„Ermittlungserfolge sind schwierig“

Polizist Thomas Teuber erklärt, wie Einbrecher vorgehen

Ein Einbruch ist eine Horrorvorstellung. Polizist Thomas Teuber erklärt, wie die Kriminellen bei ihren Taten vorgehen. - Foto: imago

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Wenn es im Winter früher dunkel wird, dann ist Hochsaison für Einbrecher. „In den Wintermonaten steigt die Einbruchsrate an“, sagt Thomas Teuber. Seit vielen Jahren ist der Polizist der Beauftragte für Kriminalprävention bei der Rotenburger Polizeiinspektion.

Immer wieder hält er in der Region Vorträge darüber, wie man sich vor Einbrechern schützen kann. Im Interview am Wochenende erklärt er, wie die Kriminellen vorgehen und warum ihre Ergreifung schwierig ist. Und er hat einige wirksame Tipps parat.

Thomas Teuber ist der Beauftragte für Kriminalprävention bei der Polizeiinspektion in Rotenburg. - Foto: Röhrs

385 Einbrüche wurden 2016 im Landkreis Rotenburg gezählt. Durchschnittlich also mehr als einer pro Tag. Das klingt erstmal nach viel...

Thomas Teuber: Das zu bewerten, ist nicht so einfach, da man das Delikt natürlich auch im Vergleich zur Gesamtkriminalität und das über einen Zeitraum von vielen Jahren betrachten muss. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Rotenburg haben wir ein Gesamtvolumen von zirka 10 000 Straftaten pro Jahr verzeichnet. Da klingt die Zahl von 385 Wohnungseinbrüchen inklusive Einbruchversuchen erstmal nicht besonders viel. Wohnungseinbruch ist aber ein Delikt, das die Menschen stark betrifft und daher sicher nicht nur durch nackte Zahlen zu betrachten.

Wie sollte man die Zahl denn interpretieren?

Teuber: Wichtig ist, dass man die Zahlen und Statistiken genau anschaut und dann seriös bewertet. Der Wohnungseinbruch in unserem Landkreis hat in den vergangenen acht bis zehn Jahren zugenommen, da liegen wir aber mit dem Landes- und Bundestrend überein. Wenn wir noch weiter zurückgehen – also Anfang bis Mitte der 90er-Jahre – haben wir damals jedoch rund ein Drittel mehr Wohnungseinbrüche registriert.

In welchen Gegenden ist das Risiko, Opfer von Einbrechern zu werden, höher als anderswo?

Teuber: In unserer Region kann man grundsätzlich sagen, je weiter weg vom „Schuss“, desto geringer ist das Risiko Opfer eines Wohnungseinbruchs zu werden. Das heißt Ortschaften, die verkehrsgünstig liegen, etwa an der Autobahn, sind tendenziell stärker betroffen.

Wenn man sich die Kriminalitätsstatistik des Landkreises von 2016 nochmal ansieht, attestiert man den Rotenburger Ermittlern eine Aufklärungsquote weit über Bundes- beziehungsweise Landesdurchschnitt. Was macht man hier besser?

Teuber: Die Polizei hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark mit der Bekämpfung des Wohnungseinbruchs befasst. Neben einer intensiven Präventionsarbeit stecken wir auch sehr viele Ressourcen in die Tataufklärung. Innerhalb der Polizeidirektion Lüneburg ist ein Konzept entwickelt worden, das auf mehreren Säulen steht. Unter anderem haben wir eine zentrale Sachbearbeitung in der Inspektion eingerichtet, die zentral für den ganzen Landkreis die Wohnungseinbrüche bearbeitet. Die Kollegen können sich die Fälle viel genauer anschauen und stehen im ständigen Austausch mit den Beamten aus den Nachbarlandkreisen. Außerdem ist die Tatortaufnahme viel intensiver geworden. Neben einer sofortigen Nachbarschaftsbefragung wird hier auch eine sehr umfangreiche Spurensuche durchgeführt.

Andererseits konnte man lediglich jeden dritten Einbruch aufklären. Warum scheinen denn eigentlich die Ermittlungen so schwierig zu sein?

Teuber: Die Mehrzahl der Wohnungseinbrüche in unserem Landkreis wird durch überregional agierende Täter begangen. Hier sind Ermittlungserfolge schwierig, da diese Einbrecher immer nur kurz zur Begehung der Straftaten in den Landkreis kommen, daher örtlich auch nicht bekannt sind. Selbst wenn Zeugen einen Tatverdächtigen gesehen haben, ist es also schwierig, Personalien zu ermitteln.

Entscheidet sich ein Täter willkürlich für ein Haus, oder geht einem Einbruch eine gewisse Planung voraus?

