Emotionaler Empfang für den Bürgermeister im Buhrfeindsaal

Abschied unter Freunden

Bürgermeister Andreas Weber
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Andreas Weber hält eine letzte Rede als Bürgermeister der Stadt Rotenburg.

Rotenburg – Es ist keine typische Verabschiedung am Donnerstagabend im Buhrfeindsaal – die Bürgermeisterkette liegt nach einem kurzen Ausflug während der Ratssitzung am Mittwochabend schon wieder im Schrank, die Entlassungsurkunde gab es dort bereits. Die Formalitäten des Abschieds aus dem Rathaus sind also geklärt. An diesem Abend folgt der persönliche Abschied von Wegbegleitern, die Noch-Bürgermeister Andreas Weber (SPD) bewusst als Freunde begrüßt.

Er ist es dann auch, der die längste Rede hält, der es sich nicht nehmen lässt, sich bei allen anwesenden Akteuren, die das Leben in der Stadt Rotenburg tagtäglich mitgestalten und prägen, persönlich noch einmal zu bedanken.

„Keine Verwendung im Dienste der Bürger war so vielfältig wie diese, aber es ist auch ein täglich sehr forderndes Amt“, erklärt er. Sieben Jahre ist der scheidende Bürgermeister im Amt, jetzt, das betont er, bleibt ihm mehr Zeit für die Familie. Seine Ehefrau Claudia quittiert das mit einem Lächeln, für sie gibt es später zum Dank für die jahrelange Unterstützung noch einen großen Blumenstrauß. Er habe sich selbst immer als oberster Dienstleister der Stadt verstanden, hatte dabei stets ein großes Netzwerk hilfreicher, aktiver Menschen an seiner Seite.

Es ist ein Abschied mit Wehmut, aber auch einem großen Dankbarkeitsgefühl. „Ich kann mit einem guten Gewissen die Amtsgeschäfte an meinen Nachfolger übergeben.“ Torsten Oestmann, der am Montag das Rathaus als neuer Chef betreten wird, ist mit seiner Frau Beate ebenfalls anwesend – ihm überreicht Weber einen symbolischen Staffelstab. Und er dankt auch Beate Oestmann, denn es sei „eine der schwersten Entscheidungen in einer Familie“, wenn der Partner den höchsten Posten der Stadt übernehmen möchte.

Andreas Weber übergibt einen Staffelstab an seinen Nachfolger Torsten Oestmann.

Weber wirft auch einen Blick zurück auf das, was in sieben Jahren erreicht werden konnte und das, was (noch) nicht erreicht wurde. Er erinnert an die große Herausforderung, als die Flüchtlingswelle auch die Kreisstadt erreichte. Viel umgesetzt, viel erreicht, obwohl man anfangs, bei einer ersten Zusammenkunft dazu in eben diesem Buhrfeindsaal noch gar nicht ahnte, was sie erwarten würde. Doch es war immer eine gemeinschaftliche Aufgabe, unter anderem mit der Kirchengemeinde.

Weber dankt Vereinen, Clubs, Unternehmen und weiteren Institutionen, die in verschiedenen Bereichen dafür sorgen, dass Rotenburg eine lebenswerte Stadt ist. Er erwähnt auch das Kaufhaus Karo, für das er sich eine Geldspende gewünscht hatte anstelle von Geschenken für ihn. Das Karo hatte zuletzt dringend ehrenamtliche Fahrer gesucht – und mittlerweile auch zwei gefunden, merkt der Bürgermeister erfreut an.

Viele Freunde und Wegbegleiter kommen zusammen, um Andreas Weber zu verabschieden.

Er erinnert auch an die Bauvorhaben, die Investitionen, die die Stadt in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht hat. Die Weiterentwicklung des Stadtzentrums, das erfolgreiche Stadtradeln und auch das Rotenburger Wirtschaftsforum. „Wenn wir das nicht hätten, hätten wir es erfinden müssen.“ Und obwohl manch bissig geführte Dispute im Rat mitunter im Vordergrund standen: „Mehr als 95 Prozent der Beschlüsse haben wir einstimmig auf den Weg gebracht“, betont Weber.

Seiner Ersten Stadträtin Bernadette Nadermann überreicht Andreas Weber Blumen zum Dank.

In dem Zuge gebührt sein Dank auch seinen Mitarbeitern. Und ohne es direkt auszusprechen, sei beim Thema Schulen „noch nicht alles erreicht“. Er nennt beispielhaft die benötigte Mensa in der Kantor-Helmke-Schule, spielt aber auch auf eine IGS-Oberstufe an – für die die Chancen nach langer Diskussion und einem abschließenden Nein mit der Neukonstituierung des Stadtrats gar nicht mehr so schlecht stehen. Das weiß auch der anwesende Schulleiter Sven Thiemer – und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

Es ist auch ein emotionaler Empfang. Die Erste Stadträtin Bernadette Nadermann ist sichtlich bewegt, als sie sich mit einer kurzen Rede von ihrem Chef verabschiedet. „Du hast dir für alle Zeit genommen, egal wie stressig es war“, erinnert sie sich, lobt seine Fachkenntnis genauso wie seine Empathie. Er habe immer gesagt, dass er einmal zurückblicken und sagen wolle, nie vom Weg abgekommen zu sein. „Chapeau, Du hast dein Ziel wahrlich erreicht.“ Auch für sie und Sekretärin Kirsten Lohmann gibt es Blumen vom scheidenden Chef. Und auch Rolf Ludwig lässt es sich nicht nehmen, sagt im Namen des Sports Danke für Webers Einsatz. „Du hast dich immer für die Rotenburger eingesetzt – wer viel bewegt, macht auch Fehler. Aber das gehört auch dazu. Rotenburg ist eine tolle Stadt, auch geprägt von dir.“

Musik darf bei einem Abschied auch nicht fehlen. Dafür sorgt Kirchenmusiker Stephan Orth am Klavier.

Es ist ein feierlicher Empfang für Weber – am Ende mit Standing Ovations, von Klaviermusik begleitet. Es ist ein Abend, der mal wieder direkten Austausch schafft, der so lange nicht möglich war. „Das ist gut für Rotenburg, so werden neue Projekte gestartet.“ Und ganz verabschiedet Weber sich dann doch nicht: Denn im Rat wird er weiterhin mitreden.

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