Debatte um Durchfahrtssperre

Entscheidung über Rotenburger Goethestraße steht noch aus

Radweg auf der Goethestraße in Rotenburg
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Für Radfahrer ist sind die Berg- und Goethestraße beidseitig komplett durchfahrbar. Für den Durchgangsverkehr soll das nicht mehr möglich sein.

Rotenburg – Eine Sitzung mitten im Corona-Lockdown mit Überlänge: Zweieinhalb Stunden diskutiert der Ausschuss für Straßen- und Tiefbau des Rotenburger Stadtrats am Donnerstagabend kleine und größere Maßnahmen, die die Verkehrsführung in der Kreisstadt betreffen. Zentrales Thema: die geplanten Poller auf der Goethestraße, um den Durchgangsverkehr zwischen Mühlenstraße und Soltauer Straße auszubremsen.

Das Für und Wider der mindestens seit einer Woche öffentlich ausgetauschten mehr oder weniger sachlichen Argumente, seitdem über die Sitzungsvorlage von Bürgermeister Andreas Weber (SPD) diskutiert wird, werden noch einmal ausgetauscht. Das sollte ein Fachausschuss auch tun. Nur: Es entsteht vor allem der Eindruck, dass nicht miteinander oder wenigstens übereinander gesprochen wird, sondern meist aneinander vorbei. Doch worum geht es eigentlich?

Uwe Knabe obliegt die Aufgabe, in die oft emotional geführte Debatte Sachlichkeit zu bringen. Erst muss er noch beim Einlass coronagerecht die Eingangstür des Rathauses verschließen, mehr als elf Zuschauer dürfen nicht dabei sein, dann bittet Weber den Experten des Verkehrsamts im Ratssaal ans Mikrofon. Knabe wiederholt in Auszügen das, was im September Markus Otten von der Bremer Planungswerkstatt Stadt und Verkehr BMO bei einer Impulsberatung festgestellt hatte: Es muss sich auf der Goethestraße was tun, weil zu viel passiert. Zu viel Durchgangsverkehr, zu viele Unfälle mit Radfahrern, zu wenig Platz für die verschiedenen Interessen. Darüber sind sich im Prinzip auch alle einig. Nur was passieren soll, wird unterschiedlich gesehen. Der Vorschlag der Verwaltung: Vier Poller in Höhe Domshofs, sodass der Verkehr aus der Mühlenstraße kommend links abbiegen muss in die Kirchstraße. Durchfahrt für Autos und Lkw nicht mehr möglich. In der Gegenrichtung ist das schon so. Knabe beziffert den Durchgangsverkehr nach der BMO-Studie auf mehr als 50 Prozent. Die, die glauben, von der Mühlenstraße kommend über die Goethestraße ihre Fahrt durch die 20-Zone anstatt über die Bundesstraße zu anderen Stadtseite abkürzen zu können, sollen raus aus der City. „Menschen müssen vor Raserei geschützt werden“, sagt Weber. Es gehe um eine Teilung der Straße, nicht um eine Sperrung. Jeder, der die Geschäfte mit dem Auto erreichen wolle, könne das auch bei der geänderten Verkehrsführung weiter tun, betont der Bürgermeister. Knabe legt dazu einen Plan der Innenstadt mit vielen Pfeilen vor: alles erreichbar. Weber: „Wir erwarten nicht, dass jemand aus Brockel mit dem Rad in die Innenstadt kommen muss.“

Weber wendet sich mit seiner Argumentation vor allem in die IG-Citymarketing-Vorsitzende Cornelia Gewiehs, die in den vergangenen Tagen und auch im Ausschuss noch einmal ihre Bedenken äußert. Sie sagt, jede Änderung der Verkehrsführung verunsichere die potenziellen Kunden und führe gerade in der schwierigen Zeit der Pandemie zu noch mehr Problemen für den Einzelhandel. Andere, wie die mit ihrem Buchladen direkt an der Goethestraße ansässige Cornelia Mansfeld, sagen: Der Durchgangsverkehr muss raus – viel zu gefährlich, zu laut, die Aufenthaltsqualität leide.

Die Verwaltung will mit einer Probephase der Durchfahrtssperre von Mai bis September auch Erkenntnisse sammeln, wie sich das im Hinblick auf die Neugestaltung der Harburger Straße auf dei anderen Strecken auswirkt. Ob es dazu kommen kann, ist noch offen. Der Ausschuss hat eine Entscheidung vertagt. „Jetzt kann es an die Aufklärung gehen, die wir in den kommenden Wochen mit den Anliegern und Einzelhändlern vornehmen werden“, so Weber. Noch vor den Osterferien soll der nächste Fachausschuss das Thema wieder aufgreifen – und dann entscheiden.

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