Zahl der Präsenzpflichtbefreiung in den Grundschulen fällt unterschiedlich aus

Eltern hadern, Kinder freuen sich

Halbe Klassen – auch in der Stadtschule. Präsenzunterricht kann so mit großem Abstand stattfinden.
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Halbe Klassen – auch in der Stadtschule. Präsenzunterricht kann so mit großem Abstand stattfinden.

Rotenburg – Die Herausforderungen in der Pandemie sind groß. Für die Lehrer, für die Eltern und vor allem auch für die Kinder. Die Mädchen und Jungen in den Grundschulen sind vom Präsenzunterricht befreit – ihre Eltern entschieden, ob sie am Wechselunterricht in der Schule teilnehmen oder komplett zu Hause bleiben. Die Zahl der Abmeldungen variiert an den drei städtischen Grundschulen in Rotenburg.

In der Stadtschule sind sechs der insgesamt 288 Schüler von ihren Erziehungsberechtigten vom Unterricht abgemeldet worden. Die Kantor-Helmke-Schule meldet 22 Abmeldungen bei 236 Kindern in den vier Jahrgängen. In der Schule am Grafel haben die Eltern von 29 der 255 Schülern ihre Kinder von der Präsenzpflicht befreit. Es sind Zahlen, die einen hohen organisatorischen Aufwand darstellen. Marc Puschmann von der Schule am Grafel erklärt, wie er und seine Kollegen es handhaben: „An unserer Schule haben wir den täglichen Wechsel der beiden Gruppen eingerichtet. Die Eltern haben einen Kalender bekommen, an welchen Tagen die entsprechenden Gruppen in die Schule kommen.“ Hinzu kommt die Aufgabe, etwa 20 Kinder in der Notbetreuung zu versorgen. Die Zahl variiert etwas, weil an unterschiedlichen Tagen unterschiedliche Kinder angemeldet sind. Das wiederum resultiere aus der Gruppenzusammensetzung in den Klassen, so Puschmann.

Unterschiedlich viele Abmeldungen

In der Stadtschule sind es fast 40 Kinder, die zusätzlich in die Notbetreuung kommen. Bei lediglich sechs Abmeldungen sind täglich also deutlich mehr als nur die Hälfte der Schüler in der Schule unterwegs. Sandra Maskus, kommissarische Leiterin: „Das sorgt für räumliche Probleme.“ Einerseits seien die Klassenzimmer stets belegt, andererseits gelten auch für die Kinder in der Notbetreuung Abstandsregeln – da weicht die Stadtschule dann schon mal in die Mensa oder in einen Raum unter dem Dach aus.

„Neue Lerninhalte sind schwerer zu vermitteln. Übendes Lernen gelingt gut.“ So lautet die Antwort von Catrin Cramme, Leiterin der Kantor-Helmke-Schule, auf die Frage, wie das denn eigentlich so mit dem Homeschooling klappt. Es habe auch nur vereinzelte Nachfragen gegeben mit Blick auf die neue Situation und mögliche Verunsicherungen, welche Entscheidung denn nun die richtige ist: „ Die Eltern wissen selbst meist, wie sie handeln wollen.“ Zugleich stelle sie fest, dass die Kinder sehr gern in die Schule kommen, sagt Cramme. Die Kinder „freuen sich auf den Unterricht und den Vormittag mit den Mitschülern und Lehrern“.

Teilweise mit Videokonferenzen

Die Kollegen seien sehr kreativ in Sachen Homeschooling, erklärt Marc Puschmann. „Über unser Schulportal IServ werden die Kinder mit Aufgaben versorgt und auch teilweise über Videokonferenzen mit in den Unterricht geschaltet.“ Das funktioniere aufgrund der derzeitigen digitalen Auslastung allerdings noch nicht flächendeckend. An diesen Stellen wird also deutlich, worüber bereits seit Monaten bundesweit diskutiert wird, wenn es um die Digitalisierung in den Schulen geht.

Im Gegensatz zu seiner Kollegin Catrin Cramme stellt Marc Puschmann für die Schule am Grafel fest, dass die Eltern teilweise durchaus verunsichert bei der Entscheidung sind, ob sie ihr Kind weiter zur Schule schicken oder nicht. „Sie entscheiden aus Sicht der Mehrheiten“, sagt Puschmann. Es gebe Klassen, in denen nicht ein Kind von der Präsenzpflicht befreit worden ist, weil die Eltern Sorge haben, dass ihr Kind etwas verpasst, wenn es noch länger zu Hause bleibt. Das sei verständlich, meint der Schulleiter.

Die Kinder selbst freuten sich sehr, wieder in die Schule kommen zu dürfen. Puschmann: „Sie sind aber teilweise verunsichert aufgrund der gesamten Regeln.“ Für die Schule sei es ein hoher Organisationsaufwand, den Weg in Niedersachsen umzusetzen – sie hätten eben den Unterricht für die unterschiedlich anwesenden Gruppen und die „Zu-Hause-Lerner“ vorzubereiten und durchzuführen.

Tagesweise wechseln die Kinder zwischen Klassenraum und Homeschooling

Auch in der Stadtschule wechseln sich die Kinder in ihren Gruppen tageweise ab. So sei die Situation für die Kinder leichter zu überblicken, erklärt Maskus. „Heute lerne ich in der Schule, morgen arbeite ich zu Hause – so sieht jedes Schulkind mehrfach in der Woche Klassenkameraden und auch die Lehrkräfte.“ Diese sozialen Kontakte seien für die Kinder – auch unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln – sehr wichtig. Im Übrigen empfehle das Kultusministerium im Primarbereich genau dieses Wechselmodell.

Unterricht im Klassenzimmer sei mit dem Distanzlernen zu Hause nicht zu vergleichen. Sandra Maskus: „Unterrichtsgespräche fallen weg, denn es gibt keine Live-Übertragung aus den Klassenzimmern.“ Hinsichtlich der abgemeldeten Kinder stellt sie fest, dass sich diese Eltern aktiv darum kümmern, Material beziehungsweise Aufgaben zu erhalten, weil sie sich ja auch ganz bewusst für die Aussetzung der Präsenzzeit entschieden haben. Die kommissarische Leiterin der Stadtschule will die Entscheidung des Kultusministeriums nicht kommentieren. Sie merkt jedoch an: „Wir hatten kaum Rückfragen von Eltern. Ich denke, viele Gespräche sind daheim geführt worden: Will ich als Elternteil im Sinne des Gesundheitsschutzes mein Kind zu Hause behalten oder schicke ich es mit dem Wunsch nach Normalität zur Schule?“ Die Schwierigkeit für viele Eltern sei natürlich auch die Betreuung der Kinder bei einer Berufstätigkeit. Die Kinder selbst brauchen Kontakte, aber auch die Strukturen und Regelmäßigkeiten, die die Schule bietet. Sie freuten sich, zumindest wechselweise im Klassenraum sitzen zu dürfen.

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