Politiker debattieren heftig um geplante Infrastruktur für E-Fahrzeuge

Elektrisierende Stimmung im Kreistag

Wo Schnelladestationen für E-Autos im Landkreis gebaut werden sollen und ob sie überhaupt benötigt werden, da schieden sich im Kreistag die Geister. - Foto: imago

Rotenburg - Von Sophie Filipiak. Ein Thema erhitzte gestern im Kreistag besonders die Gemüter – obwohl es eigentlich um eine gute Sache ging. In dem Punkt waren sich alle Politiker einig. Nach einem Antrag der Mehrheitsgruppe aus SPD, Grüne und WFB soll der Landkreis nun dafür sorgen, dass Elektro-Autos in der Bevölkerung bekannter werden. Dafür sollen zwei Fahrzeuge geleast und für einen bestimmten Zeitraum der Bevölkerung kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Doch einige der Kreistagsmitglieder fanden den Antrag nicht ausgereift.

Gabriele Hornhardt (WFB) erläuterte einleitend, welche Zielsetzung ihre Gruppe mit dem Vorhaben verfolgt: „Die Elektrofahrzeuge müssen im Landkreis bekannter werden.“ Dazu sollten nicht nur die Fahrzeuge dienen, sondern auch zwei Schnellladestationen an den beiden Kreishäusern in Rotenburg und Bremervörde – sie würden die ersten ihrer Art im Landkreis sein.

Im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr war darüber diskutiert worden, ob die Verwaltung die Autos für Zeitraum von einem Jahr leasen oder gleich zwei Wagen kaufen sollte (wir berichteten). Die letztere Variante wäre mit weniger Kosten verbunden gewesen. Aber sowohl der Fach- wie auch der Kreisausschuss hatten sich für das Leasing-Modell entschieden – mit jeweils einer knappen Mehrheit.

Ralf Borngräber (SPD) schlug gestern zudem vor, den Beschlussvorschlag um einen Satz zu ergänzen, der die geplanten Schnellladestationen betraf: Der Landkreis solle die Fördermöglichkeiten des Metropolregion Hamburg und des Bundes in Anspruch nehmen. Denn bisher sollte er allein für die Kosten aufkommen.

Jedoch: Es herrschte großer Gegenwind aus Reihen der CDU. Gerhard Holsten (CDU) brachte eine ganze Reihe von Gegenargumenten vor. „Die zugrundeliegende Idee ist mir durchaus sympathisch“, gab er anfangs noch zu. Aber bei näherer Betrachtung seien erhebliche Unzulänglichkeiten auszumachen. Er führte das Integrierte Klimaschutzkonzept ins Feld, das 2013 beschlossen wurde. „Der vorliegende Antrag hat sich meilenweit von dem entfernt, was wir mit dem Maßnahmenblättern damals im Klimaschutzkonzept beschlossen haben“, meinte Holsten.

Viele Fragen sind noch offen

Informationen zur Realisierung würden in dem Papier der Mehrheitsgruppe völlig fehlen oder absichtlich außer Acht gelassen. Außerdem sei laut den Maßnahmenblättern das Klimaschutzmanagement für die Förderung von Fahrzeugen mit alternativer Antriebstechnik zuständig und nicht, wie es die Antragssteller vorsehen, die Verwaltung.

„Das Potenzial der Elektromobilität zur Reduktion der CO2-Emissionen ist ja durchaus hoch einzuschätzen “, räumte Holsten ein. Eine wesentliche Minderung könne aber nur erzielt werden, wenn überwiegend Strom aus erneuerbaren Energien zum Einsatz komme. Dazu müssten lokale Partner mit ins Boot geholten werden, was der Beschlussvorschlag nicht beinhalte.

Zudem fehle laut Holsten eine Standortanalyse, wo die Ladestationen optimal platziert werden sollen, und die Frage nach der eigentlich besten Ladetechnik sei ebenfalls nicht ausreichend geklärt. Dem stimmte auch sein Parteikollege Heinz-Friedrich Carstens zu. Beim Kreishaus in Bremervörde sei die Parksituation eh schon angespannt. Plätze für E-Autos zu reservieren sei daher nicht mehr möglich.

Holsten beantragte, das Anliegen noch einmal im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr zu behandeln. Heinz-Günter Bargfrede (CDU) blies ins selbe Horn. Er habe mit den Rotenburger Stadtwerken gesprochen, die der Meinung seien, dass der Landkreis keine zusätzlichen Ladestationen bräuchte. „85 Prozent der Besitzer von E-Autos laden ihre Fahrzeuge eh über Nacht zu Hause auf“, so der CDU-Politiker.

Dieser Vorstoß wurde aber abgelehnt. Der Kreistag beschloss hingegen mit knapper Mehrheit dem Vorschlag von Ralf Borngräber zu folgen. Durch den von ihm zugefügten Satz ist aber die Standort-Frage der Ladestationen wieder völlig offen.

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