Landkreis-Bewohner lernen heimische Angebote kennen

Erholung vor der Haustür

Die Nordpfade sind in Corona-Zeiten sehr beliebt. Auch bei den Menschen, die im Landkreis zu Hause sind. Foto: Menker

Rotenburg - Von Guido Menker. Die Nachfrage nach Rad- und Wanderrouten im Landkreis Rotenburg steigt seit Wochen deutlich. Das sagt Udo Fischer als Geschäftsführer des Touristikverbandes Landkreis Rotenburg (Tourow) auf Anfrage der Kreiszeitung. „Wir können sagen, dass seit Ausbruch der Corona-Pandemie das Interesse an unserer Region sehr groß ist.“ Der Landkreis sei keine klassische Urlaubsregion, er sei ländlich geprägt und habe sehr viel Natur und Landschaft zu bieten.

Eine Gegend also, in der das Wandern und Radfahren hervorragend möglich sei. „Das scheint bekannt zu sein, denn täglich versenden wir bis zu 70 touristische Infopakete.“ Und das in einer Zeit, in der die Corona-Krise nicht nur strenge Regeln zur Folge hat, sondern auch für Verunsicherung sorgt. Interessant dabei: Vornehmlich seien es Menschen aus der Region, die nun ihren eigenen Landkreis neu beziehungsweise anders für sich entdecken. Udo Fischer: „Aber auch viele Menschen aus den benachbarten Landkreisen sowie aus Bremen und Hamburg interessieren sich für unsere Aktivthemen.“ Insbesondere die Nachfrage nach den Nordpfade-Wanderwegen sei enorm. Die haben sich in den vergangenen Jahren ohnehin zum Aushängeschild des touristischen Angebots im Landkreis Rotenburg entwickelt.

Der Tourow weist immer wieder darauf hin, dass die Angebote eben auch für die Menschen in der Region attraktiv sind. Jetzt scheinen sie genau das festzustellen. „Die Corona-Pandemie hat sehr schnell zum Umdenken im Reiseverhalten bei den Deutschen geführt. Fernreisen und das Ausland waren in. Nun gilt es, erstmal wieder Vertrauen ins Verreisen beziehungsweise in den Urlaub zu gewinnen.“ Die Nahreisen werden daher zunehmen, ist Fischer überzeugt. Ländliche Regionen würden eher aufgesucht als Ballungszentren oder Erlebnisparks, sofern diese wieder öffnen dürfen. Denn so viel sei klar: „Die Menschen wollen nicht auf ihren Urlaub und ihre Reisen verzichten. Aber ein Umdenken findet statt: kurze Anreisen, sichere Ziele, Regionen mit viel Platz in einer tollen Naturlandschaft werden stärker nachgefragt.“ Insbesondere für die vielen Bremer und Hamburger, aber eben auch für Menschen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sei der Landkreis Rotenburg daher ein attraktives Reiseziel. Mit dem kreisweiten Nordpfade-Projekt und den unterschiedlichen Naturräumen stelle der Landkreis ein attraktives und hochwertiges touristisches Angebot dar. Und ja: „Aber auch die Menschen aus dem Landkreis Rotenburg erkunden seit Wochen ihre Region, viele dabei zum ersten Mal. Wir erhalten derzeit viele Rückmeldungen und Dank von den Bürgern, die zwar schon von den Nordpfaden gehört, aber diese selbst noch nicht ausprobiert haben.“

Dieses Angebot lässt sich allerdings nicht isoliert betrachten. Entlang der Pfade bietet vor allem die Gastronomie viel, um den Gästen nicht nur eine passende Unterkunft, sondern auch eine gute Verpflegung zu sichern. Die Krise hat dieser allerdings eine Zwangspause verpasst. Wie hoch die Verluste am Ende sein werden, lasse sich nicht beziffern, meint Fischer. Aber der Tourow werde auf seine Art alles daran setzen, den Einbruch in Grenzen zu halten: „Wir versuchen, unsere sicheren touristischen Freizeitangebote noch besser zu vermarkten. Wir vernetzen uns weiter mit den Tourismuspartnern in der Metropolregion Hamburg sowie im Reiseland Niedersachsen. Gemeinsam schaffen wir es mit neuen Kampagnen, unsere Region am Markt noch besser zu positionieren.“

Mit einem Blick auf die Menschen im Landkreis Rotenburg, die zurzeit vielleicht gar nicht oder eben nur eingeschränkt arbeiten können und sich daher wünschen, mehr Zeit im Freien zu verbringen, sagt Fischer: „Jeder sollte versuchen, sich selbst fit zu halten. Dazu bietet sich das Radfahren und Wandern bestens bei uns an. Heute hat uns eine Bremer Wanderin mitgeteilt, die ursprünglich aus Unterstedt kommt, dass sie gerade ihre alte Heimat per Pedes für sich wiederentdeckt. Sie ist begeistert und meinte, jedes Mal nach der Nordpfade-Wanderung fühle sie sich dankbar und glücklich. Also, das Beste aus der Situation selbst machen.“ Der Tourow selbst ist alles andere als untätig – trotz der Krise: Neben der Krisenbewältigung befindet er sich zurzeit in der finalen Fertigstellung eines neuen digitalen Freizeit- und Urlaubsportals für den gesamten Landkreis Rotenburg, wozu er mit allen Kommunen im Kreisgebiet eine Tourismusdatenbank mit sehr vielen Inhalten befülle. „Außerdem bereiten wir den Relaunch unserer Internetseite vor. Gemeinsam mit den Kommunen sind wir auch an der Optimierung des Radverkehrs im und für den Landkreis tätig. Und natürlich sind wir in der Umsetzung weiterer Ideen beziehungsweise Projekte für unsere Wanderregion“, berichtet Fischer. So gehe es mit verschiedenen Kommunen um die Planung möglicher Ortswege. Und zwischendurch klingelt auch in der Tourow-Geschäftsstelle an der Hamburger Straße in Rotenburg das Telefon: „Dabei geht es größtenteils um Verständnisfragen zur Auslegung der jeweiligen Verordnung.“ So ganz ohne Corona läuft es also auch für das Tourow-Team nicht.

Negative Zwischenfälle gab es nicht

Wandern auf den Nordpfaden: Viele Menschen nutzen in diesen Tagen und Wochen das kostenlose Angebot. Aber ist das auch sicher? Das „Draußensein“ wurde in Deutschland nicht wie in einigen anderen Ländern Europas verboten, sagt Tourow-Geschäftsführer Udo Fischer. Damit sei auch ein Wandern zulässig. „Bei allen Anfragen, telefonisch oder schriftlich, weisen wir auf die Einhaltung unter anderem der Abstandsregelungen hin. Die Wanderparkplätze sind gut besucht.“ Es sei auch kein negativer Zwischenfall bekannt. Fischer selbst war in den vergangenen Wochen auch vielfach auf den Nordpfaden unterwegs. „Dabei konnte ich feststellen, dass sich alle an die Regeln gehalten haben. Entweder bin ich ausgewichen, oder die anderen Wanderer haben mich in einem gebührenden Abstand und mit einem netten Gruß vorbeigelassen.“ Ähnlich gehe es auch auf den regionalen Radrouten im Landkreis zu.

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