielerische Leistung des Theaterensembles mit tosendem Applaus belohnt.

go

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