Teuber: Wir müssen davon ausgehen, dass es sich zumeist um Zufallstaten handelt. Wir wissen aus Vernehmungen von ermittelten Tätern, dass sie sich häufig gar nicht mit den örtlichen Begebenheiten auskennen. Die wissen oft nicht einmal, in welchem Ort sie einen Einbruch begangen haben, geschweige denn, wer in dem Haus wohnte. Sie biegen im Dunkeln von der Autobahn ab, fahren durch die Dörfer, und dann schlagen sie irgendwo zu. Ihnen geht es darum, schnell in das Haus hineinzugelangen, um genauso schnell wieder den Tatort zu verlassen – und dabei natürlich bloß nicht entdeckt zu werden. Ob es sich dabei um ein neues oder altes Gebäude handelt, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Wenn Einbrecher also eher willkürlich vorgehen, wie überführt man sie dann?

Teuber: Elementar ist eine gute Tatortarbeit mit umfangreicher Spurensuche. Man soll es nicht glauben, aber es gibt immer noch Täter, die ihre Fingerabdrücke am Tatort hinterlassen. Ein sehr wichtiger Faktor in der polizeilichen Ermittlungsarbeit sind aber Zeugenhinweise. Selbst vermeintlich kleine Hinweise aus der Bevölkerung können uns weiterhelfen. Deshalb veröffentlichen wir die Taten ja auch in unseren täglichen Pressemitteilungen und bitten damit um Zeugenhinweise.

Sind Einbrecher eher Teamplayer oder Einzelkämpfer?

Teuber: In der Regel kann man auch davon ausgehen, dass es sich nicht um Einzeltäter handelt, sondern sie mindestens zu zweit unterwegs sind – alleine schon aus logistischen Gründen.

Für die meisten ist es eine Horrorvorstellung: Aber wie soll man reagieren, wenn man einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt?

Teuber: Die wichtigste Grundregel ist, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Die Polizei erwartet nicht, dass der Bürger Einbrecher selbstständig festnimmt. Viel wichtiger ist es, ein guter Zeuge zu sein, das heißt, sich möglichst viel zu tatverdächtigen Personen oder Fahrzeugen zu merken. Und natürlich die Polizei sofort über den Notruf 110 zu verständigen.

Ich würde gerne noch über Einbruchschutz reden: Warum reicht es nicht, einfach das Licht anzulassen, wenn man abends das Haus verlässt?

Teuber: Grundsätzlich ist es wichtig, dass das Haus nach außen hin nicht leer oder unbewohnt aussieht. Mit anderen Worten, wer länger weg ist, sollte jemanden haben, der sich um das Haus kümmert. Das kann soweit gehen, dass man mit dem Nachbarn die Vereinbarung trifft, dass der sein Zweitauto auf der eigenen Hofeinfahrt abstellt. Wenn es dunkel wird, sollte es so sein, dass entweder durch eine Dauerbeleuchtung oder aber durch Zeitschaltuhren möglichst an mehreren Stellen im Haus die Zimmer hell erleuchtet sind. Außerdem ist zu überprüfen, wie gut die Verriegelungen der Fenster und Türen sind.

Oft heißt es, wirksamen Einbruchsschutz können Hausbesitzer schon für wenig Geld bekommen. Was sind gute und günstige Tipps?

Teuber: Mechanische Sicherungen, die sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, stehen an erster Stelle, um sich wirksam gegen Einbruch zu schützen und bilden grundsätzlich die Basis für ein solides Sicherungskonzept. Einbruchmeldeanlagen bieten einen zusätzlichen Schutz. Sie verhindern zwar keinen Einbruch. Allerdings erhöht sich für den Einbrecher durch den Alarm an eine Hilfestelle das Risiko, entdeckt zu werden. Grundsätzlich soll die Einbruchmeldeanlage auch die Möglichkeit bieten, einen Überfallalarm auszulösen. Bei Neu- und Umbauten erhält man durch den Einbau geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Türen und Fenster ab der Widerstandsklasse (RC) 2 einen guten Einbruchschutz. Hier ist sichergestellt, dass es in der Gesamtkonstruktion mit Türblatt, Zarge, Schloss und Beschlag keinen Schwachpunkt gibt. Wer gerade umbaut oder renoviert, sollte neben der richtigen Wärmedämmung oder dem altersgerechten Umbau von Anfang an auch aufeinander abgestimmte technische Sicherungsmaßnahmen mit einplanen. Aber auch das Nachrüsten von Fenstern und Türen durch örtliche Handwerksbetriebe ist möglich. Mittlerweile gibt es sogar staatliche Förderungen für Maßnahmen zum Einbruchschutz durch die KFW-Bank.

Gibt es auch einen Tipp „für umsonst“?

Teuber: Mehrere: Man sollte zum Beispiel Fenster, Balkon- und Terrassentüren auch bei kurzer Abwesenheit immer verschließen. Auch gekippte Fenster sollte man nicht hinterlassen. denn sie sind offene Fenster und von Einbrechern leicht zu öffnen. Auch die Haustüren sollte man bei nur kurzzeitigem Verlassen von Haus oder Wohnung nicht bloß ins Schloss ziehen, sondern immer abschließen. Selbstredend sollte man die Schlüssel niemals draußen verstecken. Wer eine Tür mit Glasfüllung hat, sollte zudem nicht den Schlüssel von innen stecken lassen.

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