Landesbergamt berichtet über Ergebnisse niedersachsenweiter Untersuchungen

Erhöhte Bodenbelastung an zwei Erdgasförderplätzen

Der Geograf Ralf Struckmann nimmt zu Beginn der Messkampagne am 27. Juli 2015 an der Erdgasförderstelle Hemsbünde Z2 in Bothel eine Bodenprobe zur weiteren Untersuchung. - Archivfoto: dpa

Hannover/Bothel - Von Michael Krüger. Zwei der 200 seit Juli 2015 untersuchten Erdgasförderplätze in Niedersachsen weisen erhöhte Quecksilberwerte auf, wegen denen die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen verboten wurde. Das hat das Landesbergamt (LBEG) am Montag mitgeteilt. An insgesamt 23 Stellen seien verdächtige Werte festgestellt worden, die zu weiteren Untersuchungen führen.

Die beiden betroffenen Förderplätze liegen in den Landkreisen Leer (Leer Z5) und Diepholz (Barrien 2T). Dort seien die Werte höher als nach der Vorgaben der Bundes-Bodenschutzverordnung für Grünland erlaubt. Allerdings, so das LBEG: „Die betroffenen Plätze werden aktuell nicht als Grünland genutzt.“

Die 1,8 Millionen Euro teure Messkampagne hatte vor knapp zwei Jahren in Bothel begonnen. Die Böden an den Förderplätzen und Versenkbohrungen wurden auf Belastungen durch Schwermetalle, unterschiedliche Kohlenwasserstoffe, Dioxine und Furane untersucht. Außerdem wurde die spezifische Radioaktivität gemessen. Im November 2015 lagen bereits die Ergebnisse der ersten 50 Analysen vor: keine größeren Bodenbelastungen. 

An fünf von 36 Förderstellen im Landkreis fanden die LBEG-Experten aber Auffälligkeiten. Daraufhin waren die zuständigen Förderkonzerne in der Pflicht, selbst Gutachter für Nachprüfungen einzusetzen. LBEG-Sprecherin Heinke Traeger: „Für die drei Plätze Hemsbünde Z1, Hemsbünde Z2 und Hemsbünde Z4 hat die anschließende Detailuntersuchung ergeben, dass der Verdacht auf eine schädliche Bodenveränderung ausgeräumt ist.“ Für Sottrum Z1, wo auffällige Werte für PAK gefunden wurden, und Bötersen Z 1, wo ein Quecksilberverdacht vorliegt, steht das Ergebnis allerdings noch aus – in beiden Fällen ist „ExxonMobil“ als Betreiber gefordert, für Klarheit zu sorgen. „Die Konzepte für Detailuntersuchungen an den beiden Standorten befinden sich noch in Abstimmung mit dem LBEG“, so Exxon-Sprecher Klaus Torp.

Ergebnisse unauffällig 

Für den Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie sind die Ergebnisse „weitgehend unauffällig“. Hauptgeschäftsführer Christoph Löwer zu den Daten aus Leer und Barrien: „Selbstverständlich stellen wir uns als Industrie der Verantwortung, auch in diesen beiden Fällen die Sicherheit für Mensch und Umwelt nachhaltig zu gewährleisten. Die betroffenen Betreiber bereiten bereits in Abstimmung mit den zuständigen Behörden die erforderlichen Maßnahmen vor, das heißt zum Beispiel weitere Bodenuntersuchungen und -analysen.“

Kritiker vor allem aufseiten der Bürgerinitiativen hatten von Beginn an das Untersuchungsdesign der Messkampagne bemängelt, da es keine Analyse von Luftwerten, Wasserwerten oder eine Suche nach Schadstoffen in den Pflanzen der Umgebung gab. Zudem böten die Verordnungen der Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung viel Platz für nachträgliche Interpretationen. 

Und tatsächlich bargen die nachgereichten Details, nachdem die ersten Ergebnisse für die Region Rotenburg im September bekannt gegeben worden waren, Zündstoff: Denn auch, wenn nur an fünf der 33 untersuchten Erdgas-Förderstellen und drei Versenkbohrungen schädliche Bodenverunreinigungen gefunden wurden, so gab es doch an 29 weiteren zumindest Auffälligkeiten. 

Nach der Klassifizierung des Landesbergamts waren das „Bodenwerte, bei deren Überschreiten unter Berücksichtigung von geogenen oder großflächig siedlungsbedingten Schadstoffgehalten in der Regel davon auszugehen ist, dass die Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung besteht. Besorgnis heißt in diesem Fall, es ist ein Prozess im Gange, der, wenn er nicht unterbrochen wird, irgendwann zu schädlichen Bodenveränderungen führen kann.“ Im Klartext: Es muss gegengesteuert werden von den Unternehmen, damit die Werte nicht weiter steigen.

Weiter kontrollieren 

Aufgrund der landesweit überwiegend „unauffälligen“ Untersuchungsergebnisse hält das Landesbergbauamt es nun für nicht erforderlich, auch die übrigen der 455 Erdgasförderstellen in Niedersachsen näher zu untersuchen. Der Landesregierung rät das Bergbauamt, die Erdgasförderer zu einem dauerhaften Umweltmonitoring zu verpflichten. Damit soll langfristig gewährleistet werden, dass sich die Schadstoffwerte in einem unbedenklichen Rahmen bewegen.

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