Rotenburger Gewässerwart sorgt sich um den Kattensteertsee

Entengrütze und Schlamm

Dem Kattensteertsee geht es nicht gut.
+
Sieht schön aus, aber dem Kattensteertsee geht es nicht gut.

Rotenburg – Weiße Wolken vor blauem Himmel spiegeln sich im Wasser – dort, wo es geht. Rund um den Kattensteertsee herum ist inzwischen alles herrlich grün. Spaziergänger und Fotografen haben hier am Rande der Ahe ihre Freude. Jürgen Goldbach hingegen betrachtet den Ort mit ganz anderen Augen. Schon über längere Zeit belasten Wasserlinsen den See – weite Teil der Oberfläche sind davon bedeckt.

Was so harmlos aussieht, führt zu massiven Problemen, sagt der Gewässerwart des Angelsportvereins (ASV) Rotenburg.

Die Entengrütze, wie die Wasserlinsen im Volksmund genannt werden, seien stark nahrungsabhängig und vertragen Goldbachs Aussage nach weder Regen noch Wind. „Von beidem haben wir hier in letzter Zeit zu wenig – deswegen hat sich die Entengrütze explosionsartig ausbreiten können.“ Grundlage dafür wiederum sei eine Überdüngung – also der Eintrag von Biomasse. „In erster Linie geht es ums Laub“, sagt Goldbach, der sich seit 13 Jahren als Gewässerwart im ASV engagiert und zugleich auch Leiter der Fischereiaufsicht für alle Gewässer ist, die der ASV in Rotenburg nutzt.

Die Entengrütze selbst nimmt dem Wasser das Licht – insbesondere in den tieferen Bereichen. Der Kattensteertsee ist bis zu vier Meter tief, und dort unten habe sich inzwischen eine Schlammschicht gebildet, die eine Dicke von bis zu anderthalb Metern erreicht hat. Das wiederum hätten entsprechende Messungen ergeben. „Die Pflanzen dort unten können keinen Sauerstoff mehr bilden, es stirbt nach und nach alles ab.“ Nicht nur die Pflanzen, sondern damit auch die vielen Kleinstlebewesen, die wiederum auch Nahrungsquelle für die Fische sind.

Was kann man tun? „Wir stehen in Kooperation mit der Unteren Naturschutzbehörde sowie mit dem Fischerei-Landesverband“, berichtet der 61-jährige Jürgen Goldbach. Es sei ein Konzept in Arbeit, um einen Weg zu finden, das Problem zu lösen. Im Fokus stehe die Frage, wie sich das Problem umweltverträglich in den Griff bekommen lässt und der See renaturiert werden kann. Goldbach: „Das wird eine langwierige Geschichte, ich rechne mit einem Zeitraum fünf bis zehn Jahren.“

Entengrütze belastet den Kattensteertsee.

Der Landesverband habe bereits ein Gutachten erstellt und es an die Naturschutzbehörde gegeben. Der Gewässerwart hofft, dass schon bald eine Entscheidung fällt und vielleicht im Herbst die ersten Maßnahmen starten können. Einerseits gehe es darum, die Wasserlinsen, vor allem aber auch den Schlamm zu entfernen.

Andererseits habe man auch die Frage im Blick, wie dem Wind mehr Angriffsfläche geboten werden kann – dann müssten eventuell Bäume entnommen werden. Goldbach: „Dass hier etwas gemacht werden soll, ist inzwischen klar, aber es ist noch nicht entschieden, wie vorzugehen ist.“ Das Problem sei auch bei anderen Gewässern festzustellen, nicht aber in dem Ausmaß, wie es hier am Kattensteertsee der Fall ist.

Der Besatz im Kattensteertsee umfasst Aal, Brasse, Hecht, Zander, Karpfen, Schleie sowie andere Weißfischarten. Das Wasser besitzt eigentlich eine ausgezeichnete Qualität, was sich am Vorkommen von Teichmuscheln und Edelkrebsen erkennen lasse, heißt es auf der Internetseite des Angelsportvereins. Bemerkenswert seien die beiden durch den Ausbau entstandenen Vogelschutzinseln, die, unzugänglich für jeglichen Publikumsverkehr, zahlreichen Vogelarten einen Nistplatz böten.

Jürgen Goldbach

Vor diesem Hintergrund betont Goldbach, dass es ihm nicht vorrangig darum gehe, den Besatz zu sichern, damit die Angler ihre Freude haben. Der See sei vor allem aus Naturschutzsicht in einem guten Zustand zu halten. Der Fischotter finde hier ebenso Nahrung wie der Reiher. Frösche hingegen hätten sich angesichts des an der Wasseroberfläche sichtbaren Problems mehr und mehr zurückgezogen.

Das Abschöpfen der Wasserlinsen sei nicht einfach, noch schwieriger sei es, den Schlamm herauszuholen. „Da kann man nicht einfach zehn Bagger holen und loslegen.“ Es gebe verschiedene Varianten – die aber sind aufwendig und womöglich recht teuer.

Und wer soll das bezahlen? „Ich weiß es nicht. Wir hoffen, von irgendeiner Stelle eine Förderung zu bekommen.“ Der ASV hat mehr als 350 Mitglieder, etwa 100 von ihnen sind aktive Angler. In Coronazeiten erlebe dieser Sport einen Boom. Nicht aber am Kattensteertsee.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Italien nach Sieg gegen die Schweiz im EM-Achtelfinale

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Wales siegt dank Bale und Ramsey - Türkei vor Turnier-Aus

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Biden und Putin gehen beim Gipfel in Genf aufeinander zu

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Leidenschaft reicht nicht: Fehlstart nach Hummels-Eigentor

Meistgelesene Artikel

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien

Kirchwalseder Eltern wollen keine Kombiklasse nach den Sommerferien
Für eine bessere ärztliche Versorgung

Für eine bessere ärztliche Versorgung

Für eine bessere ärztliche Versorgung

Kommentare