Anwohner kritisieren Baupläne an Brockmanns Wiesenweg

Das Wie ist entscheidend

Für die Anwohner der Siedlung an der Brockeler Straße ist nicht das Problem, dass die Rotenburger Werke auf dem Grundstück an Brockmanns Wiesenweg bauen. Sie sehen vor allem die mögliche Größe des Baus kritisch. - Foto: Witte

Rotenburg - Von Farina Witte. Die Rotenburger Werke wollen an Brockmanns Wiesenweg eine Fachpflegeeinrichtung bauen. Bereits in einigen Fachausschusssitzungen der Stadt ist dieses Thema zur Sprache gekommen. Viele der Anwohner, die in der angrenzenden Siedlung wohnen, haben diese Sitzungen besucht. Sie verfolgen mit Sorge die Entwicklung dieses Projekts.

Es ist nicht die Zerstörung des Landschaftsbildes, es ist auch nicht die Tatsache an sich, dass eine Fachpflegeeinrichtung in ihre Nachbarschaft ziehen würde. Was die Anwohner an den Plänen der Werke vor allem stört, ist, dass sie bislang kaum einbezogen wurden. In einem Vor-Ort-Gespräch Anfang 2017 mit Klaus Rinck (CDU) hätten sie das erste Mal von den Plänen erfahren. Im Herbst des selben Jahres gab es einen Ortstermin am Spielplatz an der Brockeler Straße mit den Rotenburger Werken. Da sei die Rede von maximal 80 Pflegeplätzen sowie ein- und zweigeschossiger Bebauung gewesen. Für die Anwohner sind derartige Pläne kein Problem, wie einige von ihnen beim Ortstermin betonen.

Den derzeitigen Entwicklungen hingegen stünden sie skeptisch gegenüber. Im Bebauungsplan, der erstmals im August im Planungsausschuss vorgelegt worden war und der vergangene Woche modifiziert wurde, ist festgelegt, was auf dem Grundstück an Brockmanns Wiesenweg möglich ist. Die Liste umfasst mehrere Punkte, unter anderem erlaubt sie die Errichtung einer Verkaufsstätte mit einer maximalen Größe von nun 100 Quadratmetern. „Ein Bebauungsplan, der keine Wünsche der Rotenburger Werke mehr offen lässt“, fassen es die Anwohner in einer gemeinsamen Stellungnahme zusammen.

Vor allem stört sie die mögliche Größe des Baus auf dem mehr als 30 000 Quadratmeter großen Areal. Die Grundflächenzahl beträgt 0,7, nicht 0,4 wie im restlichen Wohngebiet üblich. Höchstens zehn Meter hoch darf der Bau werden – das entspräche einer dreigeschossigen Bebauung. Zudem ist mittlerweile die Rede von 120 Bewohnern in der Einrichtung. Die ursprünglich geplanten 80 Personen ermöglichten ihrer Ansicht nach noch Inklusion, würden es 120 oder mehr, befürchten die Anlieger, dass ein Miteinander nicht mehr möglich ist. Der Verkehr nehme durch den Kindergarten und das Neubaugebiet ohnehin zu. Käme eine Einrichtung dieser Größenordnung dazu, würde das die Verkehrsbelastung zusätzlich steigern.

Nutzen die Rotenburger Werke außerdem die erlaubte Grundflächenzahl von 0,7 aus, würde viel Fläche versiegelt werden. Ein Thema, das laut der Anwohner, von denen viele schon seit 14 Jahren in der Siedlung wohnen, mehr und mehr zu einem Problem wird. Schon durch die versiegelten Flächen im Neubaugebiet auf der gegenüberliegenden Seite der Brockeler Straße sei das Grundwasser gestiegen. In einigen Häusern gebe es bereits Probleme mit Feuchtigkeit.

Allerdings wissen die Anwohner zur Zeit gar nicht, was genau geplant wird. Zugeständnisse seien nicht gemacht worden, der Bebauungsplan lasse aber Freiheiten, was die Anwohner mit Sorge betrachten. Gegen die ursprünglich geäußerten Pläne mit 80 Bewohnern und einem kleineren Bau hätten sie nichts einzuwenden. Doch die Rotenburger Werke hätten sie bislang nicht über das informiert, was auf dem Grundstück tatsächlich gebaut werden soll. „Die Leute wollen abgeholt werden“, brachte einer der Anwohner das Anliegen auf den Punkt. Bisher sei das Verfahren intransparent gewesen. Ein Vertrauensvorschuss, wie von der Werke-Geschäftsführung in den Fachausschüssen gefordert, sei so nicht möglich.

Geschäftsführerin Jutta Wendland-Park betont auf Nachfrage jedoch, dass das Unternehmen bei Bauprojekten in den vergangenen Jahren stets Wert auf Transparenz gelegt habe und dies auch in diesem Fall wieder tun werde. „Wir sind den Wünschen der künftigen Nachbarn entgegen gekommen und werden in der nächsten öffentlichen Sitzung des städtischen Bauausschusses den Entwurf der Einrichtung erläutern und die Bauplanung sichtbar machen“, sagt sie. Man sei bislang immer zu einvernehmlichen Lösungen mit den Anwohnern gekommen. An den anderen neuen Standorten pflege man ebenfalls gute nachbarschaftliche Beziehungen.

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