PRD Energy reagiert auf Preisverfall und Protest / Lizenzfrage für Landkreis offen

Erdölfirma zieht sich zurück

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Die Erkundungsfahrzeuge schaffen es wohl nicht mehr in den Landkreis.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Die kanadische Explorations- und Produktionsgesellschaft PRD Energy will ihre Tätigkeit in Deutschland einstellen. Damit dürfte sich auch die umstrittene Suche nach Erdöl im Landkreis Rotenburg erledigt haben. Eine offizielle Bestätigung der Behörden gibt es dafür jedoch noch nicht.

Am Dienstag hatte der Konzern mit Sitz in Calgary ein knapp dreiseitiges Statement veröffentlicht, seitdem herrscht Schweigen. Auch das deutsche PRD-Büro in Berlin, das am 31. August geschlossen werden soll, antwortet nicht mehr. PRD führt insbesondere ökonomische Überlegungen für den Rückzug aus Deutschland als Gründe an. In Schleswig-Holstein, wo PRD deutschlandweit am meisten Projekte verfolgte, hatte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) eine Erhöhung des Öl- und Gasförderzinses von 21 auf 40 Prozent auf den Weg gebracht. Kombiniert mit dem derzeit niedrigen Ölpreis dürfte die vergleichsweise schwierige Förderung in Deutschland damit unrentabel geworden sein.

In Niedersachsen verfolgte PRD zwei Projekte: Beim Landesbergamt waren Betriebsplanverfahren für geophysikalische Messungen im Raum Sittensen und die Wiedererschließung des Erdölfeldes Volkensen mit einer Erkundungsbohrung beantragt. Beide Projekte hatten massiven Widerstand der örtlichen Politik und vieler Bürgerinitiativen hervorgerufen. Auch die Kreistagsmehrheit hatte verschiedene Maßnahmen zur Verhinderung der PRD-Pläne angeregt. Dem Landesbergamt liegen nach Angaben von Freitag allerdings in beiden Fällen von PRD noch keine Anträge auf Aufhebung vor. Bislang sei dort auch nur die Pressemitteilung aus Kanada bekannt.

PRD hatte vor über einem Jahr damit begonnen, die Öffentlichkeit über die geplante Erkundung des 294 Quadratkilometer großen Gebietes zwischen Heeslingen im Nordwesten, Tostedt im Osten, Fintel im Süden, Zeven im Westen sowie Klein Meckelsen im Norden zu informieren. Für das Erlaubnisfeld sollte an 6000 Punkten eine seismische Erkundung stattfinden. Um damit feststellen zu können, ob die Erdölvorkommen groß genug für eine Förderung sind, hätte es die Genehmigung von rund 1200 Grundstückseigentümern gebraucht. Doch die stellten sich im Sinne der meisten Lokalpolitiker und Bürgerinitiativen überwiegend quer.

PRD verschob die Erkundung, wollte nun im Herbst beginnen. Landwirte berichteten zudem davon, dass seitens des Unternehmens mittlerweile mit rechtlichen Schritten gedroht wurde. Gegenüber der Kreiszeitung hatte das Unternehmen mitgeteilt: „Wir als PRD Energy bedauern, dass die lokalen Zeitungen von Bündnis90/Die Grünen und den Naturschutzverbänden im Landkreis Rotenburg als Instrument genutzt werden, um sich gegen unser Vorhaben zu stellen.“ Nun scheint der Konzern aufzugeben.

Die Politik hält sich mit einer Bewertung der Lage noch zurück. Sowohl Landrat Hermann Luttmann (CDU) als auch Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele (CDU) sagten am Freitag, dass es noch zu früh sei, um beurteilen zu können, wie es nun weitergehe. Weder das Kreishaus noch das Scheeßeler Rathaus seien bislang offiziell informiert worden. Dittmer-Scheele glaubt aber, dass der Widerstand vor Ort seinen Teil zur PRD-Entscheidung beigetragen haben könnte.

Dem stimmt Roland Meyer, Vorsitzender des Naturschutzbunds in Rotenburg, umgehend zu: „Das ist ein großer gemeinsamer Erfolg. Wir danken allen Grundeigentümern, die mit ihrer Verweigerung dazu beigetragen haben, dem Unternehmen klar zu machen, dass seine Aktivitäten nicht gewollt sind. Und wir danken allen politischen Gremien und Fraktionen, die mit ihren Stellungnahmen und Aufrufen diese Haltung ausnahmslos unterstützt haben. Dieser gemeinsame Erfolg sollte uns stärken, auch dann wieder zusammenzustehen, falls ein anderer Konzern die Aktivitäten wieder aufnehmen möchte.“ Das Vorhaben insgesamt sei fraglich. „Das wenige in unserer Region möglicherweise noch vorhandene Öl aus dem Boden zu pressen, bringt keinerlei übergeordneten Nutzen.“

Die Scheeßeler SPD-Politikerin Angelika Dorsch als Vorsitzende der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg sagte, die PRD-Entscheidung gebe „einen kurzen Moment der Hoffnung“. Allerdings müsse man im Hinterkopf haben, dass die PRD-Lizenzen auch schnell an andere Konzerne übergehen könnten. Der in der Region dominierende Gaskonzern „ExxonMobil“ dürfte dafür ein heißer Kandidat sein – dort hieß es am Freitag aus der Pressestelle aber: „Es gibt derzeit keine Überlegungen, diese Lizenzen zu übernehmen.“

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