Corona und die Folgen: Zurück auf alter Höhe

Endlich wieder Leben im Rotenburger Kunstturm

Es herrscht Freude über die Wiedereröffnung im Foyer des Kunstturms. Peter Mokrus und Britta Riebesehl präsentieren die Bilder von Birgit Brandis.
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Es herrscht Freude über die Wiedereröffnung im Foyer des Kunstturms. Peter Mokrus und Britta Riebesehl präsentieren die Bilder von Birgit Brandis.

Rotenburg – 20 Monate musste es in Rotenburg ohne gehen. Diese Zahl fällt im Gespräch mit Peter Mokrus und Britta Riebesehl öfter. Dass es für den Kunstverein Rotenburg jetzt langsam wieder losgeht, dass wieder Zeichnungen und Malerei im Kunstturm hängen und für Besucher zugänglich sein werden, ist für den Vorsitzenden und die Pressesprecherin eine große Erleichterung.

Mit der Ausstellungseröffnung am Samstag endet für Mitglieder und Funktionäre „eine blöde Zeit“, fasst Mokrus zusammen. Andernorts hätten Kunst- und Kulturschaffende teils schon etwas früher wieder loslegen können, aber Rotenburger Besonderheiten hätten vor Ort für Schwierigkeiten gesorgt: Zwar ist der Kunstturm als Ausstellungsort mit seinen hohen, quasi gestapelten Ausstellungsräumen ein echtes Alleinstellungsmerkmal – allerdings „hat die Architektur uns in der Pandemie auch Probleme gemacht. Man begegnet sich hier unweigerlich“, sagt Mokrus.

Einige Zeichnungen von Kyung-hwa Choi-ahoi vereinen Frauen und Flora.

Das enge Treppenhaus macht es zumindest schwierig, als Besucher den Abstand zu anderen Kunstinteressierten zu halten. Man hätte öffnen können – allerdings auf Empfehlung des Gesundheitsamts nur mit Desinfektion des Handlaufs der Treppen. Das bedeutet: Immer nach einem Durchgang mit maximal zwei Besuchern muss jemand mit der Desinfektionsmittelflasche und Lappen 121 Stufen rauf und wieder runterhetzen. Die Anstrengungen hätten in keinem Verhältnis zur Besuchermenge gestanden. „Für uns bedeutete das 20 Monate Stillstand. Uns blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, bis es besser wird“, erklärt der Vorsitzende.

Verzweifelt die Hände in den Schoß zu legen, war aber auch keine Option. Die Mitglieder des Vorstands blieben im Gespräch, prüften mit Blick auf jeweils aktuelle Infektionsschutzmaßnahmen immer wieder die Möglichkeiten. „Im Sommer stand dann die Überlegung im Raum, ob wir es im September noch mal unter 2G-Bedingungen versuchen sollten. Wir haben dann aber für unsere Gäste gewartet. Die Sicherheit geht vor“, erläutert Riebesehl.

Wir mussten uns dann eingestehen: Es wird dieses Jahr nichts. Das war ein schwerer Schlag für uns.

Britta Riebesehl über die erste abgesagte Ausstellung

Aus September wurde Oktober – die letzte von vielen Verschiebungen im Zeitplan. Die erste gab es im April 2020, als der Kunstverein die Ausstellung mit Clemencia Labin aus Hamburg absagen musste. „Eine bedeutende Künstlerin. Wir mussten uns dann eingestehen: Es wird dieses Jahr nichts. Das war ein schwerer Schlag für uns“, bedauert Riebesehl und präsentiert einen der zum Zeitpunkt der Absage bereits gedruckten Flyer. Der Vereinschef stimmt ein: „Wenige Tage vor Aufbau war Schluss. Das war für uns nicht schön, noch schlimmer ist es aber für die Künstler. Bei ihnen geht es da ja auch um existenzielle Fragen. Wer von Kunst lebt, ist darauf angewiesen, sie auch zu zeigen. Und wenn er das nicht kann, verkauft er auch nichts“, so Mokrus.

Weniger existenziell sieht die Krise dagegen für die Mitglieder aus – zumindest mit Blick auf den Vereinsbeitrag. „Wir haben uns entschlossen, keinen einzuziehen, obwohl wir weiter Kosten hatten, zum Beispiel für die Heizung der Ausstellungsräume. Ein Beitrag ohne Ausstellung wäre den Mitgliedern nicht zuzumuten gewesen“, ist der Vereinschef sicher.

Die Malerei von Birgit Brandis bietet Raum für Interpretationen.

Nun ist die Hoffnung da, dass es mit solchen Überlegungen erstmal ein Ende hat. Und auch der Frust der vergangenen Monate soll weichen. „Man sieht den Turm immer wieder vor sich und fragt sich, wie soll es gehen?“, blickt Riebesehl zurück und fügt erfreut hinzu: „Nun geht es.“

Dazu beigetragen hat Michael Dörner, Professor für Freie Bildende Kunst an der HKS Ottersberg. Er hat die Ausstellung „Die Oberlippe ist zart bewimpert“ kuratiert, in der Werke von Birgit Brandis und Kyung-hwa Choi-ahoi zu sehen sein werden. „Beide haben noch nicht zusammen ausgestellt. Dass es nun so gelingt, ist für sie sicher gewinnbringend“, ist Riebesehl überzeugt.

Brandis gibt sich in den von ihr gezeigten Zeichnungen und Malereien dem Spiel mit den Formen und Mustern hin. Sie erweckt Assoziationen, meist ohne dabei allzu figürlich zu werden. Choi-ahoi konzentriert sich auf Zeichnungen aus Bleistift und Papier, einige Motive befassen sich mit Frauen in fantasiereicher Flora. Zu sehen gibt es noch einiges mehr. Welche Rolle der Titel der Ausstellung dabei spielt, müssen die Besucher beim Gang über insgesamt 121 Stufen bis zur Turmspitze jeweils für sich ergründen.

Die Ausstellung

Die Ausstellung eröffnet am Samstag, 23. Oktober, um 18.30 Uhr. Peter Mokrus und Michael Dörner begrüßen die Gäste. Wer sich im Nachgang die Werke anschauen möchte, hat bis 5. Dezember zu den Öffnungszeiten Gelegenheit dazu. „Auch dafür machen wir das alles“, sagt Riebesehl. Der Turm steht samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 13 sowie von 15 bis 17 Uhr Gästen offen. Der Einlass erfolgt unter 2G-Bedingungen mit entsprechender Kontrolle vor dem Eingang.

Von Andreas Schultz

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