Debatte um Oberstufe offen

Rotenburg muss alleine gehen: Kreis kündigt erweiterten Einzugsbereich für IGS

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Auch wenn es nebenan im Rotenburger Ratsgymnasium am Dienstag eigentlich vornehmlich um andere Themen ging, stand die Debatte um die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der IGS doch auch im Mittelpunkt.

Rotenburg - Von Michael Krüger. In den Zuschauerreihen sitzen einige aktuelle und ehemalige Vertreter der Schulleitung des Rotenburger Ratsgymnasiums und nicken. Und zwar immer dann, wenn an diesem Dienstagnachmittag in der neu gestalteten Cafeteria der Schule in der dort stattfindenden Sondersitzung der Kreisschulausschusses Argumente fallen, die gegen die mögliche Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule (IGS) nebenan fallen. Dabei ist das eigentlich kein Thema auf der Tagesordnung – irgendwie aber doch.

Am Mittwochnachmittag im Verwaltungsausschuss der Stadt Rotenburg ist das anders. Dort kommt die kontroverse Debatte erstmals offiziell auf den Tisch der städtischen Politik, nachdem IGS-Schulleiter Sven Thiemer und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) den Willen zur Gründung der Oberstufe in der vergangenen Woche verkündet haben. Weber will mit den Unterstützern eine Elternbefragung an der IGS auf den Weg bringen, mit der der mögliche Bedarf ab dem Schuljahr 20/21 ermittelt werden soll. Für den 27. September erhofft sich Weber einen positiven Beschluss des Stadtrats für das Millionenprojekt. Der Antrag müsste dann bei der Landesschulbehörde bis Dezember vorliegen, damit der Zeitplan aufgeht. Aber soweit ist man in der Kreisstadt noch lange nicht.

Zwischen den Zeilen wird das auch in der Sitzung des Schulausschusses des Kreistags immer wieder deutlich, obwohl der Landkreis gar nicht Schulträger dieser IGS ist – anders übrigens als üblich. Vornehmlich geht es um den einstimmig auf den Weg gebrachten Schulversuch einer gemeinsamen Oberstufe des Kivinan-Bildungszentrums (BBS Zeven) mit der Carl-Friedrich-Gauß-Schule (IGS Zeven). Aber bei all dem Lob, das die Kreispolitiker dafür spendieren, hört man auch, dass eine dritte Oberstufe in einem Mittelzentrum, wie es in Rotenburg der Fall wäre, grundlegend abzulehnen sei. SPD-Angeordneter Volker Kullik beispielsweise zum Zevener Modell: „Diesen Weg würden man auch anderen wünschen.“ Und CDU-Fraktionschef Marco Prietz: „Gut ist es in Zeven, dass es dort keine ideologischen Scheuklappen gibt.“ Und Reinhard Bussenius (Grüne): „Über andere will ich nicht reden, auch wenn ich weiß, dass da was im Busch ist. Es ist sehr vernünftig, nur zwei gymnasiale Oberstufen in Mittelzentren anzubieten.“

Dass die Rotenburger IGS doch einen eigenen Tagesordnungspunkt bekommt, hat nur am Rande mit der geplanten Oberstufe zu tun. Erster Kreisrat Torsten Lühring betont, dass es im Zuge der Debatte nun an der Zeit sei, einen „statistischen Trick“ geradezuziehen, der 2013 vereinbart worden sei, um die Gesamtschule überhaupt gründen zu können. Da damals die Interessensbekundungen von Eltern aus Rotenburg selbst zunächst nicht ausreichend waren, habe man den Einzugsbereich formal auf den ganzen Südkreis erweitert. 

Der IGS ist es damit möglich, über die 96 notwendigen Schüler für eine Vierzügigkeit hinaus bis zu 120 Schüler aufzunehmen – aufgefüllt mit auswärtigen Schülern. Das waren in den ersten Jahrgängen, so die Zahlen des Landkreises, maximal zwölf Schüler im fünften Einschulungsjahrgang. Einstimmig empfiehlt der Ausschuss nun, diese Vereinbarung zu kündigen – da Rotenburg allein ausreichend Schüler stellen könnte. Zudem, so Lühring, könne man aktuell nicht abschätzen, welche Rechtsfolgen die bisherige Vereinbarung für die Schulentwicklungsplanung im Landkreis hätte. Lühring: „Wir brauchen Gestaltungsfreiheit.“

Für die kommenden zehn Jahre erwartet der Landkreis IGS-Einschulungsjahrgänge in Größenordnungen zwischen 92 und 131 Schülern aus dem Stadtgebiet. Ob sich daraus dann ausreichend Empfehlungen für ein gymnasiales Oberstufenangebot ergeben, kann bislang niemand beantworten. Die Debatte nimmt noch Fahrt auf.

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