Europameisterschaft beeinflusst lokale Wirtschaft kaum

Einzelhändler profitieren nur wenig von „Schland

Bei Diana Allert ist das EM-Fieber ausgebrochen. Nicht nur Schokospieler gibt es in ihrem Süßwarenladen. - Foto: Röhrs

Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Die Europameisterschaft, die heute in Frankreich beginnt, hat schon lange ihre Schatten voraus geworfen – gerade beim Einkaufen ist das spürbar. Kaum ein Produkt, wofür die Spieler der deuschen Nationalmannschaft nicht ihr Konterfei hergeben; kaum ein Geschäft, dass nicht mit Flaggen dekoriert ist. „Schland“ ist überall, die Farben Schwarz, Rot und Gold sind allgegenwärtig. Doch es scheint sich zu lohnen. Auch in Rotenburg nutzen die Geschäfte die EM. Wir haben uns umgehört.

Bis zu zehn Prozent steigen die Verkäufe, schätzt Nico Schacht, gerade in den Bereichen rund um den Grill – also Zubehör und Fleisch –, Getränke und natürlich Fanartikel. Letztere nimmt der Leiter der Famila-Filiale in Rotenburg sogar extra zur EM ins Sortiment auf. „Der Umsatz steigt spürbar“, sagt er – allerdings erst mit Beginn des Turniers. Der Erfolg des Einzelhandels bei der EM ist abhängig vom Erfolg der deutschen Nationalmannschaft, so Schacht. Die einfache Rechnung: Je weiter die DFB-Elf kommt, desto länger müssen die Fanparties versorgt werden. Schacht: „Wenn Deutschland in der Vorrunde ausscheidet, können wir das Geschäft vergessen.“

Auch im Süßwarenladen von Diana Allert ist das EM-Fieber ausgebrochen. In der Arko-Auslage tummeln sich Schokoladenlollis in Form von Spielern, Bälle aus Schokolade oder Fruchtgummi, sogar Rasen gibt es zum Naschen. Mal mit, mal ohne Schleife in den deutschen Farben. Schwarz-Rot-Gold und Fußball spricht den Kunden an, weiß Allert – und nicht nur, weil Schokolade und Co. Nervennahrung sind. Doch wie sich das auf ihren Umsätze auswirkt, vermag sie nicht zu sagen.

Auch andere Geschäfte in Rotenburg spüren, wenn die Männer um Bundestrainer Joachim Löw früh nach Hause fahren müssen. Aber nur gering, denn die tatsächlichen Mehreinnahmen durch die EM sind in der Kreisstadt überschaubar. „Bei uns ist zurzeit kein Hype da“, sagt Ingo Lehmann vom gleichnamigen Sportgeschäft. Zwar hat auch er sein Schaufenster mit alten Fußballfotos und fast schon historischen Stollenschuhen dekoriert, doch die EM wirkt sich kaum auf seine Umsätze aus. Hier und da mal verkauft er ein Trikot, ab und an einen Fußball. Auch seiner Erfahrung nach ändere sich das mit der Dauer des Turniers. Mehr als die Europa- hat seiner Meinung nach die Weltmeisterschaft Einfluss auf die Geschäfte. „Manche Läden haben sich ganz schön verschätzt, weil sie zu viel bestellt haben“, sagt Lehmann.

Fernseher werden zu sportlichen Großveranstaltungen kaum verstärkt verkauft. Händler Thorsten Reinsch: „Das war früher so. Als noch Geräte mit wirklich neuer Technik auf den Markt kamen, haben viele die Gelegenheit noch genutzt, sich beispielsweise einen Flachbild-TV zu kaufen.“ Heute reichten die Innovationen nicht genug aus, dass sich Fußballfans zum Turnier ein neues Gerät kaufen.

Es sind die Genussmittel, die zu EM-Zeiten stark nachgefragt werden. Das bestätigt auch Walter-Friedrich Gerlach, Geschäftsführer der Hol’-ab-Getränkemärkte. Zu Zahlen möchte der sich zwar nicht äußern, doch während einer EM würde die Kette „deutlich mehr“ Getränke umsetzen. Das Unternehmen setzt daher voll auf das Turnier, versucht mit speziellen Aktionen die Kunden in die Märkte zu locken. Gerlach; „Wir wollen das möglichst gut ausnutzen.“

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