Perspektivwechsel

„Elterntalk“: Koordinatorin Gesine Griephan sieht großen Bedarf

Gesine Griephan vor dem Simbav-Familienforum in Rotenburg
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„Von Eltern für Eltern“ ist die Devise von „Elterntalk“. Gesine Griephan ist die Koordinatorin des Angebots, das von der Landesstelle Jugendschutz unterstützt wird.

„Von Eltern für Eltern“ ist das Grundprinzip des Angebots „Elterntalk“. Unterstützt wird dies von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen und der Elternverein Simbav ist in Rotenburg Träger. Hier zeigt sich nach einem Jahr: Die Eltern nehmen das Angebot gut an.

  • Gesprächsangebot „Elterntalk“ gibt es seit einem Jahr in Rotenburg.
  • Bislang sieben Gespräche verdeutlichen laut Koordinatorin Gesine Griephan den Bedarf.
  • Gesprächsrunden dienen dem Austausch, vor allem zum Thema Medienerziehung.

Rotenburg – Seit einem Jahr ist Gesine Griephan Koordinatorin des Projekts „Elterntalk“ für den Bereich Rotenburg. Seither ist es gut angenommen worden, erzählt die zweite Vorsitzende des Elternvereins Simbav. Der ist Träger des Angebots, das seit 2012 von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen angeboten wird. Sieben Gesprächsrunden habe es bereits gegeben. Das ist viel, freut sich Griephan einerseits, denn wegen der Pandemie konnte „Elterntalk“ nicht so stattfinden, wie es eigentlich gedacht war. Andererseits zeige das Interesse auch, dass die Eltern viel Redebedarf haben.

„Elterntalk“ ziele vor allem auf die Medienerziehung ab, aber auch auf generelle Erziehungsfragen. Das Besondere sei, dass es keine Beratung, sondern ein Gesprächsangebot ist. Moderatoren, die Griephan dafür im Vorfeld schult, setzen sich mit fünf bis sieben Müttern oder Vätern zusammen, um über ein bestimmtes Thema zu sprechen. „Das soll nicht mit der Holzhammermethode passieren“, erklärt Griephan, dass die Moderatoren ebenfalls Eltern sein sollen, die das Gespräch zwar lenken, aber nicht als Experten auftreten.

Eltern lernen unterschiedliche Perspektiven kennen

Vielmehr könnten auch sie ihre Erfahrungen einbringen. Im Gespräch sollen die Eltern sich anhand verschiedener Fragestellungen austauschen. Immer gehe es darum, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und so vielleicht das eigene Handeln zu hinterfragen. „Aber ohne mit dem Finger zu zeigen“, betont Griephan, dass es nicht um Kritik an bestimmten Erziehungsmaßnahmen und Vorgehensweisen gehe, sondern um Erfahrungsaustausch.

Die Landesstelle Jugendschutz habe das Projekt auch gerade deshalb nach Niedersachsen geholt. Ziel sei, Eltern untereinander zu vernetzen. „Deshalb passt es auch so gut zu Simbav“, findet die „Elterntalk“-Koordinatorin. Über die Polizeipräventionsarbeit sei der Verein auf „Elterntalk“ aufmerksam geworden und habe dann die Standortpartnerschaft mit der Landesstelle Jugendschutz in die Wege geleitet.

Konkret laufe es so ab, dass der Gastgeber der Gesprächsrunde mit einer der drei Moderatorinnen in Kontakt tritt und ein Thema abspricht. Dazu bereite die Moderatorin dann Material vor. Das könnten zum Beispiel Karten sein, auf denen Fragen zu lesen sind oder etwas abgebildet ist. „Zum Beispiel beim Thema Fernsehen. Dort könnten es Fragen sein wie: Wie oft schauen die Kinder fern? Was schauen sie am liebsten? Oder es ist ein USK-Symbol abgebildet“, zählt Griephan Möglichkeiten der Gesprächsführung auf.

Wenn die Teilnehmer der Runde ihre Erfahrungen zu den Fragen mitteilen, gehe es am Ende zum Beispiel darum, zu diskutieren, wie viel Fernsehkonsum in Ordnung ist. „Es gibt kein richtig oder falsch“, meint Griephan. Doch diese Form, sich darüber zu unterhalten, könne helfen, das eigene Handeln zu hinterfragen, vielleicht etwas anderes auszuprobieren. Die Eltern können sich untereinander Anreize geben.

Griephan schult Moderatorinnen per Video

Eigentlich soll „Elterntalk“ in privater Atmosphäre zuhause bei den Eltern stattfinden, das war im vergangenen Jahr coronabedingt nicht möglich. Deshalb mussten Griephan und die Moderatorinnen andere Lösungen finden. Gleich der Start des Angebots sei schwierig gewesen. „Da stand ich zu Beginn des Lockdowns im vergangenen Frühjahr vor der Schwierigkeit, wie ich die Moderatorinnen schule“, erinnert sich die Projekt-Koordinatorin. Das habe sie schließlich per Video lösen können. Die bisherigen Gespräche hätten dann in großen Räumen oder per Zoom stattgefunden.

Dass die Pandemie auch gezeigt hat, wie es um die Medienerziehung bestellt ist, habe sie durch die Rückmeldung der Moderatorinnen erfahren – sie hätten sehr viele Themen besprochen. „Die sieben Termine sind wohl auch dem geschuldet, dass es viel zu besprechen gibt“, meint Griephan. Denn gerade während der Lockdown-Phasen sei der Stellenwert von Medien enorm. Fernsehen, Internet und Videospiele – das werde jetzt, wo die Kinder zuhause sind und höchstens einen festen Spielpartner haben, mehr konsumiert. Internet allein deshalb, weil die Kinder es für das Homeschooling brauchen.

Dass „Elterntalk“ eigentlich zuhause stattfinden soll, sei deshalb auch so wichtig. „Dort lernen die Kinder den Umgang mit diesen Medien. So, wie es zuhause vorgelebt wird, gehen die Kinder auch damit um“, sagt Griephan. Zudem seien Eltern im privaten Rahmen einfacher zu erreichen.

Weitere Moderatoren gesucht

Griephan geht mit dem Angebot nun in das zweite Jahr. Und weil die Nachfrage hoch ist, möchte sie auch weitere Moderatoren schulen. Mütter oder Väter können sich ausbilden lassen, wobei sie gerne eine weitere Sprache wie Arabisch oder Farsi sprechen können. „,Elterntalk richtet sich besonders an Eltern mit Migrationshintergrund, und auf Wunsch soll das Gespräch auch in der Muttersprache stattfinden“, erklärt Griephan dazu. Wer Interesse hat, kann sich bei ihr per E-Mail an g.griephan@simbav.de oder telefonisch unter der Nummer 04261 / 9438996 melden.

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