PRD Energy will im Landkreis nach Öl suchen und setzt dabei auf Transparenz

Offensiv in die Öffentlichkeit

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Wigbert Freund (l.) und Christoph Krämer von PRD Energy erläutern das Vorhaben zur Erdölsuche im Landkreis Rotenburg und setzen dabei auf Transparenz.

Rotenburg - Von Guido Menker. Wigbert Freund ist Geophysiker und Projektleiter. Christoph Krämer grüßt als Geologe. Beide arbeiten für die deutsche Tochter des kanadischen Unternehmens PRD Energy. Die beiden Männer sitzen in der Redaktion und wollen Öffentlichkeit herstellen – schließlich ist an ihnen nicht vorbeigegangen, was die Suche beziehungsweise die Förderung von Erdgas hier in der Region an Protesten ausgelöst hat. PRD Energy plant allerdings nicht, im Landkreis Rotenburg Erdgas zu fördern. Nein, die beiden Männer am Redaktionstisch berichten vom Vorhaben, im Raum Sittensen Erdöl aufzuspüren. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll es losgehen, so Freund und Krämer.

Eines wird deutlich in diesem Gespräch: PRD Energy will möglichen Protestlern schon vorab den Wind aus den Segeln nehmen. Aufklärung auf ganzer Linie – das scheint das Motto zu sein. In den vergangenen Tagen hätten sie die Gemeinden informiert, nach den Sommerferien wollen sie zu einer Informationsveranstaltung einladen. Und zwischendurch stellen sich die beiden Herren in den Redaktionen vor.

„Wir haben schon jetzt ein gutes Gefühl – aber erst nach der Erkundung haben wir ein genaues Bild“, sagt Wigbert Freund. Die Erlaubnis, nach Erdöl zu suchen, beziehe sich auf ein Gebiet von 294 Quadratkilometern – zwischen Heeslingen im Nordwesten, Tostedt im Osten, Fintel im Süden, Zeven im Westen sowie Klein Meckelsen im Norden. „Wir konzentrieren uns allerdings auf den westlichen Teil dieses Gebietes“, so Freund und Krämer.

Das Unternehmen PRD Energy gibt es seit 1997, seit 2008 ist es auch in Deutschland tätig. Angesichts der aktuellen Preise für Erdöl lohne es sich, auch kleinere Quellen anzuzapfen. Für die Erkundung im Landkreis Rotenburg macht das Unternehmen mehrere Millionen Euro locker. Das riecht nach einem lukrativen Geschäft. Aber auch nach einem großen Aufwand. Mit der sogenannten Seismik wollen die Experten einen Bereich von rund 90 Quadratkilometern abbilden – es geht um ein 3-D-Bild von den Erdschichten. Freund und Krämer sprechen von einem Würfel voller Daten, der dabei herauskommt. Bis es soweit ist, gibt es jedoch jede Menge zu tun. Zunächst bestehe die Aufgabe darin, Sende- und Empfangspunkte in einem Netz zusammenzustellen und diese anschließend anzulegen. Dafür sind Betretungsrechte für die Grundstücke erforderlich. Rund 6000 Punkte sind zu markieren.

An den Sendepunkten sollen 20 bis 30 Tonnen schwere Vibrationstrucks Schallwellen auslösen, die dann von den Erdschichten reflektiert und schließlich an den Empfangspunkten aufgenommen werden. Punkte, die von den Trucks nicht angesteuert werden können, sollen ersatzweise mit kleinen Sprengungen genutzt werden. Das allerdings nicht in besonders sensiblen Gebieten. Ursprünglichen war von 1000 erforderlichen Sprengungen die Rede. Jetzt geht es noch um 45 mögliche Punkte, an denen es dazu keine Alternative gibt. Absprachen mit der Unteren Wasser- sowie mit der Naturschutzbehörde gehörten dazu, um eine Genehmigung für die geplante seismische Untersuchung zu erhalten, versichern die beiden Experten. Denn bislang hat PRD „nur“ die exklusive Aufsuchungslizenz.

Die Hoffnung, Erdöl zu finden, ist begründet. Schließlich gibt es tief in der Erde den Salzstock Volkensen. Und ein Ölfeld ist aus der Vergangenheit bekannt. Zwichen Sothel und Elsdorf liegt es, und daraus war von 1960 bis 1993 Öl gefördert worden. Eine weitere Förderung ist angesichts der Preisentwicklung für Erdöl auch dort wieder interessant. Die Experten vermuten weitere Vorkommen und haben auch schon eine Förderbewilligung in der Tasche. Nur der Betriebsplan ist noch nicht genehmigt, wie Freund und Krämer berichten. Zuständig sei das Landesbergamt.

Was die weitere Suche angeht, sieht der Plan wie folgt aus: Im August und September soll es Informationsveranstaltungen geben, im November könnten die Vermessungen starten. Die seismische Untersuchung, die sich ab Januar anschließen soll und mehrere Wochen dauert, beschreiben die zwei Herren so: „Wenn man in unmittelbarer Nähe des Trucks ist, kribbelt es an den Füßen.“ Soll heißen: „Es gibt klare Vorgaben, die auch überwacht werden.“ Dieses Thema dürfte bei den geplanten Info-Veranstaltungen auf den Tisch kommen. Schließlich ist das Unternehmen auf die Betretungsrechte für die Flächen angewiesen.

Für die Aufbereitung der gewaltigen Datenmenge, die bei der Erkundung zusammenkommt, werde PRD Energy voraussichtlich ein weiteres Jahr brauchen. Erst danach stehe fest, ob und vor allem wo es sich dann wirklich lohnt, Erkundungsbohrungen vorzunehmen – für die dann allerdings ein weiterer genehmigungspflichtiger Betriebsplan erforderlich ist.

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