Häuserbau mit Schneewittchen

Erfolgreicher erster Spieletreff der Kulturinitiative Rotenburg

Vom Kindergartenkind bis zur Seniorin toben sich alle Generationen an den Tischen aus.
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Vom Kindergartenkind bis zur Seniorin toben sich alle Generationen an den Tischen aus.

Rotenburg – Ein Spiele-Wochenende, so richtig analog mit Karten und Würfeln – ob das in Zeiten von Internet und Playstation auf Interesse stößt? Eine Stippvisite im Heimathaus, wo das Wochenende auf Einladung der Kulturinitiative Rotenburg (Kir) ganz unter dem Zeichen von Brettspielen steht, bringt Klarheit.

Es ist Sonntagmittag – und schon eine Stunde nach dem Start sind die meisten der ein Dutzend Tische gefüllt. Die Besucher: Familien mit Kindern, ein Pärchen mittleren Alters, eine Oma mit Enkelin, drei Jugendliche und andere, die allein gekommen sind. Viele waren am Vortag schon da. In der Mitte ein langer Tisch mit mehr als 100 Spielen, deren fantasievoll gestaltete Kartons mit Illustrationen vom Drachentöter bis zum Murmeluniversum verheißungsvoll locken. Ob Kinder- oder Erwachsenenspiel, lässt sich nur am Niedlichkeitsfaktor des Designs erahnen. Schnelles Glücksspiel, anspruchsvolles Strategiespiel oder Kennerversion für Hardcore-Fans mit mehreren Stunden Zeit? Gut, dass es die Spielescouts gibt. Einer der bis zu vier Helfer ist sofort zur Stelle und fragt, wo die Vorlieben liegen.

Eine Seniorin möchte etwas unkompliziertes, leicht zu erlernen, überschaubare Spieldauer. Sonst spiele sie eher Schach, „aber dafür habe ich momentan keinen Partner“. Ein interessierter Blick – schon sitzt man nicht nur daneben, sondern mittendrin. Die Landschaft um die eigene Burg will gestaltet werden; wer sich klug anstellt, punktet. Spielescout und Initiatorin Ulrike Mattuscheck steht parat – nicht nur, um die Regeln in verträglichen Dosen zu erklären, sondern auch, um wichtige Strategietipps zu geben. Das mag beim einfachen Domino-Spiel, das nach 20 Minuten entspannten Karten-Ablegens fast Unentschieden endet, noch nicht so wichtig sein. Bei „Grimms Wälder“, einem der begehrtesten Spiele, ist eine persönliche Einführung Gold wert. Das an Grimms Märchen angelehnte Spiel lockt vor allem durch seinen Namen, die liebevollen Spielfiguren und den Hype in Spielerkreisen, sodass es momentan auf dem Markt vergriffen ist.

Die Spieleprofis Fabian Mattuscheck und sein Vater Tobias nehmen Besucher mit in fremde Welten.

Statt eines Quälens durch die dicke Anleitung erklärt Mattuscheck, worauf es ankommt; Nachfragen sind nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Von den Nebentischen ertönt angeregtes Gemurmel: Das Ehepaar baut gerade ein Warenlager auf einer exotischen Schatzinsel, die Siegelkarten um das Brett verteilt. Die Rentnerin steckt mit ihrer Enkelin im Kindergartenalter Stäbe in einen Affenkäfig, damit die Tiere nicht zu Boden gehen, und am ersten Tisch haben sich für eine Spielescoutin drei Partner für eine Partie Mahjong gefunden.

Als Mattuscheck zur Erklärung eines anderen Spiels gebraucht wird, übernimmt ein junger Mann und erklärt, wie man in der Rolle eines der drei kleinen Schweinchen aus dem Märchen seine Häuser baut, um sich vor dem bösen Wolf zu verstecken. Unterstützung erhalten die Spieler von lauter Freunden aus dem Märchenreich mit unterschiedlichen Gaben; die echten Sparringspartner am Tisch kennen das Spiel schon. Beim siebenjährigen Fabian hapert es noch mit dem Lesen, da muss Vater Tobias helfen. Eigentlich ist das Spiel für Ältere gedacht, aber der Spross einer Spielerfamilie aus Brockel ist mit allen Wassern gewaschen. Ruckzuck hat er die ersten Häuschen gebaut, getoppt nur noch von seinem Vater. Dessen Sieg kann gerade noch durch die Karte des bösen Wolfs vereitelt werden, der das gebaute Strohhaus umpustet – da nützt ihm auch der gestiefelte Kater mit seiner Superkraft nichts. Gerade hat man das letzte Holz fürs Dach herangekarrt, da zieht der Grundschüler an ihm vorbei und besiegt die Erwachsenen. An den Nebentischen wird das Fantasieland Catan besiedelt – ein Klassiker; beim „Camel Cup“ Rennkamele durch die Wüste gejagt, gewürfelt wird mit einer Pyramide. In der Ecke sind drei Profis in „Time Stories“ in die Zukunft gereist, um einen Riss im Zeitkontinuum zu flicken.

Dank Sponsoren und dem Privatfundus der Spielescouts können mehr als 100 Spiele getestet werden.

An Geschichten – der Fokus geht weg von der reinen Spielidee hin zu fantasievollen Welten – mangelt es nicht, auch dank des Rotenburger Spielwarengeschäfts Roehrs und überregionalen Sponsoren. Mattuscheck ist zufrieden, nicht nur in puncto Besucherzahlen. „Die Leute haben sich auf Neues eingelassen, die Stimmung war klasse.“ Pressesprecher Carsten Kahle hat beeindruckt, wie diszipliniert die Hygienevorschriften umgesetzt wurden. In den ersten Facebook-Kommentaren wird eine Wiederholung gefordert, „gern regelmäßig“.

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