Er lässt einfach nicht locker

Günter Scheunemann kandidiert zum dritten Mal für den Bundestag

Günter Scheunemann will in den Bundestag. Geduld und Ausdauer bringt er dafür auf. Ähnlich wie beim Sammeln von Steinen und Mineralien.
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Günter Scheunemann will in den Bundestag. Geduld und Ausdauer bringt er dafür auf. Ähnlich wie beim Sammeln von Steinen und Mineralien.

Rotenburg – Die Vitrine im Wohnzimmer ist beeindruckend. Sie dokumentiert eine ganz besondere Leidenschaft von Günter Scheunemann. Es ist die Suche nach Steinen und Mineralien, die ihn seit mehr als 45 Jahren beschäftigt. Wer zum Steineklopfen in die Berge fährt, sich also auf die Suche macht nach den besonderen Exemplaren, braucht nicht nur Geduld und Ausdauer, sondern auch ein gutes Gespür. Tugenden, die sich zumindest teilweise mit denen decken, die auch in der Politik gefragt sind. Günter Scheunemann kann ein Lied davon singen. Er tritt am 26. September bereits zum dritten Mal für die Freien Wähler als Bundestagskandidat an.

Der 67-Jährige ließe sich auch als politischer Dauerläufer bezeichnen. Seitdem er 2009 an der Gründung eines Kreisverbandes der Freien Wähler ganz maßgeblich beteiligt war, hat er wirklich alles versucht, um parlamentarische Arbeit verrichten zu können. Drei Kandidaturen für den Rotenburger Stadtrat, zwei weitere für den Kreistag, drei für den Landtag, eine für das Europäische Parlament sowie zwei Versuche, in den Bundestag zu kommen, kennzeichnen aktuell seine politische Biografie. Geschafft hat er es bislang noch nie, ausreichend Wählerstimmen zu ergattern. Mit seinem Listenplatz sechs stehen die Chancen auch diesmal alles andere als gut, aber: „Die Freien Wähler werden es diesmal schaffen, weil wir zielführende Lösungsansätze haben“, sagt der ehemalige Berufsfeuerwehrmann.

Für eine junge Partei wie die Freien Wähler sei es nicht einfach, auf dem parlamentarischen Parkett Fuß zu fassen, sagt Scheunemann bei einem Besuch in seinem Haus, das er vor rund 40 Jahren am Rande der Kreisstadt gekauft und nach und nach in Eigenleistung umgebaut hat. Mittlerweile glaubt der Vater einer 38-jährigen Tochter daran, dass die Zeit reif ist für die Freien Wähler. Sein Motto: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Es ist ein Gespräch über den Kandidaten geplant für diesen Nachmittag. Es gibt Kaffee und Kekse. Doch Scheunemann benötigt nur wenige Stichworte, um in grundsätzliche politische Debatten zu verfallen. Das zeigt, wie intensiv er sich mit den Themen beschäftigt, die ihm und seiner Partei am Herzen liegen: das Klima, die innere Sicherheit, gute Bildung, regionale Wertschöpfung und Vielfalt, starker Mittelstand und Innovationen – das alles ist auch auf den Plakaten zu lesen, die sich im Carport vor Scheunemanns Haus stapeln. Er selbst packt mit an und freut sich über die große Unterstützung des Kreisverbandes, wenn es darum geht, die Plakate dort anzubringen, wo sie möglichst viele Menschen sehen sollen.

Mehr als 30 Aktenordner

Das alles kostet viel Zeit. „Zu viel sogar, wenn ich mir meinen Garten ansehe“, sagt der Mann, der seit 46 Jahren mit seiner Frau Sibylle verheiratet ist. Mehr als 30 Aktenordner füllt inzwischen das politische Material, das er im Laufe der vergangenen Jahre angesammelt hat. Regelmäßige Treffen mit den Parteifreunden, aber auch die Besuche von Tagungen und parteiinternen Veranstaltungen gehören dazu. Scheunemann lässt nicht locker, obwohl er es sich eigentlich gemütlich machen könnte. Seit vier Jahren freut er sich über den beruflichen Ruhestand. Er könnte seinen Garten pflegen und genießen, in den Urlaub fahren, zeichnen, wie er es immer gerne gemacht hat. „Nein“, sagt er. Das komme für ihn nicht infrage. Wenn er etwas macht, dann richtig. Das gelte auch für die Politik. „Deshalb trete ich immer wieder an bei den Wahlen“, sagt er. Er wolle seinen Beitrag leisten, um zu verhindern, „dass die Gesellschaft aus den Fugen gerät“.

