Ermittlungen zur Unfallursache von Bremervörde laufen / Gaffer sollen zahlen

Fahrerin fiel schon vor Unfall auf

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Die Trauer in Bremervörde ist natürlich groß.

Rotenburg - Auch zwei Tage nach dem verheerenden Eisdielen-Unfall mit zwei Toten und neun zum Teil schwer verletzten steht Bremervörde nach wie vor unter Schock. Die Anteilnahme in der Bevölkerung ist groß und viele fragen sich vor allem eines: Wie konnte es zu dem schlimmen Unfall kommen?

Die Ermittlungen der Polizei zur Unfallursache laufen auf Hochtouren. Gutachter hatten noch am Sonntagabend am Unfallort an der Neuen Straße und dem Eiscafé „Pinocchio“ Spuren gesichert. Das Ergebnis der Blutprobe der 59-jährigen Unfallfahrerin liege noch nicht vor, sagte am Dienstag der Rotenburger Polizeisprecher Heiner van der Werp. Die Probe sei aufgrund der Poststreiks per Bote zur Medizinischen Hochschule nach Hannover gebracht worden. Mit dem Ergebnis rechne man im Laufe dieser Woche.

Der Mercedes Kombi der Frau war am Sonntag um 17.30 Uhr offenbar ungebremst in die Eisdiele gerast. Bremsspuren gibt es keine. „Unabhängige Sachverständige werden am Nachmittag das Unfallfahrzeug auf mögliche technische Mängel untersuchen“, teilte Heiner van der Werp am Dienstag mit.

Derweil konzentriert sich die Polizei auf die Rekonstruktion des Fahrweges der 59-jährigen Unfallverursacherin und ihre Verfassung zur Unfallzeit. Der Mercedes Kombi habe vor dem Einmündungsbereich zur Neuen Straße noch beschleunigt und sei dann ungebremst in das Verkaufsfenster des Eiscafés gefahren. „Ob ein gesundheitliches Problem oder eine andere Beeinflussung Ursache des Unglücks gewesen ist, soll auch die Untersuchung des Blutes der Frau auf Medikamente und Alkohol klären“, sagte der Polizeisprecher

Der Gesundheitszustand der durch den Unfall schwer verletzen Menschen hat sich mittlerweile stabilisiert. Sowohl die 25-jährige Mutter des tödlichen verletzten Kleinkindes als auch die 59-jährige Unfallverursacherin sind ansprechbar. Die Ermittler wollen die Frau noch in dieser Woche zum Unfallhergangbefragen.

Zu den Opfern des Unfalls gehörte neben Gästen des Eiscafés auch dessen 48-jähriger Besitzer und zwei seiner Angestellten. Der 48-Jährige erlitt bei dem Unglück eine Rückenverletzungen. Seine 23-jährige Mitarbeiterin und deren 23-jähriger Kollege wurden leicht verletzt. Alle bei dem Unfall verletzten Menschen stammen aus dem Bereich Bremervörde.

Unterdessen ist eine Debatte über die Gaffer vor Ort entbrannt. Dutzende Rettungskräfte arbeiten fieberhaft am Unfallort. Doch als wäre das Unglück nicht genug, kommt es zu Handgreiflichkeiten zwischen Polizisten und Schaulustigen. Die Arbeit von Polizisten und Feuerwehrleute wird oft durch Gaffer behindert, das war auch in Bremervörde nicht anders.

Ein 25-jähriger, der Polizei gut bekannter Bremervörder, hatte unentwegt die Rettungsarbeiten mit seinem Handy gefilmt, keine 100 Meter von der Eisdiele entfernt. Als er von Rettungskräften gebeten worden sei, dies zu unterlassen, habe sich der Mann geweigert, sagt der Pressesprecher der Polizeiinspektion Rotenburg, Heiner van der Werp. Auch einem Platzverweis der Polizei sei der Mann nicht nachgekommen. Gegenüber den Ordnungshütern sei der 25-Jährige sofort aggressiv geworden. Aus einem Wortgefecht entwickelte sich eine Rangelei, in deren Verlauf der unbelehrbare Gaffer einen Polizisten zeitweise sogar in den „Schwitzkasten“ nahm.

Van der Werp: „Zwei Beamte wurden leicht verletzt, ein Brille ging zu Bruch.“ Es erging Anzeige wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte. Festgenommen worden sei der Mann am Sonntagabend allerdings nicht. „Das war allein der außergewöhnlichen Situation geschuldet“, sagte ein Polizeibeamter.

„Es ist ehrverletzend und menschenunwürdig, dort zu filmen, wo Menschen im Blut liegen und um ihr Leben ringen und die Einsatzkräfte alles tun, um zu retten“, kritisiert der Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP, Dietmar Schilff. Für die Polizei sei das ein Riesenproblem. Die Grenze laufe dort, wo die Arbeit der Einsatzkräfte behindert werde. „Das muss geahndet werden, es können Bußgelder bis zu 5000 Euro ausgesprochen werden.“ Um solche Situationen zu verhindern, haben einige Bundesländer Sichtschutzwände angeschafft, die vor dem Unglücksort aufgestellt werden, um die Opfer in ihrer Hilflosigkeit vor Blicken und Handy-Kameras zu schützen. Schilff, selbst Polizeihauptkommissar, schränkt aber ein, dass es sich bei den wirklich harten Gaffern, die die Arbeit der Einsatzkräfte behindere, um eine Minderheit handelt.

cb/bz/dpa

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