Elektrifizierung der Bahnstrecke Bremerhaven-Rotenburg im Gespräch

Land setzt auf Oberleitung

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Personenzüge werden in absehbarer Zeit wohl nicht regelmäßig Waffensen passieren.

Rotenburg - Von Stephan Oertel und Michael Krüger. Die Eisenbahnstrecke von Bremerhaven über Bremervörde und Zeven nach Rotenburg wird nach und nach so weit hergerichtet, dass dort mehr Güterzüge fahren können. Dabei wird zumindest beim Land auch über eine Elektrifizierung nachgedacht. Keinen konkreten Vorstoß gibt es dagegen hinsichtlich einer Reaktivierung für den Personenverkehr.

Wie das niedersächsische Ministerium für Wirtschaft und Verkehr mitteilte, wird aktuell recht konkret darüber nachgedacht, Oberleitungen zu bauen, damit künftig Elektroloks zwischen Bremerhaven, Bremervörde und Rotenburg fahren können. Das hätte den Vorteil, dass in Rotenburg nicht mehr die Lok gewechselt werden muss, wenn die Fahrt über die Kreisstadt hinaus geht. Und das wird die Regel sein, denn die Strecke soll Güter von den Häfen ins Hinterland transportieren und den Engpass Bremen entlasten. Wobei die Verantwortlichen davon ausgehen, dass der Güterverkehr insgesamt deutlich zunimmt. „Zur Zeit werden mit Bremen die Überlegungen im Rahmen eines Gutachtens konkretisiert“, heißt es aus dem Ministerium.

Bei der Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH ist von diesen Plänen bislang nichts bekannt, teilte EVB-Sprecherin Andrea Stein mit. Ganz neu seien solche Überlegungen aber nicht. Eine Elektrifizierung sei immer mal wieder Thema, konkrete Schritte seien bislang aber ausgeblieben. Das Zevener Unternehmen konzentriert sich erst einmal darauf, die sogenannte Signalisierung fortzusetzen. Im kommenden Jahr werde damit begonnen, auch zwischen Bremervörde und Rotenburg Signalmasten aufzustellen, an denen die Fahrer sehen können, ob sie rot haben oder grün. Zur Zeit wird dem Fahrer über einen Zugleitbetrieb, also per Funk mit der Zugleitung, mitgeteilt, ob die Strecke frei ist. Ebenfalls für 2016 steht unter anderem die Erneuerung der großen Ostebrücke in Bremervörde an.

Seit 2009 wird die Strecke Bremervörde-Rotenburg kontinuierlich ertüchtigt. Ziel ist es, dort mehr Güterzüge fahren zu lassen. Hier gibt es noch viel Luft nach oben. Etwa ein bis zwei Züge rollen derzeit täglich im Schnitt über die Gleise. Es können nach Vorstellungen des Verkehrsministeriums in Hannover pro Richtung bis zu 20 am Tag sein. Nachdem die EVB dort erheblich investiert hat, soll die Strecke stärker genutzt werden, unterstreicht auch Andrea Stein.

Kein Thema ist dagegen die Wiederaufnahme des Personenverkehrs. Insbesondere in Zeven war darüber zuletzt diskutiert worden. Einen konkreten Vorstoß in diese Richtung gibt es aber nicht. Weder haben sich die Kreistagsgremien bislang damit beschäftigt, noch gab es diesbezüglich tiefer gehende Gespräche mit der EVB, wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigte. Vor diesem Hintergrund ist die Debatte darüber, ob Personen in absehbarer Zeit von Rotenburg aus mit dem Zug gen Zeven oder Bremervörde fahren können, erst einmal eins: ein Politikum.

Rund 50 Millionen Euro sind in den vergangenen Jahren in die Ertüchtigung der Bahnstrecke von Bremerhaven über Bremervörde und Zeven bis nach Rotenburg investiert worden. Die „Initiative Eisenbahn statt Autobahn“ begrüßt das natürlich. Dass nun aber eine erneute Studie in Auftrag gegeben werden soll, die die Nutzung der EVB-Strecke untersuchen soll, kritisiert Sprecher Manfred Schuster: „Das grenzt an eine Studieritis. Geld wird ausgegeben, das sinnvoller in direkte Ausbaumaßnahmen fließen sollte.“ Die Fakten seien klar: Erstens nehme der Güterverkehr zu, und zweitens brauche Bremen einen „Bypass“, der die Strecke von Cuxhaven über Bremerhaven bis in die Hansestadt entlaste – das werde die ausgebaute Strecke Bremerhaven-Rotenburg sein. Nach der Ertüchtigung müsse aber im nächsten Schritt der Bau der „Kurve Rotenburg“ in Angriff genommen werden, damit die Züge, ohne die Lokomotive umspannen zu müssen, in die Südtrasse der Deutschen Bahn in Richtung Verden gelangen können. Derzeit fahren die Güterzüge laut Schuster auf der DB-Trasse erst in Richtung Hamburg. Dann müsse zeitaufwändig die Zugmaschine auf dem Gelände des Rotenburger Bahnhofs rangiert werden, um dann erst nach vorherigen Bremskontrollen die Fahrt Richtung Süden fortsetzen zu können. Es sei zwar korrekt, dass bei einer Elektrifizierung ein Lokwechsel in Rotenburg entfallen könne, rangiert werden müsse die E-Lok ohne Kurve Rotenburg aber trotzdem. Erst wenn diese „Kurve Rotenburg“ gebaut sei, könne man sich über den dritten Schritt Elektrifizierung Gedanken machen. Und die müsse beim Potenzial der Strecke auch für den Osten (Amerikalinie) und dem prognostizierten Anstieg des Güterverkehrs zweigleisig erfolgen. Schuster: „Alles andere wäre halbherziges Flickwerk.“

mk

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