Ende November sollen die ersten Flüchtlinge in die alte Lungenklinik ziehen

Rotenburg bereitet sich auf Flüchtlinge vor

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Ende November sollen die ersten Flüchtlinge in die ehemalige Lungenklinik Unterstedt einziehen. Gert-Peter Schaper (v.l.), Elke Bellmann, Matthias Richter und Andreas Weber machen sich vor Ort ein Bild der Einrichtung.

Rotenburg - Von Inken Quebe und Michael Krüger. Rotenburg bereitet die erste größere Gruppenunterkunft für Flüchtlinge vor. Die ehemalige Lungenklinik in Unterstedt soll Platz für 150 Asylsuchende bieten – Ende November könnten die ersten Menschen, die über die reguläre Verteilungsquote der Stadt zugeordnet werden, in dem Gemeinschaftsprojekt von Stadt, Diakonissen-Mutterhaus und Diakonischem Werk einziehen.

Dass es dazu noch viele Fragen gibt, wurde am Mittwochabend klar. Krankenhaus und Stadt hatten in den Buhrfeindsaal eingeladen zur Informationsveranstaltung, mehr als 200 Rotenburger waren gekommen. Bürgermeister Andreas Weber machte anhand der Zahlen deutlich, dass die bisherige Strategie der Kreisstadt, zugewiesene Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen, nicht mehr zu halten ist: Vor 2013 seien es jährlich weniger als zehn Asylbewerber in Rotenburg gewesen, 2014 bereits 57 und allein bis Ende September im laufenden Jahr 82. 140 weitere seien bis Ende des Jahres zu erwarten, bis Ende Mai ungefähr 400. Die derzeit 247 Asylbewerber und Flüchtlinge in Rotenburg lebten in rund 30 Wohnungen, doch der Markt sei ausgelastet. Die nächste Option ist deswegen die Lungenklinik.

Beim Ortstermin dort Donnerstagvormittag verdeutlichte Weber mit Sozialamtsleiterin Elke Bellmann, dem theologischen Direktor des Diakos Matthias Richter und Gert-Peter Schaper, Technischer Leiter am Diako, dass die Lage und die Einrichtung „nahezu ideal“ seien – wenngleich es einige Minuten zu Fuß zum nächsten Supermarkt sind. „Rotenburg ist fußläufig erreichbar", so Weber. Die Menschen, die in die Lungenklinik einziehen werden, bleiben anders als in der Notunterkunft in Visselhövede für längere Zeit, manche für Jahre, betonte Weber. Deswegen gehörten auch Selbstversorgung und -organisation dazu.

Als erstes werde Gebäude 3 bezogen. In den zwei Flügeln sollen insgesamt bis zu 50 Personen Platz finden. Auf dem gesamten Gelände, dazu gehören zwei weitere Häuser, sollen dann noch weitere 100 Ankömmlinge unterkommen. Auch wenn die bisherige Strategie der dezentralen Unterbringung aufgegeben werde, „kommt es nah an eine Wohnung heran“, so Bellmann. Die Zimmer sind ausgelegt für zwei bis fünf Personen, jedes hat einen Kühlschrank, einen Fernseher und meist ein eigenes Bad mit Dusche. Küchen soll es pro Flügel zwei geben, also nutzen 12 oder 13 Personen jeweils eine. Außerdem gibt es auf jedem Flügel einen Waschraum mit Trockenmöglichkeit. Zusätzlich sollen Gemeinschaftsräume eingerichtet werden. „Einiges ist schon fertig. Es ist von Vorteil, dass es mal ein Krankenhaus war“, berichtete Schaper. So könnten die Sicherheitsauflagen in den meisten Fällen schon erfüllt werden. Bis zum Bezug müssten noch einige Ausbesserungen vorgenommen und möbliert werden. Richter: „Es soll ja sauber, hell und freundlich sein.“

Es gehe jetzt in erster Linie darum, Unterkünfte bereit zu stellen, so Weber. „Wir wollen nicht, dass jemand im Rathaus campieren muss.“ Erst im zweiten Schritt könne man sich bei einer Entspannung der Situation wieder vermehrt Gedanken um Sprachkurse und Arbeitsmöglichkeiten machen. Steige die Zahl der Ankommenden zudem weiter dermaßen an, müssten weitere Optionen der Unterbringung geprüft werden: die Jugendherberge, Gewerbegebäude oder auch Modulbauten.

„Es gibt eine große Bereitschaft in Rotenburg, zu helfen“, lobte Weber alle Beteiligten. Zudem könne aus den langjährigen Erfahrungen mit der Integration Russlanddeutscher gezehrt werden. Ein Signal dieser Bereitschaft, die laut Weber nicht mit „Blauäugigkeit“ zu verwechseln sei, war der Infoabend am Mittwoch. Von den Besuchern gab es viele ganz praktische Anregungen, wie das Modell Flüchtlingsunterkunft Lungenklinik funktionieren könnte. Rechtspopulistische Tiraden? Fehlanzeige.

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