Skulptur an der B75 zerstört / Motiv und Täter noch unklar

Ein Engel ohne Flügel

Die abgebrochenen Flügel haben die Täter zurück gelassen. Vom Korpus der Skulptur fehlt jede Spur.

Rotenburg - Von Bettina Diercks. Für einen „gefallenen Engel“ haben bislang Unbekannte an der Ortsumgehung Rotenburg gegenüber dem Weichleder gesorgt. Auf der Brachfläche hatte vor einigen Monaten Ortwin Musall seine Skulptur „Den Menschen mit Herz und Verstand wachsen Flügel...“ aufgestellt, deren Gesicht gen Sonne ausgerichtet war. Nun ist sie zerstört.

Die abgebrochenen Flügel des engelähnlichen Holzkunstwerkes aus Kirschbaum liegen unweit des verbliebenen Eichensockels in der Umgebung und bieten ein trauriges Bild. Der schwere Korpus ist bislang verschwunden. Musall: „Der Bürgermeister Andreas Weber hat mir zugesichert, dass er Mitarbeiter des Bauhofes hinschickt, damit sie noch einmal die Fläche und den Graben absuchen.“ Das große Gelände sei recht unwegsam und für ihn alleine nicht zu bewältigen.

Der Stadt Rotenburg gehört die Fläche an der Bundesstraße 75. Seit vielen Jahren stellt sie das Grundstück kostenlos interessierten Künstlern zur Verfügung, hilft bei Transport und Aufbau. Die Idee zu dem Projekt „Kunst vor der Stadt“ stammt von der Kulturinitiative Rotenburg.

„Frische Fahrzeugspuren konnte ich nicht entdecken. Ich bin aber nicht das ganze Gelände abgelaufen“, sagt Musall, der als Tattage Mittwoch oder Donnerstag vergangener Woche für möglich hält. Für ein paar kräftige Kerle sei es problemlos möglich, den Korpus fortzuschaffen. „Hinweise oder Andeutungen auf eine solche Tat hat es bei mir nicht gegeben“, sagt der Mulmshorner Künstler.

Seine persönliche Motivspekulation: „Wenn ein Skulpturenliebhaber das Objekt in seinen Besitz hätte bringen wollen, wären die Flügel nicht ausgebrochen und weggeworfen worden. Näher ist mir die Vermutung, dass die von der Skulptur ausgehende Botschaft mit dem Gedankengut von erwachsenen Menschen kollidiert, die sich in den vergangenen Monaten – im Zuge der Diskussionen um Flüchtlinge, Leitbild, Europa - mit ihren ideologischen Vorstellungen verstärkt bemerkbar machen. Jugendliche, die 2005 bei der Zerstörung meiner Skulptur ,Lebenslust’ auf dem Pferdemarkt in Verdacht gestanden haben, handeln wohl eher ortsnah, spontan, unter Alkoholeinfluss. In diesem Fall jedoch muss ein etwas beschwerlicher Weg zielgerichtet gewählt worden sein.“

Der Bildhauer hat Anzeige bei der Polizei in Rotenburg erstattet. Pressesprecher Heiner van der Werp zu dem Vorfall: „Ich finde es sehr schade, weil ich den Engel sehr schön fand.“

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