Migranten können in Rotenburg viele heimatliche Produkte kaufen

Einzelhandel stellt sich auf multikulturelle Ernährung ein

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Die Kasachin Sofia Lysow ist Inhaberin des Supermarktes „Mini Mix“ in Rotenburg und verkauft osteuropäische Nahrungsmittel.

Rotenburg - Von Heinz Goldstein. In der Kreisstadt ist das Bild der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten immer vielfältiger geworden. Dafür sorgen Zugereiste aus anderen Teilen der Bundesrepublik, aber auch aus vielen anderen Ländern. So unterschiedlich wie die Menschen sind, ist auch ihre Ernährung. Jeder greift gerne zu dem, was er kennt. Aber: Nicht alle für die Zubereitung der Lieblingsspeisen nötigen Zutaten sind in den deutschen Supermärkten auch erhältlich. Deshalb gibt es in Rotenburg inzwischen einige spezielle Lebensmittelgeschäfte, die sich auf diese Klientel eingestellt haben.

Einige Inhaber dieser Läden mit Lebensmitteln aus fernen Ländern im Angebot sind selbst vor Jahren in die Bundesrepublik gekommen und leben zum Teil schon in zweiter Generation in Deutschland. Da gibt es in der Kreisstadt zum Beispiel den Laden „Mini Mix“ an der Mühlenstraße. Dort verkauft die Kasachin Sofia Lysow seit 2004 Produkte aus Osteuropa. Die Lebensmittel kommen vorwiegend aus Russland und Polen. Teilweise werden die Produkte aber auch in Deutschland nach traditionellen Rezepten aus den Ursprungsländern produziert.

Viele Aussiedler aus Russland und Kasachstan sowie Migranten aus Polen, dem ehemaligen Jugoslawien, Kosovo und anderen Teilen Osteuropas gehören zum Kundenkreis. „Aber auch viele Deutsche kommen zum Einkaufen zu uns“, sagt die Ladenbesitzerin.

„Mit regelmäßigen Verkostungen im Markt stellen wir unsere Produkte vor. Dabei sind viele deutsche Kunden auf den Geschmack gekommen“, weiß Lysow. Die Schaschlikspieße beispielsweise, die bei ihr im Geschäft frisch hergestellt werden, seien bei den Rotenburgern sehr beliebt, erklärt sie. Bei allen Kunden, egal welcher Nationalität, seien auch die Teigtaschen („Pelmenis“) – ob mit Hackfleisch oder Früchten, Sauerkraut oder Pilzen gefüllt – ebenfalls ein Renner. 

Wurst nach russischem Rezept

Borschtsch (Rote-Rüben-Suppe) ist bei Sofia Lysow ebenso erhältlich wie russische Süßigkeiten, die direkt von dort importiert werden. Außerdem stehen besondere Milchprodukte wie körniger Quark, Kondensmilch, Käse, aber auch eingelegte Tomaten und Gurken zum Kauf in den Regalen bereit. „Viele der angebotenen Wurstwaren werden nach althergebrachten russischen Rezepturen in Deutschland produziert und finden bei uns reißenden Absatz“, berichtet Lysow. Das Personal im Markt stammt aus Osteuropa, spricht perfekt Russisch und Deutsch. Und die Verkäuferinnen geben allen Kunden gerne Tipps, wie sie ihren Speiseplan mit den etwas anderen Produkten aus östlichen Ländern erweitern können.

„Für mich haben viele Lebensmittel hier eine natürliche Qualität. Das sind keine Massenwaren. Besonders die handgemachten Produkte schmecken mir ausgesprochen gut“, erklärt Manfred Klein auf die Frage, warum er im „Mini Max“ so gerne einkauft.

Für gläubige Moslems muss es „halal“ sein

Etwas schwieriger mit dem Einkauf von Lebensmitteln wird es für die in Rotenburg lebenden Moslems. Sie müssen sich an die Vorschriften des Islam halten. Jene Regeln sind im Koran und in der Sunna nachzulesen. Für Muslime gilt alles, was in Verbindung mit Schwein hergestellt wird, als „unrein“. Und der Verzehr ist verboten. Ähnlich wie beim „koscheren“ Fleisch im Judentum, dürfen im Islam nur Tiere gegessen werden, die für den Konsum „halal“ (erlaubt) sind. Also Tiere, die nach einer bestimmten islamischen Art geschlachtet worden sein müssen.

Im Laden der Moschee gibt es täglich frisches Brot.

Darauf hat sich zum Beispiel der Markt neben der „Kleinen Moschee“ an der Fuhrenstraße eingestellt. „Bei uns können die Gläubigen zweimal in der Woche ihr Halal-Fleisch ordern. Das bestellen wir dann in Bremen und holen es auch dort ab. Zumeist handelt es sich um Lamm oder Geflügel“, erklärt der Vorsitzende des ehrenamtlich geführten orientalischen Marktes, Halim Özdemir. Damit aber nicht genug: Der Laden bietet täglich frisches arabisches Brot und zudem türkisches Fladenbrot. Dazu Gemüse, Obst, Gewürze, Reis, Tee und „Cahve“ (Kaffee). „Bei uns kaufen neben den Türken auch viele Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, dem Kosovo sowie aus arabischen und afrikanischen Staaten ein, die zurzeit in Rotenburg leben“, erzählt ein Mitarbeiter des Marktes. Auch viele Deutsche hätten im Laufe der Jahre den Laden für sich entdeckt.

„Alle Kunden sind bei uns willkommen, egal ob sie Mitglied der Gemeinde, Moslems oder Christen sind und welche Nationalität sie haben“, erzählt Özdemir. Viele Moslems würden die frühe Öffnungszeit nutzen, um gleich nach dem Morgengebet in der Moschee einzukaufen, weiß er.

Umut Kaya bietet in seinem Feinkost-Basar und Imbiss vornehmlich türkische sowie arabische Nahrungsmittel an.

Seit Juni 2002 gibt es zudem noch das türkische Feinkostgeschäft „Kaya“ mit angeschlossenem Imbiss am Neuen Markt. Die Türken Sian und Umut Kaya hatten sich zunächst speziell auf die türkischen Kunden eingestellt. Sie haben aber schnell erkannt, dass auch viele Deutsche die Produkte aus ihrer Heimat mögen. „Im Laufe der Jahre sind noch arabische Nahrungsmittel hinzugekommen. Döner, gefüllte Auberginen und Paprika, selbst eingelegter Schafskäse, Oliven, Peperonis aus türkischen oder arabischen Landen sind bei den deutschen Kunden ebenso gefragt wie bei unseren Landsleuten“, erzählt Umut Kaya. Süße Köstlichkeiten aus der Türkei (Baklava, Lokum), Wurstwaren und Fertiggerichte wie „Börek“ sind in dem Laden zu finden. Die große Obst- und Gemüseabteilung sei eines der Aushängeschilder des Ladens. „Viele Waren sind frisch vom Großmarkt in Hamburg. Der Weißkohl und die gigantischen Melonen stammen aus der Türkei“, erklärt der Inhaber. Überraschend stellt er mittlerweile fest: „Inzwischen kaufen weit mehr Deutsche als Türken und Leute aus dem Orient bei uns ein.“

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