Genau diese Gefahr meint Scheunemann an mehreren Stellen zu erkennen – in der Familienpolitik, in der Wirtschaft, im Sozialen sowie beim Thema Klimaschutz. „Die CO2-Steuer wird noch mehr auffressen“, glaubt er. Er setze auf Beständigkeit in der Gesellschaft. Das sei das A und O und gelte ebenfalls für die Zukunft der Rente. „Ja, das treibt mich um.“

Die Sorge um unsere Demokratie sei eine der Antriebsfedern für sein politisches Engagement. Scheunemann spricht von persönlicher sowie wirtschaftlicher Freiheit, die mit Innovationen einhergehen müsse, und warnt vor einer „Öko-Diktatur“. Dennoch versicherte der 67-Jährige: „Wir sind eine Partei der Mitte und haben nichts mit dem rechten oder linken Rand zu tun.“

Aber warum tut sich diese „Partei der Mitte“ nur so schwer, wenn es um Wahlen geht? Für Scheunemann liege das in erster Linie an der fehlenden, medialen Wahrnehmung. „Wir sind von den Kleinsten die Größten, also ein schlafender Riese“, ist er überzeugt. Scheunemann hat einen langen Atem. „Mir sind die Menschen wichtig, das Umfeld muss für uns alle lebenswert bleiben.“ Dabei hat Günter Scheunemann jene Menschen im Blick, die von Hartz IV leben müssen oder im Niedriglohnsektor arbeiten. „Wie soll das gehen?“, fragt er. Er redet sich fast ein wenig in Rage, schimpft auf die Entscheidungen der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung. Gut, dass er eine Katze im Haus hat. „Sie gibt mir eine gewisse Ruhe.“

Aber auch das lässt sich Günter Scheunemann nicht nehmen: In jedem Jahr genießt er es, in den Urlaub zu fahren. Am liebsten in die Berge Österreichs. Er macht sich dort auch heute noch auf die Suche nach Steinen und Mineralien. Dass das nicht ungefährlich ist, musste er vor noch nicht all zu langer Zeit am eigenen Leib erfahren. „Ich hatte einen Unfall im Oberpinzgau und musste mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht werden.“ Beide Knöchel hatte er sich gebrochen. Mit den Nachwirkungen habe er lange zu tun gehabt.

Auch hier lässt sich eine Parallele zur Politik ausmachen. Die Gefahr eines Absturzes besteht auch dort. Und nicht selten kommt es zu einem Knall. So, wie ihn Scheunemann erlebt hatte, als er noch in der Wählergemeinschaft Freier Bürger (WFB) von 2007 an engagiert war. Nach zwei Jahren kam es zum Streit – Scheunemann wechselte zu den Freien Wählern. Auch diese Geschichte sowie die Diskussionen in Sachen Bullensee-Entwicklung würde er in diesem Gespräch gerne noch einmal aufrollen. Doch es soll ja um den Kandidaten selbst gehen. Und ehe es um die Frage geht, wo das Foto von ihm entstehen soll, streut Scheunemann noch schnell diesen Satz ein: „Dass man damals die Moorbrühe in den Bullensee gelassen hat, hat viele vergrault.“ Den gerade erst renovierten Pavillon vergleicht er mit einer „Futterhütte für Waldtiere“.

Das Foto: Es soll vor der Vitrine entstehen, in der ein paar Steinfunde zu bewundern sind. Er könne zu jedem Stück genau sagen, woher es kommt. Und zugleich versichert der 67-Jährige, sich parallel dazu intensiv mit Geologie und erdgeschichtlichen Fragen zu befassen. Das Material darüber ruht nicht in Aktenordnern, sondern in Form von Fachbüchern im Schrank gleich neben der Vitrine. Das spricht für seine Leidenschaft, wie sie ihn auch in der Politik auszeichnet.

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